Corona-Angst Warum viele Eltern mit ihren Kindern nicht zum Arzt gehen

Derzeit dreht sich fast alles um Covid-19. Doch Kinderärzte warnen: Viele Eltern versäumen derzeit die Vorsorgeuntersuchungen und riskieren so Krankheiten, die viel verbreiteter sind - auch bei uns in Mitteldeutschland.

Bei chronischen Krankheiten müssen auch die Erzieher im Kindergarten manchmal Medikamente geben. Auf dem Bild gibt eine Frau einem Kind Medikamente, das Kind verweigert sich. Im Hintergrund sind zwei weitere Kinder zu sehen.
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Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus vermeiden derzeit viele Eltern den Besuch beim Kinder- und Jugendarzt. Das meldet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). So berichten wohl immer mehr Ärzte, dass Kinder sogar mit offensichtlichen Symptomen viel zu spät zum Arzt gebracht würden. Und das kann gefährlich werden!

Ein hohes Risiko

Ein kleines Mädchen bekommt eine Spritze in den Oberarm
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Dabei riskieren die Eltern nicht nur bleibende Schäden, sondern auch vermeidbare Komplikationen, die durch die richtigen Medikamente oder eine Impfung verhindert werden könnten.

Die Kinder- und Jugendärzte appellieren deshalb: "Eltern sollten nicht vergessen, dass es auch weitere, für Kinder sogar viel gefährlichere Krankheiten gibt und dass wir gegen diese bereits heute wirksame Impfstoffe zur Verfügung haben."

Die Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Eine Blitzumfrage von des ,dr ,agazins Hauptsache Gesund unter den Kinderärzten in Mitteldeutschland hat ergeben, dass derzeit auch bei ihnen deutlich weniger Patienten in die Sprechstunden kommen. Einzelne Praxen berichten von bis zu 75 Prozent weniger Patienten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die befragten Ärzte gehen allerdings davon aus, dass nicht nur Corona eine Rolle spielt. Weniger Infekte der Kinder durch das milde Wetter und der eingeschränkte Kontakt zu anderen, zum Beispiel im Kindergarten, spielten ebenfalls eine Rolle. Weil Deutschlands Kassenärzte Anfang März vor unnötigen Praxisbesuchen gewarnt hatten, seien außerdem Vorsorgeuntersuchungen verlegt und Impftermine zum Teil abgesagt worden.

Nur in Rücksprache mit dem Arzt

Ein Mädchen mit einem Teddybär soll eine Spritze bekommen
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Steht eine Untersuchung oder eine Impfung an, sollten Eltern die Termine nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt verschieben. So fehlen den Kindern keine nötigen Impfungen, die sie vor gefährlichen Kinderkankheiten schützen. Dr. Sigrid Peter, Vizepräsidentin des BVKJ, warnt: "Kinder, die diese Grundimmunisierung und auch die Auffrischung nicht bekommen, sind den Erregern dieser Krankheiten schutzlos ausgeliefert." Außerdem fehle durch sinkende Impfraten der Herdenschutz, der auch diejenigen vor einer Erkrankung schützt, die nicht geimpft werden können.

Kein erhöhtes Risiko

Eltern, die mit ihren Kinder in die Sprechstunden gehen, würden sich keinem größeren Risiko aussetzen. Die wegen der Coronakrise geltenden Hygienestandards würden dort natürlich umgesetzt.

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