Schwache Venen Krampfadern: Symptome, Behandlung, Vorbeugung

Krampfadern an den Beinen kennen viele. Doch Krampfadern können auch an anderen Körperstellen Probleme bereiten. Beim Beckenvenensyndrom verursacht eine innere Krampfader chronische Schmerzen. Eine Erkrankung die kaum bekannt ist, aber gut behandelt werden kann.

Frau mit Wärmflasche auf dem Bauch
Schmerzen im Unterleib können auch durch ein Beckenvenensyndrom verursacht werden. Bildrechte: imago/Westend61

Venenschwäche in den Beinen

Unsere Venen in den Beinen transportieren Blut im Körper aufwärts zum Herzen zurück. Um den Rücktransport gegen die Schwerkraft zu erleichtern, haben die Beinvenen in regelmäßigen Abständen Venenklappen.

Bei zu schwachem Bindegewebe nimmt die Elastizität der Blutgefäße ab, die Venenklappen schließen nicht mehr richtig. Das Blut versackt in den Beinen, Krampfadern bilden sich. In dieser Stauzone kann es zu hartnäckigen Geschwüren, offenen Beinen oder einer Thrombenbildung kommen. Ab einem gewissen Grad raten Ärzte daher zu einer Entfernung der Krampfadern.

Ein junger Mann mit Kompressionsstrumpf 6 min
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Die vier häufigsten Verfahren zur Entfernung von Krampfadern

Stripping: Beim Stripping macht der Chirurg einen Schnitt in der Leiste und zieht die kranke Vene mit Hilfe einer Sonde heraus. Die OP wird unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose vorgenommen. Das Stripping gilt als sehr sichere Standardmethode. Nach dem Eingriff müssen für etwa drei Monate Kompressionsstrümpfe getragen werden.

Laser: Dieses Verfahren ist etwas weniger invasiv als das Stripping. Bei der Lasertherapie wird der Laser mit einem Katheter durch die Vene bis an die Leiste geführt. Beim Zurückziehen erhitzt der Laser die Venenwand so stark, dass das Gefäß schrumpft und sich mit der Zeit auflöst. Eine Studie an elf verschiedenen Zentren in Großbritannien (2019) zeigte: Stripping und Laser schneiden fünf Jahre nach dem Eingriff in etwa gleich gut ab. Es gibt auch beim Laser keine vermehrten Komplikationen oder Beschwerden.

Radiofrequenztherapie: Auch diese ist wie die Lasertherapie ein thermisches Verfahren. Die Vene wird durch die Wärme von Radiowellen zerstört und löst sich dann Stück für Stück auf. Der Patient ist schon kurz nach dem Eingriff wieder belastbar, allerdings kommt das Verfahren bei sehr stark erweiterten Stammvenen an seine Grenzen.

Schaumverödung: Dabei wird das betroffene Gefäß mit einem chemischen Stoff verödet. Sehr dicke Krampfadern sind hierfür nicht geeignet. Die Methode wird häufiger zur Nachbehandlung angewandt und mit anderen Verfahren kombiniert.

Wann überhaupt ein solcher Eingriff erfolgen soll, kann nur mit einem Gefäßspezialisten besprochen werden. Ob bereits bei einem Schweregefühl in den Beinen oder kosmetischen Aspekten operiert werden sollte, ist umstritten. Zeigen sich allerdings schon Verhärtungen oder offene Beine, dann muss behandelt werden. Denn von allein verschwinden Krampfadern nicht.

Behandlung von Krampfardern 7 min
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Tipps gegen schwere Beine im Sommer

Beine hoch: Langes Stehen belastet die Venenklappen. Das Blut wird nicht mehr schnell genug zum Herzen gepumpt und führt zum Anschwellen der Beine. Wann immer es geht, lagern Sie Ihre Beine höher.

Kühlen: Der Sommer ist perfekt für eine Kneipp-Kur. Das Treten im kühlen Wasser ist eine Wohltat für geschwollene Füße. Zu Hause hilft ein kurzes Abduschen am Wasserhahn oder Gartenschlauch.

