Digitaler Impfnachweis Warum der gelbe Impfpass bei Auslandsreisen nützlicher sein könnte

Ab Montag sind bundesweit digitale Impfnachweise erhältlich. Wir haben Apotheker Friedemann Schmidt gefragt, ob er einen Ansturm erwartet. Er rät, für einige Auslandsreisen auch weiter den gelben Impfpass dabei zu haben.

Digitaler Impfnachweis
Der digitale Impfnachweis erleichtert, sich vor Ort mit den nötigen Daten ausweisen zu können. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie realistisch ist es, dass am Montag jeder einen digitalen Impfnachweis bekommen kann?

Friedemann Schmidt: Das ist komplett unrealistisch. Mein Tipp: Etwas abwarten und nicht gleich in die Apotheke laufen. Der digitale Impfnachweis wird in Arztpraxen und Apotheken ausgestellt werden.

Welche Hürden gibt es?

Friedemann Schmidt: Die Apotheken und Arztpraxen müssen an ein spezielles Netzwerk angeschlossen sein, um die Daten abrufen und verarbeiten zu können. Die Aufgabe muss zudem wieder nebenbei gestemmt werden. Die Ressourcen sind begrenzt. Für diesen Service muss mehr Zeit eingeplant werden. Auch sind dafür qualifizierte Mitarbeiter nötig.

Friedemann Schmidt
Friedemann Schmidt ist Apotheker in Leipzig und Vorsitzender der Sächsischen Landesapothekerkammer. Bildrechte: ABDA

Machen alle Apotheken mit?

Friedemann Schmidt: Zunächst noch nicht. Es kann länger dauern, bis alle an dem Netzwerk angeschlossen sind. Aber anzumerken ist, das ist eine freiwillige Leistung.

Muss ich mich vorher anmelden?

Friedemann Schmidt: Ja, es ist sinnvoll vorher telefonisch oder per Mail einen Termin zu vereinbaren.

Welchen Vorteil soll der digitale Nachweis bringen?

Friedemann Schmidt: Ich kann mich als geimpfte Person elektronisch leichter identifizieren durch den gespeicherten QR-Code auf meinem Smartphone. Etwa in Restaurants, auf Konzerten oder auf Flughäfen.

Wird auch eine Kreuz-Impfung als solche dokumentiert?

Friedemann Schmidt: Da bin ich auch gespannt. Welche Informationen das Robert-Koch-Institut (RKI) abfragt, wissen wir derzeit auch noch nicht. Eines ist klar: Die vollständige Impfung wird nachgewiesen.

In Bezug auf Kreuz-Impfungen wird oft die Frage gestellt, ob man damit auch in anderen Ländern als "vollständig geimpft" gilt. Ist hier mit Problemen zu rechnen?

Friedemann Schmidt: Auch das wissen wir nicht. Das dürfte EU-weit keine Probleme geben. Hier gibt es ja einheitliche Regelungen zu den Impfstoffen.

Gilt der digitale Impfnachweis auch im Ausland oder gibt es hier Unterschiede?

Friedemann Schmidt: Im EU-Raum ja. Außerhalb sollte sicherheitshalber auch der gelbe Impfausweis mitgeführt werden. Denn der gilt international.

Wie lange wird dieser Impfnachweis anerkannt?

Friedemann Schmidt: Das hängt von der Immunität ab. Sie soll acht Monate anhalten, nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen. In der Schweiz wird von sechs Monaten ausgegangen. Das ist in den Ländern unterschiedlich geregelt.

Impfnachweis und kein Impfpass

Die EU-Kommission spricht ausdrücklich nicht von einem Impf-Pass, sondern von einem "digitalen grünen Nachweis", weil mit einem Pass bestimmte Rechte verbunden sind. Das aber ist hier nicht der Fall, weil die Brüsseler Behörde keine Vorgaben machen will, ob mit dem Zertifikat auch der Besuch von Kinos, Fitnessclubs oder Restaurants wieder möglich sein soll. Denn laut Justizkommissar Reynders geht es der EU dabei nicht darum, bestimmte Einschränkungen aufzuheben: "Darüber entscheiden die Mitgliedsstaaten. Uns geht es um die Reisefreiheit."

Hinweis Nach der Impfung wird ein QR-Code beim Arzt oder im Impfzentrum generiert, der ein Impfzertifikat beinhaltet und damit bestätigt, dass eine Person geimpft ist. Diesen Code erhält man nach der letzten Impfung gegen Covid-19. Er kann im Smartphone gescannt und dann leicht vorgezeigt werden. Aber auch der Papierausdruck des QR-Codes gilt als Nachweis.

Für bereits vollständig geimpfte Personen gibt es verschiedene Möglichkeiten den QR-Code zu erhalten. Wer im Impfzentrum geimpft wurde, soll den Code ab dem 14. Juni bekommen. Wie genau, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, teilweise bekommen Geimpfte eine E-Mail, teilweise soll der QR-Code, wie Gesundheitsminister Spahn ankündigte, per Post kommen.

Vollständig Geimpfte können sich den QR-Code dann auch gegen Vorlage seines gelben Impfausweises in einer Apotheke erstellen lassen. Bis Ende Juni soll der Service auch bei Hausärzten möglich sein.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 10. Juni 2021 | 21:00 Uhr

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