Verengte Herzgefäße Koronare Herzkrankheit: Wenn dem Herzen die Luft ausgeht

Die koronare Herzkrankheit (KHK) zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Herzens. Durch Kalkablagerungen in den Gefäßwänden verengen sich die Herzkranzgefäße – mit gefährlichen Folgen. Über Ursachen, Symptome und Therapien klärt Dr. Thomas Dietz auf.

Was ist die Koronare Herzkrankheit?

Hierzulande leiden rund 5,5 Millionen Menschen unter der Koronaren Herzerkrankung (KHK). Betroffen sind bei ihnen die Herzkranzgefäße: Sie verengen sich durch Kalkablagerungen in den Gefäßwänden.

Folge: eine Störung der Durchblutung und damit eine Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Unbehandelt drohen Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Herzinfarkt und plötzlicher Herztod.

Was sind Ursachen für die Koronare Herzkrankheit?

Die Herzkranzgefäße befinden sich an der Oberfläche des Herzens und versorgen den Muskel mit Sauerstoff. In ihrem gesamten Verlauf können Engstellen oder Verschlüsse auftreten. Dadurch bekommt das Herz, vor allem bei Belastung, nicht mehr ausreichend Sauerstoff: Der Muskel übersäuert. Das führt zu Schmerzen und Engegefühl in der Brust - die Symptomatik ist bekannt als Angina Pectoris.

3D Modell eines gläsernen Menschen.
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Verursacht werden die Engstellen durch Arteriosklerose: krankhafte Ablagerungen von Blutfetten und Kalk in den Wänden der Gefäße. Die Herzkrankgefäße verlieren dadurch ihre Elastizität und können mit der Zeit verstopfen. Als wichtigste Risikofaktoren für die Entwicklung der Koronaren Herzkrankheit gelten erbliche Veranlagung, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, hohes Alter, auch Bewegungsmangel.

Welche Symptome deuten auf eine Koronare Herzerkrankung?

Typische Beschwerden einer Sauerstoff-Unterversorgung des Herzmuskels sind anfallsartig auftretende brennende, drückende oder reißende Schmerzen in der Herzgegend, die auch in den Rücken und bis in Oberarme und Kiefer ausstrahlen können, und ein Gefühl der Enge in der Brust (Angina Pectoris).

Mit fortschreitender Erkrankung kommen diese Symptome auch schon beim normalen Gehen oder Treppensteigen. Angina-Pectoris-Schmerzen können in den gesamten Brustraum und in den Rücken ausstrahlen.

Die KHK kann jedoch auch lange Zeit symptomlos verlaufen - das macht sie besonders gefährlich. Denn treten die Angina-Pectoris-Beschwerden erstmals oder erstmals in Ruhe oder intensiver auf als zuvor, ist ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko anzunehmen.

Wie wird die KHK diagnostiziert?

  • Durch eine körperliche Untersuchung, durch eine Anamnese: Wann treten die Schmerzen/Enge normalerweise auf, wie genau fühlen sie sich an, welche weiteren Symptome begleiten sie eventuell? Liegen andere bekannte Erkrankungen vor? Kamen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie vor? Wird geraucht?
  • Durch eine Blutabnahme, die zeigt, ob risikoerhöhende Stoffwechselerkrankungen vorliegen.
  • Durch ein Herz-Ultraschall (Echokardiografie). Der Facharzt kann Klappen, Herzmuskel und Bewegungen der Herzwand beurteilen.

Erweiterte Diagnostik je nach Risikobewertung

Je nach dem individuellen Risikoprofil können im nächsten Schritt weitere invasive oder nichtvasive Untersuchungen infrage kommen, um eine KHK auszuschließen oder aber den Verdachtsbefund zu konkretisieren.

Zum Beispiel:

  • Herzultraschall unter Belastung (Stress-Echokardiografie)
  • nuklearmedizinische Untersuchung des Herzmuskels (Myokardszintigrafie, MSZ)
  • Magnetresonanztomografie des Herzens (Cardio-MR)
  • Computertomografie des Herzens (Cardio-CT)
  • Ultraschall der Halsschlagader
  • Herzkatheter – Untersuchung

Herzkatheter und Stent

Engstellen an den Herzkranzgefäßen oder Verschlüsse lassen sich mit einer Herzkatheter-Untersuchung sichtbar machen. Dazu schiebt der Kardiologe vom Handgelenk oder der Leiste aus, einen dünnen Draht bis zum Herzen und spritzt ein Röntgenkontrastmittel. Das Herz wird durchleuchtet und so die Herzkranzgefäße beurteilt.

Während der Untersuchung kann der Kardiologe das verengte Gefäß mit einer winzigen Diamantfräse und einem Ballon weiten.

Dabei wird eine Gefäßstütze aus einem Metallgitter, ein Stent, eingesetzt, der das Blutgefäß offen halten soll. Um eine rasche Wiederverengung des Blutgefäßes zu verhindern, können dabei Medikamente freisetzende Ballons oder Stents eingesetzt werden.

Bypass-Operation

Bypass bedeutet "Umleitung" – die Ärzte stellen bei der Operation eine Gefäßbrücke her, um die Engstelle zu umgehen. Die Bypass-Operation ist ein größerer Eingriff am offenen Herzen. Dabei wird die Engstelle nicht aufgelöst, sondern mit einer Umleitung überbrückt. Dazu nimmt man heute so weit wie möglich eine der beiden Brustwandarterien.