Bewegen: Eine kleine Fußgymnastik geht immer. Schaukeln Sie beispielsweise im Sekundentakt hoch auf die Zehenspitzen und zurück auf die Ferse. Das geht auch im Sitzen. Die Aktivierung der Wadenmuskulatur hilft den Venen, das Blut aus den Beinen zu befördern.

Pflanzenkraft: Rosskastanie, Weinlaub und  Minze haben eine kühlende und leicht entzündungshemmende Wirkung. In Gels und Cremes lindern sie ein leichtes Schweregefühl in den Beinen.

Kompressionstrümpfe: Bei ausgeprägter Venenschwäche verhindern sie, dass zu viel Blut in den Beinen versackt. Kompressionsstrümpfe müssen im Sanitätshaus angepasst werden, sind heutzutage aber modischer und bunter, als man denkt.

Kaum bekannt: das Beckenvenensyndrom 

Wie bei einer Krampfader im Bein ist beim Beckenbodensyndrom die Ovarialvene im Becken stark erweitert. Die Folge: ein Durchblutungsstau im Unterbauch und Schmerzen. "Man vermutet, dass jede dritte Frau, die länger als sechs Monate chronische Unterleibsschmerzen hat, von dieser Krankheit betroffen ist", sagt Gefäßspezialist Ilhami Benli von den Ilm-Kreis-Kliniken in Arnstadt.

Doch die Erkrankung ist selbst unter Ärzten kaum bekannt. Das Problem ist, dass die Beschwerden so vielen anderen Erkrankungen ähneln. "Es kann eine Hüftarthrose, eine gynäkologische Erkrankung oder eine Blasenentzündung sein, die solche Beschwerden verursacht. Man sollte aber auch an die wichtige Differenzialdiagnose der Gefäße denken, damit die Patienten nicht 30 Jahre leiden müssen, bis sie therapiert werden", so Benli. Auch bei Männern kann dieses Problem auftreten. Allerdings: "Bei Männern ist das einfacher zu diagnostizieren, weil sich hier Krampfadern um den Hoden bilden und sie somit sichtbarer sind als bei den Frauen", so Ilhami Benli.

Grafik: Arthrose Hüfte
Eine Hüftarthrose löst ähnliche Schmerzen aus wie ein Beckenvenensyndrom. Das macht die Diagnose schwierig. Bildrechte: imago/Panthermedia

Minimalinvasive OP hilft

Erste Hinweise auf ein Beckenvenensyndrom sieht man bei einer Ultraschalluntersuchung. Gynäkologen sehen ausgeweitete Gefäße um die Gebärmutter meist eindeutiger, als wenn die Untersuchung über den Bauch erfolgt. Eine ganz genaue Diagnostik gibt es dann mit einem CT oder MRT.

Mit einem unkomplizierten, minimalinvasiven Eingriff kann die Krampfader dann behandelt werden. Die Patientin wird nur lokal betäubt und bleibt die ganze Zeit wach. Über einen Katheter wird die Krampfader mit Metallspiralen, sogenannten Coils, verstopft und das Ende mit Gefäßkleber verödet. Der Eingriff dauert insgesamt etwa rund zwei Stunden.

In der Regel merken die Patienten nach einem solchen Katheter-Eingriff sofort, dass es besser wird. "Man spricht von einem Therapieerfolg, wenn eine Schmerzreduktion um 50 Prozent erreicht wird, dass die Patienten wieder Lebensqualität bekommen und ihren Alltag bewältigen können", erläutert Gefäßspezialist Benli.

Wo gibt es überall Krampfadern? Krampfadern treten nicht nur in den Beinen und im Becken auf. Sie können auch in der Speiseröhre, Ösophagusvarizen genannt, Probleme machen. Krampfadern im Analbereich werden als Hämorrhoiden bezeichnet. Und Krampfadern können auch am Hoden auftreten, Beschwerden machen und zu Unfruchtbarkeit führen.

MDR (cbr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 12. Januar 2023 | 21:00 Uhr

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