Körperpflege Sauber mit Seife

Als die Seife erfunden wurde, war sie gar nicht zum Saubermachen gedacht. Und auch der edle Duft kam erst später hinzu. Die klassische Seife hat heute reichlich Konkurrenz durch synthetische Reinigungsmittel. Doch jetzt hilft sie uns sogar bei der Abwehr des neuen Corona-Virus.

Lavendelseife
Bildrechte: imago/Westend61

Wo kommt die Seife her? Als Erfinder gelten die Sumerer, ein Volk, das im früheren Mesopotamien lebte. Das Gebiet des früheren Zweistromlands gehört heute zu Irak. Den Sumerern werden zahlreiche kulturelle Leistungen zugeschrieben, unter anderem die Entwicklung der Keilschrift.

Zunächst zur Heilung gedacht

Relief aus der Sumererzeit
Die Seife ist eine Erfindung der Sumerer. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Vor viereinhalbtausend Jahren begannen die Sumerer, Pflanzenasche mit Ölen zu vermengen und damit eine frühe Form der Seife herzustellen. Das Gemisch war allerdings nicht zur Körperpflege gedacht, sondern diente eher als Wund- oder Heilsalbe.

Die Anleitung für die Herstellung gelangte zunächst nach Ägypten, dann nach Griechenland und landete schließlich in Rom. Erst den Römern fiel auf, dass Seife auch sauber macht. Von Germanen und Galliern wird die Verwendung seifenähnlicher Stoffe ebenfalls berichtet.

Das Rezept für Seife, wie wir sie heute kennen, geht auf die Araber zurück. Im siebten Jahrhundert verkochten sie Öl und Lauge zu einer festen Masse. Als sie Europa eroberten, brachten sie ihr Wissen auch nach Spanien und Frankreich – den späteren Zentren der Seifenproduktion.

Plötzlich verpönt

Im Mittelalter allerdings wurde die Erfolgsgeschichte der Seife jäh unterbrochen. Anlass waren die Pest- und Choleraepidemien. Badewasser stand plötzlich im Verdacht, die Auslöser der Krankheiten zu transportieren. Körperpflege mit Wasser und Seife war fortan verpönt, die Menschen gingen zur Trockenreinigung mit Puder über.

Ein farbiger Kupferstich zeigt Ludwig XIV, der in einer Sänfte getragen wird
Sonnenkönig Ludwig XIV. machte die Seife wieder populär. Sein eigener Geruch, so ist überliefert, war ganz und gar nicht seifenartig. Bildrechte: imago/UIG

Dem französischen König Ludwig XIV. wird zugeschrieben, ein Comeback der Seife eingeleitet zu haben. Er lud die besten Seifensieder nach Versailles ein und regte sogar ein Reinheitsgebot für Seife an.

Zwei Chemiker sorgten schließlich dafür, dass Seife zu einem Massenprodukt wurde, das für alle erschwinglich war: der Franzose Nicolas Leblanc und der Belgier Ernest Solvay. Sie entwickelten Verfahren zur Herstellung von Soda, einem damals wichtigen Grundstoff für die Seifenproduktion.

Woraus wird Seife gemacht?

historische Seifenstücke
Erst ab dem 19. Jahrhundert konnte Seife industriell hergestellt werden. Bildrechte: imago/Horst Rudel

Seife besteht im Grunde aus zwei Zutaten: zum einen aus einem Fett oder Öl und zum anderen aus Natron- oder Kalilauge. Bei der Herstellung werden die Fette in ihre Bestandteile aufgespalten. Die frei gewordenen Fettsäuren verbinden sich mit Bestandteilen aus der Lauge zu Salzen – den eigentlichen Seifen. Dieser Vorgang findet unter großer Hitze statt; daher das Wort "Seifensieden", chemisch spricht man von Verseifung.

Für die Seifenherstellung können sowohl tierische als auch pflanzliche Fette herangezogen werden. Ein klassischer Grundstoff ist Rindertalg. Alternativ werden Olivenöl, Kokosöl oder Sonnenblumenöl verwendet.