Dazu öffnet der Herzchirurg den Brustkorb, damit er Zugang zum Herzen bekommt. Es wird an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Die Brustwandarterie behält ihren Ansatz und wird nur umgeleitet, das heißt, das Ende wird auf das Herzkranzgefäß genäht. Anschließend werden die Herzkranzgefäße mit einer Kühllösung gespült. Dann wird das Blut durchs Herz geleitet, es wärmt das Organ langsam auf. Meistens beginnt es wieder von selbst zu schlagen, wenn es seine normale Temperatur erreicht hat.

Neuerdings kann dieser Eingriff auch minimal-invasiv durchgeführt werden. Er dauert bis zu dreieinhalb Stunden.

Behandlung mit Medikamenten

Bei der medikamentösen Behandlung der Koronaren Herzerkrankung kommen diverse Wirkstoffe zum Einsatz, besonders Blutgerinnungshemmer (vor allem Blutplättchensenker), Statine (Fettsenker), Betablocker (zur Senkung der Herzfrequenz) und ACE-Hemmer. 

Welche Folgekrankheiten können auftreten?

Eine Koronare Herzerkrankung kann zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen. Die bedeutsamsten sind Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder Herzschwäche (Herzinsuffizienz).

Manche Menschen mit einer KHK entwickeln auch Depressionen. Dies kann insbesondere nach einem Herzinfarkt geschehen.

Was können Betroffene für ihre Gesundheit tun?

Sie sollten ihre Lebensgewohnheiten, wenn nötig, ändern! Ob mit Operationen oder mit Tabletten: Die Koronare Herzerkrankung lässt sich nicht heilen. Allerdings können Patienten die Krankheit aufhalten und viele Lebensjahre gewinnen, wenn sie rechtzeitig handeln. Das bedeutet: einige Lebensgewohnheiten umstellen.

Es geht maßgeblich darum, die Risikofaktoren zu minimieren. Indirekt gehört somit das Bessern von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen entscheidend mit zur Behandlung der KHK.

Studien zufolge können Änderungen im Lebensstil dabei sogar mehr bewirken als Medikamente. Besonders wichtig: Aufhören mit Rauchen. Das senkt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um die Hälfte. Gewicht reduzieren bei bestehendem Übergewicht, mehr Bewegung und Ernährungsumstellung.

Ernähren Sie sich herzgesund

Die Empfehlungen aller internationalen Fachgesellschaften zur Vorbeugung und Therapie von Herzgefäßerkrankungen lauten:

  • viel frisches Gemüse und zuckerarmes Obst am Tag
  • Fisch anstelle von Fleisch; viel vegetarische Kost
  • Hochwertige Öle statt billige Fette

Unbedingt häufiger essen sollte man gesunde Fette, zum Beispiel einfach ungesättigte Fettsäuren. Die wichtigste einfach ungesättigte Fettsäure ist die Ölsäure. Sie kommt in Olivenöl, Erdnussöl und Avocados vor, zudem in Sesam- oder Rapsöl und in Nüssen.

Nüsse liefern reichlich ungesättigte Fette, dazu Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe plus wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe. Sie sättigen gut, ohne den Blutzuckerspiegel hochschnellen zu lassen – daher sind sie auch ein toller Snack für zwischendurch. Cashew- und Macadamianüsse, Hasel- und Erdnüsse sowie Mandeln sind reich an einfach ungesättigten Fettsäuren. Walnüsse liefern zudem wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Da die Fette aber auch mit allerhand Kalorien zu Buche schlagen, sollte eine Handvoll Nüsse am Tag reichen. 

Zu den ungesunden Nahrungsfetten zählen insbesondere Transfettsäuren. Ihr Verzehr kann das "schlechte" LDL-Cholesterin im Blut erhöhen und das "gute" HDL-Cholesterin senken. Das LDL-Cholesterin kann sich in den Gefäßen ablagern und somit die Entstehung von Arteriosklerose fördern – einer der wichtigsten Risikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt. Transfette finden sich zum Beispiel in frittierten, gebratenen oder gebackenen Lebensmitteln – also in beliebten Snacks wie Donuts, Berlinern, Croissants, Keksen, Blätterteig-Gebäck, Chips oder Pommes frites. Häufig stecken sie auch in Fertiggerichten, Fertigpizzen und Fertigsuppen.

  • Getreidevollkornprodukte statt Weißmehlprodukten
  • Hülsenfrüchte und Nüsse
  • Zuckerkonsum reduzieren. 

Bewegung ist gut fürs Herz

Regelmäßige körperliche Bewegung wirkt sich extrem positiv aus, kann Beschwerden mindern und viele Lebensjahre schenken. Durch belastungsangepasstes Ausdauertraining, wie z.B. Nordic Walking, schnellere Spaziergänge, Schwimmen sinkt die Herzfrequenz. Der Herzmuskel wird dadurch entlastet und besser mit Sauerstoff versorgt.

Ausdauersport senkt Cholesterin, Blutdruck und Puls und fördert sogar die Bildung neuer kleiner Verästelungen der Herzkranzgefäße – der Körper schafft dadurch sozusagen "natürliche Bypässe".

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 04. März 2021 | 17:00 Uhr

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