Corona-Impfstoff Impfung zuerst bei Risikogruppen und im Gesundheitswesen

Im Ringen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus kommt Bewegung. Die Firma Biontech legt vielversprechende Ergebnisse vor und will in der kommenden Woche eine Zulassung beantragen. Doch bis genügend Personen für eine Herdenimmunität geimpft sind, dürften Monate verstreichen. Fachleute haben nun Empfehlungen veröffentlicht, wer Vorrang haben sollte.

Eine Ärztin gibt einer Frau eine Spritze als Grippeschutzimpfung.
Der Impfstoff gilt als Schlüssel, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, sodass die Pandemie beendet ist. Bis tatsächlich ausreichend Menschen geimpft sind, dürften allerdings einige Monate vergehen. Bildrechte: imago images / Kirchner-Media

Bei künftigen Impfungen gegen Sars-CoV-2 sollen ältere Personen, Menschen mit Vorerkrankungen und Beschäftigte im Gesundheitswesen bevorzugt werden. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das die Ständige Impfkommission gemeinsam mit dem Deutschen Ethikrat und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina erarbeitet haben. Auch Menschen in Schlüsselstellungen in der Gesellschaft und für die öffentliche Ordnung sollen demnach vorrangig Zugang zum Impfstoff erhalten. Dazu zählen Beschäftigte der Polizei, der Gesundheitsämter sowie an Schulen und Kitas. Als weitere Gruppe mit hoher Priorisierung werden Menschen in beengten Gemeinschaftsunterkünften genannt, etwa Obdachlose und Asylsuchende.

Es wird nicht von Anfang an möglich sein, alle Impfwilligen mit einem Impfstoff zu versorgen.

Thomas Mertens Vorsitzender der Ständigen Impfkommission

Impfkommissions-Vorsitzender Thomas Mertens sagte, geimpft werden müsse so, dass am Ende der größte Nutzen für die ganze Bevölkerung herauskomme. Die genaue Zusammensetzung der einzelnen Gruppen könne mit dem derzeitigen Wissensstand aber noch nicht festgelegt werden. Ethikrats-Vorsitzende Alena Buyx erklärte, es sei bereits klar, dass nicht alle Risikopatienten eingeschlossen seien. Noch zuvor hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der "Bild" gewarnt, dass bis zu 40 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zur Risikogruppe zähle. Dabei bezog er sich auf die Altersstruktur und auf Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht.

Detailliertere Empfehlungen bis Jahresende

Grundlagen für die Empfehlung einer Priorisierung sind den Expertinnen und Experten zufolge unter anderem die freiwillige Impfentscheidung, die Nichtschädigung des Impflings, Solidarität sowie Dringlichkeit zum Schutz vor schweren Krankheitsverläufen und Tod.

Voraussichtlich bis Ende des Jahres wird die Stiko auf Basis der Rahmenbedingungen detaillierte Impfempfehlungen erarbeiten und fortlaufend aktualisieren. Entscheidend dafür sind auch weitere Ergebnisse aus klinischen Studien der Impfstoffkandidaten.

Biontech offenbar vor Durchbruch

Das Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer stehen unterdessen offenbar vor einem Durchbruch. Die beiden Unternehmen teilten am Montag mit, das von ihnen entwickelte Präparat sei zu mehr als 90 Prozent wirksam. Dazu verwiesen sie auf Daten der laufenden klinischen Prüfung. Bislang seien keine ernsten Sicherheitsbedenken aufgekommen. Schon in der kommenden Woche wollen Biontech und Pfizer nach eigenen Angaben in den USA eine beschleunigte Zulassung beantragen.

Fortlaufende Information für Akzeptanz

Nach Zulassung eines Impfstoffs soll den Empfehlungen zufolge in "staatlich mandatierten Impfzentren" unabhängig vom Versichertenstatus geimpft werden. Zudem sollen mobile Impfteams eingesetzt werden - etwa in Altenheimen. Um Vertrauen und Akzeptanz aufzubauen, soll die Bevölkerung zudem transparent und fortlaufend über alle Aspekte informiert werden. Leopoldina-Präsident Gerald Haug sagte, die derzeitige Impfbereitschaft von unter 60 Prozent müsse noch verbessert werden. Zugleich mahnte er, auch bei einer verfügbaren Impfung werde es zunächst weiter zu Kontaktbeschränkungen kommen. Fachleute gehen davon aus, dass es rein organisatorisch einige Monate dauern wird, bis ausreichend Menschen geimpft sind, damit die Herdenimmunität erreicht ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. November 2020 | 13:00 Uhr

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