Warnsignale beachten Wenn die Schilddrüse außer Kontrolle gerät

Groß ist die Steuerzentrale Schilddrüse nicht, aber sie beeinflusst unseren gesamten Stoffwechsel. Müdigkeit, Bluthochdruck, Haarausfall – alle diese Symptome können auf ein Problem mit der Schilddrüse hinweisen. Wie sich eine Erkrankung bemerkbar macht und was zu tun ist, wenn die Schilddrüse außer Kontrolle geraten ist, erklärt Mediziner PD Dr. med. Thomas Wilhelm.

Illustration der Vorder- und der Rückseite der Schilddrüse
Illustration der Vorder- und der Rückseite der Schilddrüse. Bildrechte: IMAGO

Die Schilddrüse produziert verschiedene Hormone, die vielfältige Funktionen im Körper erfüllen. Erkrankungen können dazu führen, dass entweder zu wenig oder aber zu viele Hormone hergestellt werden. Beides kann zu verschiedenen Beschwerden führen.

In Deutschland hat jeder dritte Deutsche infolge Jodmangels eine krankhaft veränderte Schilddrüse. Frauen und Männer sind dabei gleichermaßen betroffen. Mit der Jodversorgung scheinen es die Deutschen nicht so genau zu nehmen. Nach Untersuchungen des Bundesgesundheitsministeriums ist die Versorgung besser geworden, aber noch lange nicht gut. Dem Normalbürger fehlen täglich etwa 60 bis 80 µg Jod auf dem Speiseteller; bei schwangeren und stillenden Frauen sind es oft gar 120 bis 140 µg.

(µg ist eine andere Schreibweise für mcg (Mikrogramm; 1000 µg (mcg) = 1 Milligramm (mg) und 1000 mg = 1 Gramm (g))

Wie viel Jod braucht wer pro Tag?
Personengruppe Tägliche Zufuhr von Jod in µg/Tag
Säuglinge 50 - 80
Kleinkinder 100 - 120
Schulkinder 140 - 180
Jugendliche 200
Erwachsene bis 35 Jahre 200
Erwachsene über 35 Jahre 180
Schwangere 230
Stillende 260

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Symptome erkennen ...

Eine Störung der Schilddrüse, kann eine ganze Reihe von Beschwerden auslösen, wie zum Beispiel:

  • Druckgefühl im Hals sein, Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atemholen
  • Husten, Heiserkeit sowie vergrößerte Lymphknoten
  • Starkes Schwitzen, geschwollene Beine
  • Herzrasen, Nervosität, erhöhte Reizbarkeit
  • Konzentrationsschwäche, man fühlt sich schlapp und müde
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Die Haut kann austrocknen, die Haare werden stumpf und brüchig
  • Unerklärliche Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme

… und handeln

Viele Betroffene haben meistens einen jahrelangen Leidensweg hinter sich, bevor eine Schilddrüsenerkrankung erkannt wird. Es handelt sich dann um eine Ursache, die derart unterschiedliche Beschwerden im Körper auslösen kann.

Haben Sie mit den aufgelisteten Symptomen zu kämpfen, lassen Sie am besten beim Arzt eine Blutuntersuchung machen. Mit einem einfachen Test kann dieser herausfinden, ob sie an einer Schilddrüsenerkrankung leiden. Es kann sich dabei um eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Schilddrüsenüberfunktion handelt.

Mit Ultraschall können die Größe und die Beschaffenheit der Schilddrüse sichtbar gemacht werden. Es lassen sich so auch Kröpfe und Knoten feststellen. Eine Methode, um die Funktion der Schilddrüse sichtbar zu machen, ist die Szintigraphie. Dabei wird dem Patienten schwach radioaktives Jod verabreicht, das sich dann in der Schilddrüse einlagert. Mit Hilfe einer speziellen Kamera wird dies für den Arzt aufgenommen. Durch die unterschiedliche Einlagerung des Jods kann er sogenannte kalte (inaktiv) und heiße (überaktiv) Knoten erkennen. Im Verdachtsfall muss sich der Patient einer Sonographie (Ultraschalluntersuchung) und Biopsie (Gewebeentnahme) unterziehen. Die Behandlung hängt aber vom genauen Typ der Erkrankung ab.

Jährlich werden hierzulande circa 5000 neue Fälle von Schilddrüsenkrebs festgestellt. Er zählt damit zu den selteneren Krebsarten und tritt am häufigsten in der Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen auf. Überwiegend bei Frauen.

Bekannte Risikofaktoren sind Jodmangel, Bestrahlungen bzw. radioaktive Belastungen, auch familiäre Veranlagung sowie andere Schilddrüsenerkrankungen. Ein Kropf führt nicht direkt zu Krebs, kann aber Gewebsveränderungen nach sich ziehen, von denen ein erhöhtes Risiko ausgeht. Die Heilungsaussichten bei Schilddrüsenkrebs sind relativ gut, sofern er rechtzeitig bemerkt wird. Wichtigstes Verfahren ist die Operation, bei der die Drüse komplett entfernt wird.

Ohne Schilddrüse leben?

Ja, das geht. Da aber die Schilddrüse eine wichtige Hormondrüse ist, die für den Körper lebensnotwendige Hormone produziert, müssen diese Hormone durch Medikamente zugeführt werden. Und wenn die Medikamente nicht eingenommen werden? Die Folgen können vielfältig ausfallen. Möglich sind etwa Konzentrationsstörungen, Gewichtsveränderungen, Gedächtnisprobleme sowie Müdigkeit und Antriebslosigkeit.

Auf lange Sicht hätte es also Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit, da viele Funktionen in Mitleidenschaft gezogen werden oder sogar ganz zum Erliegen kommen könnten.

Unser Experte

PD Dr. med. Thomas Wilhelm

PD Dr. med. Thomas Wilhelm

Der Mediziner PD Dr. med. Thomas Wilhelm, Facharzt für HNO-Heilkunde, plastische Operationen und spezielle HNO-Chirurgie, beantwortet am Donnerstag ab 17 Uhr bei "MDR um 4" Ihre Fragen zum Thema Schilddrüse.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 24. August 2017 | 17:00 Uhr

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