Vorsorge Früherkennung von Krebs: Das sind die Warnsignale

Ist der Knoten unter der Haut ein Symptom für Brustkrebs, die Hautveränderung ein Anzeichen für Hautkrebs? Für die Heilungsaussichten kann das frühe Erkennen von Krebs entscheidend sein. Deshalb haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf verschiedene Vorsorgeuntersuchungen, die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten. Aber auch Bewusstsein für Risikofaktoren und Veränderungen der eigenen Gesundheit ist wichtig. Mediziner Thomas Dietz erklärt, wie ein Tumor frühzeitig erkannt werden kann.

Das frühe Erkennen einer Krebserkrankung kann für die Heilungschancen entscheidend sein. Stress im Job, im Alltag und in der Familie lassen bei vielen Menschen das eigene körperliche Befinden in den Hintergrund rücken. Doch keine Beschwerden und Schmerzen zu haben, ist keine Garantie dafür, dass man nicht an Krebs erkrankt ist. Aus diesem Grund hat jede und jeder gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf verschiedene Vorsorgeuntersuchungen, für die die Krankenkasse die Kosten übernimmt.

Was ist Krebs überhaupt?

3D Grafik einer Krebszelle
Bösartige Krebszellen werden in der Medizin auch als maligne Zellen bezeichnet. Bildrechte: imago/Panthermedia

Dabei handelt es sich um krankhafte Veränderungen an den Körperzellen. Es kommt zu einer Vermehrung der Krebszellen. Sind die Körperzellen gesund, verlaufen ihr Wachstum, ihre Entwicklung und Teilung sowie ihr Absterben ohne Probleme. Bei Krebszellen fehlt jedoch diese Regelung. Es kommt wieder und wieder zur Teilung, sodass sie schließlich eine Geschwulst bilden. Bösartige Krebszellen werden in der Medizin auch als maligne Zellen bezeichnet. Diese Zellen dringen immer tiefer in angrenzendes Gewebe vor, wo sie sich vermehren und das gesunde Gewebe mehr und mehr zerstören.

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

Trotz der intensiven Forschungsbemühungen ist es noch immer nicht gelungen, die genauen Ursachen von Krebserkrankungen herauszufinden. Angenommen wird, dass sich zahlreiche Risikofaktoren auf die Entstehung von Krebs auswirken. In manchen Fällen verbergen sich hinter einer Krebskrankheit genetische Auslöser. Aber auch die Lebensweise der betroffenen Personen ist von Bedeutung.

Die wichtigsten Risikofaktoren sind:

  • genetische Veranlagung
  • ungesunde Ernährungsweise wie der Verzehr von zu viel rotem Fleisch, ein erhöhter Konsum von Alkohol sowie ein Mangel an Ballaststoffen, Obst und Gemüse, wodurch die Gefahr von Krebserkrankungen in der Magen-Darm-Region steigt
  • Tabakkonsum, der für die Entstehung von Lungenkrebs oder Krebserkrankungen an den Atemwegen verantwortlich sein kann
  • ionisierende Strahlung wie Röntgenstrahlen, Radonstrahlen oder Strahlenunfälle
  • Umweltgifte
  • intensive UV-Strahlung, die Hautkrebs auslösen kann
  • bestimmte Infektionen wie HPV-Infektionen (humane Papillomviren) oder Hepatitis-B-Infektionen

Häufigste Krebserkrankungen Insgesamt gibt es mehr als 300 unterschiedliche Krebsarten. Ihre Häufigkeit variiert dabei nach Geschlecht.

Frauen leiden vor allem an:

Männer leiden vor allem an:

  • Prostatakrebs
  • Lungenkrebs
  • Darmkrebs
  • Blasenkrebs
  • Hautkrebs
  • Nierenkrebs
  • Mundhöhlen- und Rachenkrebs
  • Non-Hodgkin-Lymphome
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs
  • Leukämie (Blutkrebs)
  • Leberkrebs

Symptome von Krebs

Ein typisches Merkmal von Krebserkrankungen ist, dass sie im frühen Stadium meist keine oder nur geringfügige Symptome auslösen. Es gibt aber verschiedene Warnzeichen, die ein Hinweis auf eine Tumorerkrankung sein können, wenngleich sich nicht immer Krebs hinter ihnen verbergen muss. Treten die Beschwerden jedoch über einen längeren Zeitraum auf, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Als mögliche Krebssymptome gelten:

  • ständiger Husten, der mit blutigem Auswurf und Heiserkeit einhergeht
  • Hautveränderungen
  • Blut im Stuhl
  • dauerhafte Verdauungs-, Magen-, Darm- oder Schluckbeschwerden
  • Knoten, die sich unter der Haut, der weiblichen Brust oder den männlichen Hoden ertasten lassen
  • unklare Schmerzen
  • ständige Blässe und Blutarmut
  • chronische Müdigkeit und Leistungsschwäche
  • ständige Schmerzen beim Wasserlassen
  • Wunden oder Geschwüre, die nicht heilen
  • dauerhafte Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust, der nicht zu erklären ist

Krebs frühzeitig erkennen

Ein Arzt untersucht einer Frau die Brust
Keine Beschwerden oder Schmerzen zu haben, ist keine Garantie dafür, nicht an Krebs erkrankt zu sein. Bildrechte: imago images/Panthermedia

Eine Früherkennung bei Krebserkrankungen bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung zwar Veränderungen am Gewebe entdeckt werden, diese jedoch noch keine schmerzhaften oder beeinträchtigenden Symptome mit sich bringen. Aus ärztlicher Sicht liegt die Hoffnung der Früherkennung darin, dass sich örtlich begrenzte und kleine Tumore besser behandeln lassen als große Tumore, die schon gestreut haben.

Brustkrebs frühzeitig erkennen

Junger Mann hat Brustschmerzen
Auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Bildrechte: imago/emil umdorf

Ein Wort, das bei vielen Frauen für Angst und Schrecken sorgt. Doch auch Männer sind – jedoch deutlich seltener – von dieser Krebs-Erkrankung betroffen. Deshalb gilt für Frau wie Mann gleichermaßen: Wer regelmäßig seine Brust abtastet, kann viel zur Früherkennung von Brustkrebs beitragen und seine Heilungschancen deutlich erhöhen.

Das erste Brustkrebs-Symptom, das auf die Erkrankung hinweisen kann, ist in der Regel ein Knoten. Einmal im Monat seine Brust abzutasten, ist eine gute Methode, um sowohl Knoten als auch andere potenzielle Hinweise auf einen Tumor frühzeitig zu erkennen. Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Bei Frauen vor den Wechseljahren ist der optimale Zeitpunkt für das monatliche Abtasten eine Woche nach Beginn der Regelblutung. Dann ist die Brust besonders weich und tumorbedingte Veränderungen und Knoten lassen sich leicht ertasten. Um eine mögliche Erkrankung frühzeitig zu erkennen, wird auch Männern ein regelmäßiges Abtasten ihrer Brust empfohlen.

Abtasten der Brust:

Illustration: Gläserne Frau mit Krebsherden in der Brust
Wer regelmäßig seine Brust abtastet, kann zur Früherkennung von Brustkrebs beitragen – und den Heilungschancen. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Für das monatliche Abtasten der Brust bitte Zeit nehmen und eine ruhige Atmosphäre schaffen.

Die Brust im Spiegel betrachten
Stellen Sie sich mit unbekleidetem Oberkörper vor den Spiegel und betrachten Sie Ihre Brüste in verschiedenen Positionen und aus unterschiedlichen Perspektiven: bei herabhängenden und nach oben gestreckten sowie in die Hüften gestemmten Armen und bei nach vorn gebeugtem Oberkörper.
Hat sich seit der letzten Selbstuntersuchung etwas verändert, z. B. die Form oder Größe einer Brust? Sind Vorwölbungen, Rötungen oder Veränderungen der Brustwarzen zu erkennen?

Brust im Stehen abtasten
Anschließend wird mit der flachen Hand systematisch die Brust abgetastet. Den rechten Arm hochheben, um mit der linken Hand die rechte Brust zu untersuchen – und umgekehrt.
Beginnen Sie mit dem Abtasten am äußeren oberen Rand der Brust und arbeiten Sie sich spiralförmig bis zur Brustwarze vor. Auch die Brustwarze abtasten und vorsichtig zusammendrücken. Tritt dabei Flüssigkeit aus, sollten Sie auf Farbe und Konsistenz achten. UND: Nicht die Achselhöhlen vergessen!

