Servicestunde | 27.09.2021 Lebensmittelklarheit - das Portal, das Verbrauchern hilft

Vor zehn Jahren ging das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderte Internetportal Lebensmittelklarheit.de an den Start. Seitdem melden Verbraucher dort Produkte und Werbebotschaften, von denen sie sich in die Irre geführt sehen. In der MDR THÜRINGEN Servicestunde am Montag stellen wir das Portal vor und erfahren u.a. auch, was "Ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe" und "Ohne künstliche Aromen" tatsächlich bedeutet.

Eine junge Frau steht mit einem vollen Einkaufswagen vor einem Supermarktregal
Ein Lebensmittel, aber zehn verschiedene Produkte und Marken: Oft fällt die Auswahl im Supermarkt schwer. Bildrechte: Colourbox.de

Bio, fairtrade, ohne Zusatzstoffe, gluten-, zucker- oder laktosefrei, kalorienarm - diese und viele weitere Versprechen lesen wir tagtäglich im Supermarkt. Doch wieviel ist da dran? Und was ist mit Kennzeichnungen wie dem Nutriscore, dem Tierwohllabel oder anderen Zertifikate? Welche davon sind ernst zu nehmen und welche nur Marketing?

Zehn Jahre Lebensmittelklarheit.de

Um solche Fragen für Verbraucher zu beantworten und sie über Werbebotschaften und ihren Wahrheitsgehalt zu informieren, ging vor zehn Jahren das Internetportal Lebensmittelklarheit.de online. Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), prüft die Seite seither Produkte und deren Werbung auf Herz und Nieren.

Verbraucher können hier Lebensmittel melden, von denen sie sich in die Irre geführt sehen. Rund 12.000 Beschwerden sind in den vergangenen zehn Jahren zusammengekommen.

Tierwohllabel der Initiative Tierwohl auf der Verpackung von Fleisch
Diese und andere Label sollen den Einkauf leichter machen. Die Website Lebensmittelklarheit.de erklärt, wie zuverlässig solche Label wirklich sind. Bildrechte: imago images / photothek

Ziel ist es, Verbraucher aufzuklären, den politischen Handlungsbedarf aufzuzeigen und natürlich Hersteller zu verbraucherfreundlicher Kennzeichnung zu bewegen. Und es funktioniert: Rund ein Drittel der Hersteller ändert seine irreführende Kennzeichnung nach Beschwerden auf Lebensmittelklarheit.de.

Geschmacksverstärker wie Glutamat erkennen

"Ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe" ist eine dieser Kennzeichnungen, die Kunden leicht in die Irre führen können. Diese Werbeaussage versucht vor allem Kunden vom Kauf zu überzeugen, die insbesonde auf Glutamat verzichten wollen. Doch viele Produkte, die laut Reklame ohne diesen Zusatzstoff auskommen, enthalten versteckte Glutamate durch die Zugabe von Hefeextrakt, Sojaprotein, Sojasauce und Würze. Solche Zutaten sind beispielsweise in Suppen und Brühen sehr beliebt und zählen rechtlich nicht als Geschmacksverstärker.

Besonders bizarr wird das beim Hefeextrakt, denn Hefe enthält von Natur aus die Substanz Glutamat. Der Hefeextrakt ist also nichts anderes als konzentriertes Glutamat. Auch das Wort Würze ist so eine Augenwischerei, denn Würze wird durch chemische oder enzymatische Spaltung von pflanzlichen oder tierischen Proteinen hergestellt. Dabei entstehen Glutamate, die durch den Namen Würze jedoch nicht noch einmal extra genannt werden müssen.

Hefe
Hinter dem Wort Hefeextrakt versteckt sich Glutamat, denn diese Substanz ist von Natur aus in Hefe enthalten. Bildrechte: imago images / Niehoff

Die Schummelei mit den Aromen

Bleiben wir beim Thema Geschmack von Lebensmitteln, so ist das Wort "Aroma" nicht weiter. Die Kennzeichnungen "ohne künstliche Aromen" oder "natürliches Aroma" sind hier ebenfalls irreführend. Der Verbraucher geht davon aus, dass solche Produkte ihren Geschmack lediglich aus den charakteristischen Zutaten entfalten. Aber das ist falsch.

Joghurt Regal im Supermarkt
Himbeer, Erbeer, Blaubeer, Kiwi, Mango und viele mehr - beim Joghurt gibt es schier unendlich viele Sorten, doch welcher hat keine zusätzlichen Aromen? Bildrechte: IMAGO

"Natürliche Aromen" werden in der Regel im Labor hergestellt. Sie bezeichnen lediglich, dass der Geschmack aus einem natürlichen Rohstoff gewonnen wird. Das können dann aber tatsächlich auch Holzspäne sein. Wer also einen Himbeerjoghurt "ohne künstliche Aromen" kauft, kann davon ausgehen, dass auch hier Aromen zugesetzt sind. Ein wirklich natürliches Produkt, dessen Geschmack nur aus den verwendeten Lebensmitteln herrührt, darf in der Zutatenliste keine Aromen ausweisen - auch keine natürlichen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 27. September 2021 | 11:10 Uhr

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