Der entstandenen Rohseife werden schließlich noch Farb- und Duftstoffe zugesetzt. Dass Seife nicht nur sauber macht, sondern auch noch gut riecht, war früher nicht selbstverständlich – es ist das Resultat der Zusammenarbeit von Seifensiedern und Parfümeuren.

Warum macht Seife sauber?

Bunte Seifenstücke
Seife vermittelt zwischen Wasser und Fetten. Bildrechte: imago images/Shotshop

Seife ist eine Art Vermittler zwischen zwei eigentlich nicht miteinander mischbaren Stoffen: Wasser und Fetten. Sie setzt die Oberflächenspannung des Wassers herab und führt zu einer guten Benetzung der Haut. Seifenmoleküle haben eine Art "Schwanz", der von Fett angezogen wird, und einen "Kopf", der ins Wasser ragt. Mit ihren "Schwänzen" umhüllen die Seifenmoleküle das Fett, bis es sich von der Oberfläche löst. Wasser spült das Ganze davon. Am Ende entsteht ein Gemisch aus Wasser und winzigen Fett-Tröpfchen, eine sogenannte Emulsion.

Seife und Hautprobleme

Seife ist ein alkalisches Produkt – ein Gegensatz zum leicht sauren Milieu auf unserer Haut. Mit jedem Waschen neutralisiert Seife also auch den Säureschutzmantel der Haut. Außerdem wäscht sie das Fett aus den oberen Hautschichten. Deswegen ist es zum einen wichtig, Seifen zu verwenden, die möglichst nicht extrem alkalisch sind. Zum anderen wird zu "überfetteten" Seifen geraten, die weniger Fett aus der Haut ziehen. Zur Pflege der Körperhaut ist eine eher mildere Waschemulsion empfehlenswert, zudem sollten allzu häufiges Duschen oder Baden vermieden werden.

Seife in der Corona-Pandemie

Händewaschen mit Seife
Händewaschen mit Seife hat während der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Bildrechte: imago images/Jochen Tack

Gerade gegen das neuartige Corona-Virus bietet Seife ein erstaunlich effektives Verteidigungsmittel. Doch warum? Die Erklärung liegt in der Struktur des Virus. Das Genmaterial des Erregers wird eingeschlossen von einer Art Kapsel, die wiederum von einer Fettschicht umhüllt ist. Gegen diese Fettschicht wirken die Waschtenside der Seife. Sie deaktivieren das Virus; beim Abspülen der Hände wird es weggeschwemmt.

Dr. Marion Krakor
Dr. Marion Krakor Bildrechte: Marion Krakor

Doch das so dringend empfohlene häufige Händewaschen während der Pandemie hat seinen Preis. Die Hände werden gerade jetzt stark strapaziert, weil das Waschen, wie oben beschrieben, den Fettgehalt der Haut reduziert. Die Leipziger Hautärztin Dr. Marion Krakor sieht momentan häufiger Patienten mit ganz typischen Beschwerden – mit einem sogenannten "irritativen Hautekzem" nämlich. "Diese Oberflächenveränderung mit Zerstörung des Säureschutzmantels bewirkt, dass dann andere Keime, Allergene oder auch Wasser in die Haut eindringen können. Damit entsteht eine fortlaufende Schädigung der Haut, die sich dann durch Juckreiz, Schuppung oder Rötung bemerkbar macht." Die Ärztin rät Menschen, deren Haut so reagiert, zu etwas Zurückhaltung bei der Anwendung von Seife. Es kann sinnvoll sein, zwischendurch häufiger zu einem rückfettenden Desinfektionsmittel zu greifen und die Hände nur zu waschen, wenn sie tatsächlich schmutzig sind.

Auf jeden Fall sollten wir der Haut zurückgeben, was wir ihr beim Händewaschen genommen haben. Also die Hände nach gründlichem Abtrocknen unbedingt eincremen: tagsüber mit einer Lotion, abends gern mit einer fettreicheren Creme und dabei auch die Zwischenräume der Finger und die Nagelbetten nicht vergessen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 11. Juni 2020 | 21:00 Uhr

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