Brust im Liegen abtasten
Wiederholen Sie das systematische Abtasten der Brust im Liegen. Legen Sie sich dafür ein flaches Kissen unter die Schulter, auf deren Seite sie gerade die Brust untersuchen. Für das Abtasten der äußeren Partien der Brust und der Achselhöhlen empfiehlt sich die Seitenlage.

Bei diesen Anzeichen bitte eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen! · Eine Brust hat sich im Umfang, in der Form oder in der Lage verändert
· Die Haut einer Brust hat sich verändert oder es besteht eine unklare Rötung
· Eine Brust weist Einziehungen oder Vorwölbungen auf
· Eine Brustwarze zieht sich ein
· Aus der Brustwarze sondert sich Flüssigkeit ab
· Knoten werden um den Warzenhof oder in den Achselhöhlen ertastet

Krebsfrüherkennung: Untersuchungen für Frauen

Fluoreszenzbild einer Tumorfront des Gebärmutterhals. Zellkerne wurden blau und sich teilende Zellen grün markiert. Tumorzellen, rot markiert, befallen und verdrängen gesundes Gewebe.
Auf dem Fluoreszenzbild ist der Tumorbefall eines Gebärmutterhalses rot markiert. Bildrechte: Universität Leipzig

Werden Krebserkrankungen frühzeitig erkannt und behandelt, bestehen oftmals gute bis sehr gute Heilungsaussichten. Die gesetzlichen Krankenkassen bieten ein umfangreiches Programm zur Krebsfrüherkennung an. Die Teilnahme an diesen Untersuchungen ist für die gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland kostenfrei. Folgende Untersuchungen werden Frauen im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennung angeboten:

  Untersuchung Wie oft? Ab wann?
Geschlechtsorgane
  • · Gezielte Anamnese (Erfragung eventueller Beschwerden)
  • · Gynäkologische Tastuntersuchung
  • · Entnahme von Untersuchungsmaterial vom Gebärmuttermund und aus dem Gebärmutterhals (Abstrich, Pap-Test)
jährlich ab 20
Brust
  • · Abtasten der Brustdrüsen und der dazu gehörigen Lymphknoten
  • · Anleitung zur Selbstuntersuchung
  • · Beratung
jährlich ab 30
Mammografie-Screening
  • · Einladung in eine zertifizierte Screening-Stelle
  • · Mammografie (Röntgen der Brüste)
  • · Beratung
alle 2 Jahre 50 bis 70
Haut
  • · Untersuchung der Haut am ganzen Körper
alle 2 Jahre ab 35
Dickdarm
  • · Tastuntersuchung und Papierstreifentest (Okkultbluttest): Untersuchung auf Blut im Stuhl*
  • · 2 Möglichkeiten:
  • 1. Papierstreifentest (Okkultbluttest)**: Untersuchung auf Blut im Stuhl oder
  • 2. Darmspiegelung (Koloskopie)***
  • * jährlich
  • ** alle 2 Jahre
  • *** einmalige Wiederholung nach 10 Jahren
ab 55

Tabelle: dkg-web.gmbh

Krebsfrüherkennung: Untersuchungen für Männer

Folgende Untersuchungen werden Männern im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennung angeboten:

  Untersuchung Wie oft? Ab wann?
Äußere Geschlechtsorgane und Prostata
  • · Gezielte Anamnese (Erfragung eventueller Beschwerden)
  • · Inspektion und Abtasten der äußeren Geschlechtsorgane
  • · Abtasten der Prostata
  • · Abtasten der dazugehörigen Lymphknoten
  • · Beratung
jährlich Ab 45
Haut
  • · Untersuchung der Haut am ganzen Körper
alle 2 Jahre Ab 35
Dickdarm
  • · Stuhltest: Untersuchung auf Blut im Stuhl oder Darmspiegelung
jährlich (Stuhltest),

alle 10 Jahre (Darmspiegelung)*

alle 2 Jahre (Stuhltest), 2x alle 10 Jahre (Darmspiegelung)**
* 50 bis 54

** Ab 55

Tabelle: dkg-web.gmbh

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 09. September 2021 | 17:00 Uhr

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