Gesundheitsvorsorge Schutz vor HP-Virus und Gebärmutterhalskrebs

Ein Tumor am Gebärmutterhals entwickelt sich unbemerkt und wird meist spät entdeckt. Verursacht wird er oft durch ein Virus. Welche Symptome deuten darauf hin? Warum sollten auch Jungen gegen Humanen Papillomviren geimpft werden?

Darstellung HPV Virus
Fast alle Frauen haben im Laufe ihres Lebens eine HPV-Infektion, nur selten führt diese zu einer Krebserkrankung. Klärung bringen hier Vorsorgeuntersuchungen. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Eine Infektion mit humanen Papillomviren verläuft meist unbemerkt und beschwerdefrei. In den allermeisten Fällen heilt die Infektion von allein wieder ab. Wenn nicht, dann kann eine anhaltende Infektion in seltenen Fällen über Krebsvorstufen zu einem Gebärmutterhalskrebs führen.

HPV-Test jetzt Kassenleistung

Ob man mit HP-Viren infiziert ist, klärt ein Test. Seit 2020 gehört dieser für Frauen ab 35 Jahren standardmäßig zur gesetzlichen Krebsvorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen dazu. Bislang war das eine selbst zu zahlende IGEL-Leistung.

Ist der Test negativ können die Zellabstrich-Intervalle vergrößert werden, muss erst in drei Jahren wieder getestet werden. Fällt der Test positiv aus, besteht jedoch auch erst mal kein Grund zur Panik. "Ein positiver Test ist nicht gleichbedeutend mit Krebs. Da kann man erst einmal beruhigen. Fast alle Frauen haben im Laufe ihres Lebens eine HPV-Infektion, nur selten führt diese zu einer Krebserkrankung. Wichtig ist, dass man bei einer HPV-Infektion die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrnimmt. Damit bereits die Vorstufen zum Gebärmutterhalskrebs erkannt und behandelt werden können", empfiehlt Gynäkologin Dr. Dornhöfer.

Gut zu wissen Am Anfang stand eine kühne Hypothese: humane Papillomviren könnten die Ursache für Gebärmutterhalskrebs sein. Das vermutete 1976 der deutsche Mediziner Harald zur Hausen. Auf seine Hypothese folgte eine akribische wissenschaftliche Beweisführung, die rund 40 Jahre später zu einem Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs führte. Die erste Impfung gegen Krebs.

Für diese Lebensleistung wurde der jahrelange Vorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums 2008 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Viren auch Ursache für Peniskarzinome

Heute empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung in erster Linie für Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 14 Jahren. Humane Papillomviren werden über direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, vor allem beim Geschlechtsverkehr.  Die Impfempfehlung gilt für Mädchen seit 2006 – und seit 2018 auch für Jungen. Denn mittlerweile weiß man, dass die Viren nicht nur Gebärmutterhalskrebs verursachen können, sondern auch Penis- und Analkarzinome sowie Tumore in Mund und Rachen.

Kasse zahlt Impfung unter bestimmten Bedingungen

Bis zum Alter von 18 Jahren werden die Kosten für die Impfung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Aber auch später sind Impfungen unter bestimmten Bedingungen sinnvoll. "Zum Beispiel wenn eine Vorstufe zu Gebärmutterhalskrebs bereits operativ entfernt wurde, könnte eine Impfung sinnvoll sein. Denn sie senkt das Risiko wieder zu erkranken", erklärt Dr. Nadja Dornhöfer, stellvertretende Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde des Uniklinikums Leipzig. In diesem Fall zahlt die Krankenkasse ebenfalls auf Antrag die Impfung.

Gebärmutterhalskrebs: Symptome und besonders betroffene Jahrgänge

In Deutschland erkranken rund 4.300 Frauen pro Jahr an einem Krebs am Gebärmutterhals. Etwa ein Drittel verstirbt daran. "Es gibt zwei Altersgipfel für die Erkrankung", sagt Dr. Dornhöfer. "Der erste liegt zwischen 35 und 39 Jahren, der zweite etwa zwischen 60 und 64 Jahren".

Mögliche Warnzeichen für einen Tumor können ein ungewöhnlicher Ausfluss, Blutungen nach oder Schmerzen bei dem Geschlechtsverkehr oder Blutungen außerhalb des Zyklus sein. Die besten Heilungschancen gibt es, wenn der Tumor frühzeitig entdeckt wird. Frauen ab 20 Jahren haben die Möglichkeit, einen jährlichen Zellabstrich vom Gebärmutterhals untersuchen zu lassen.

Krebs am Gebärmutterkörper – keine Viren als Auslöser, aber auch keine Impfung

Es hört sich ähnlich an, hat aber eine völlig andere Ursache: Krebs am Gebärmutterkörper. Dieser Tumor wird nicht durch Viren verursacht, eine Impfung hilft hier nicht. "Gebärmutterkörperkrebs entsteht über die Zeit durch einen Östrogenüberschuss. Er betrifft typischerweise Ältere und Übergewichtige. Es gibt zwar auch Fälle mit genetischer Veranlagung, aber diese sind selten, ", erklärt Dr. Dornhöfer. Die höchsten Erkrankungsraten liegen bei Frauen zwischen 75 und 79 Jahren. Bei jüngeren Frauen ist diese Krebsart seltener, aber nicht ausgeschlossen.

Wann muss operiert werden?

Ein Alarmsignal sind hier Zwischenblutungen, Ausfluss und Blutungen nach den Wechseljahren. Ist die Diagnose bestätigt, folgt eine Operation. Dabei werden die Gebärmutter und die Eileiter und meist auch Eierstöcke entfernt, um das von Krebs befallene Gewebe vollständig zu entfernen.

"Je nach Tumorstadium muss noch eine Chemotherapie folgen und/oder eine Bestrahlung – wenngleich aufgrund anderer Operationsmethoden in der Uniklinik Leipzig keine Bestrahlung erfolgt“, so Dr. Dornhöfer. Gebärmutterkörperkrebs kommt etwa doppelt so häufig wie Krebs am Gebärmutterhals vor. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind daher auch nach den Wechseljahren wichtig.

Weitere Informationen vom Krebsinformationsdienst

Quelle: MDR Hauptsache Gesund

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 30. September 2021 | 21:00 Uhr

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