Schaufensterkrankheit Gefährliche Durchblutungsstörungen

Es fängt mit leichten Beinschmerzen an, die mit den Jahren immer stärker werden. Irgendwann sind längere Gehstrecken nur mit vielen Pausen möglich. Die Diagnose: periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Sie gefährdet nicht nur die Durchblutung der Füße und Beine, sondern ist häufig ein Vorbote von Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wir sagen, auf welche Signale Sie achten sollten.

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz PAVK, handelt es sich um eine Störung der arteriellen Durchblutung der Extremitäten, von der meist die Beine betroffen sind. Im Volksmund wird die Krankheit auch "Schaufensterkrankheit" genannt – durch ihre Schmerzen werden die Betroffenen nach kurzen Strecken immer wieder zum Stehenbleiben gezwungen. So harmlos, wie es klingt, ist die Problematik aber nicht: Erkrankte haben in den meisten Fällen eine deutlich reduzierte Lebenserwartung, denn die Verengung der Arterien beschränkt sich oft nicht nur auf die Beine, sondern betrifft den ganzen Körper. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. 

Wer ist besonders gefährdet?

Hauptursache für die periphere arterielle Verschlusskrankheit ist die Arteriosklerose, die sogenannte Arterienverkalkung. "Die Risikofaktoren für die Ausbildung einer Arteriosklerose beinhalten Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie – also einen erhöhten Cholesterinspiegel – sowie das Alter der Patienten an sich", sagt Gefäßchirurg Ilhami Benli. Besonders heimtückisch sei die Entwicklung der Erkrankung jedoch bei Patienten mit Diabetes mellitus: "Diese leiden nicht selten ebenso an einer Neuropathie, sodass die frühen Warnsignale des Körpers nicht wahrgenommen werden und die Patienten erst im kritischen Stadium mit entsprechenden Komplikationen zum Arzt gehen". Auch Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit seien statistisch häufiger von der Entwicklung einer PAVK betroffen. Hier sollte ein entsprechendes Screening erfolgen, so Benli.

Vermeidbare Risikofaktoren

Da fast jeder Mensch im hohen Alter eine Arteriosklerose entwickelt, lässt sich auch einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit nicht gänzlich vorbeugen. Ausschlaggebend ist jedoch die Anzahl der Risikofaktoren. "Wer alle oben genannten Faktoren aufweist, hat ein Risiko von bis zu 50 Prozent, eine PAVK mit entsprechenden Symptomen zu entwickeln“, so Ilhami Benli. Ziel sollte deshalb sein, sämtliche Risikofaktoren einer vaskulären Erkrankung aufzuheben bzw. beizeiten medikamentös zu behandeln.

Frühzeitig zum Arzt gehen

Grundlegend für einen günstigen Verlauf einer PAVK ist die Früherkennung. Zwischen 25.000 und 35.000 große Gliedmaßen werden in Deutschland jährlich amputiert, weil die Prävention peripherer arterieller Verschlusskrankheiten versäumt wurde, schreibt das Ärzteblatt. Rund elf Prozent der älteren Männer sind demzufolge von der Krankheit betroffen; bei Frauen liegt der Wert etwas niedriger. Auf welche Anzeichen sollte man achten? "Tatsächlich ist das initiale Stadium der PAVK beschwerdefrei", sagt Ilhami Benli. "Es lassen sich jedoch bei Untersuchungen Befunde finden, die eine medikamentöse Therapie rechtfertigen würden. Bei wiederkehrenden muskulären Beinbeschwerden beim Gehen sollte man einen Arzt aufsuchen, um dem nächsten, kritischen Stadium vorzubeugen und schwerwiegende Einschränkungen der Lebensqualität, zum Beispiel durch eine Amputation, abzuwenden."

Cholesterinspiegel senken

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit verläuft in verschiedenen Stadien. Bei der Behandlung wird laut Benli in konservative und invasive Therapien unterschieden. Auch Patienten, die noch symptomlos sind, sollten medikamentös behandelt werden, um einem Fortschreiten der Erkrankung vorzubeugen: "Medikamente, die eine Thrombozytenaggregation – also eine Zusammenlagerung von Blutplättchen – hemmen sowie den Cholesterinspiegel senken, gehören zur Standardtherapie." Daneben sollte auch das Rauchen eingestellt werden.

Gehtraining kann Operationen abwenden

Patienten, die bereits über eine Schaufensterkrankheit klagen, aber noch weiter als 200 Meter laufen können, können sich körpereigene Bypässe züchten. Damit sollen Gefäße überbrückt werden, die nicht genügend sauerstoffreiches Blut befördern, erklärt der Gefäßchirurg. Das Ganze erfolgt mittels eines Gefäßsports, der dem Nordic Walking ähnelt: "Es ist erwiesen, dass diese Therapie Operationen und vor allem kritische Stadien der PAVK abwenden kann".

Grundlegend sei ein regelmäßiges Training, so Benli: "Die Umgehungskreisläufe, die sich ausbilden sollen, entwickeln sich erst in vielen Wochen bis Monaten. Das Fahrrad hingegen, auf das viele Patienten zurückgreifen, weil es weniger beschwerlich ist, eignet sich dafür leider nicht", sagt der Experte. Hier ist der Effekt, Umgehungskreisläufe auszubilden, nahezu nicht vorhanden. Bei schwereren Verläufen oder in einem schon vorangeschrittenen Stadium sind schließlich oft invasive Therapien notwendig. "Hierbei steht immer im Fokus, die Gefäße wieder durchgängig zu machen", erklärt Benli. Das kann beispielsweise durch Bypass-Operationen geschehen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 22. Oktober 2020 | 21:00 Uhr

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