Nahrungsmittelunverträglichkeit Leben mit Zöliakie – Hoffnung auf neue Medikamente

Brot, Kuchen, Nudeln – was für Gesunde selbstverständlich ist, ist für Patienten mit Zöliakie tabu, sonst drohen gesundheitliche Probleme. Können neue Arzneimittel aus der Forschung Betroffenen künftig helfen?

Glutenfreie Lebensmittel, Nudeln
Wer an Zöliakie erkrankt ist, muss Gluten meiden, um Entzündungsreaktionen in der Darmschleimhaut zu vermeiden. Bildrechte: imago images / Bernhard Classen

Es genügen wenige Krümel Weizenbrot. Dann flammt die Entzündung in der Darmschleimhaut wieder auf. Bei Menschen mit Zöliakie reagiert das Immunsystem heftig auf das Weizen-Eiweiß Gluten. Ein Gemisch aus Proteinen, das vor allem im Weizen, aber auch in anderen Getreidesorten vorkommt.

Gluten gibt dem Brotteig Halt und macht ihn luftig. Doch für Menschen mit Zöliakie macht der Stoff ein normales Leben fast unmöglich. Oberstes Gebot – keine Lebensmittel essen, die Gluten enthalten! Dabei ist es gar nicht so einfach, Gluten aus dem Wege zu gehen. Denn Weizen-Bestandteile finden sich nicht nur in Brot und Kuchen. Sie verstecken sich auch in vielen anderen verarbeiteten Lebensmitteln. Selbst in manchen Medikamenten ist Gluten enthalten.

Zöliakie-Patienten müssen immer nachschauen oder fragen, ob Speisen Gluten enthalten. Nicht immer treffen sie dabei auf Verständnis, und manche Lebensmittel-Händler sind überfordert, wenn sie um Auskunft gebeten werden.

Entzündung in der Darmschleimhaut

Menschen mit Zöliakie vertragen nur geringste Mengen von Weizenprodukten. Werden mehr als 10 mg/Tag aufgenommen, drohen Schäden an der Darmschleimhaut. Gluten aktiviert bei den Betroffenen das Immunsystem, das mit einer Entzündung reagiert.

Die klassischen Krankheitszeichen sind Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Doch es gibt auch Menschen, bei denen die Zöliakie sozusagen „"till" verläuft. Die größte Gefahr, die durch die Erkrankung droht, ist eine Mangelernährung, weil durch die geschädigte Schleimhaut im Dünndarm – die typischen Zotten verkümmern regelrecht – die Aufnahme von Nährstoffen immer weniger funktioniert. Das kann unter anderem in eine Osteoporose münden.

Zwischen 0,7 Prozent und ein Prozent der Bevölkerung hierzulande sind von der Krankheit betroffen, also etwa jeder 100. Offensichtlich steigt die Zahl der Zöliakie-Kranken – die Wissenschaft vermutet als Ursache unseren "westlichen Lebensstil" mit zahlreichen Weizenprodukten und Fertig-Lebensmitteln. Ob jemand eine Zöliakie hat, kann mit Bluttests und einer Dünndarm-Biopsie festgestellt werden.

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Hauptsache gesund Do 02.09.2021 21:00Uhr 01:21 min

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Gluten – nicht nur in Weizen!

Gluten steckt typischerweise in Gebäck oder Nudeln aus Weizen. Doch auch Roggen oder Gerste und selbst die oft gerühmten "Urgetreidesorten" wie Dinkel, Einkorn oder Emmer enthalten das Eiweiß. Unbedenklich für Menschen, die empfindlich auf Gluten reagieren, sind nur Produkte aus Mais, Reis, Hirse oder Amarant. Auch Haferprodukte können eine Alternative sein – vorausgesetzt, sie sind bei der Herstellung nicht mit Weizenspuren verunreinigt worden.

Im Handel gibt es inzwischen eine große Auswahl an glutenfreien Lebensmitteln, die oft allerdings deutlich teurer sind als die herkömmlichen Produkte. Wer keine Zöliakie hat, solche Lebensmittel aber trotzdem kauft, weil sie "gesünder" scheinen, hat davon kaum Nutzen. Allerdings kann es bei unklaren Problemen mit der Verdauung lohnenswert sein, probeweise auf Gluten zu verzichten – nachdem andere Ursachen ausgeschlossen wurden. Eine Studie der Berliner Charité zeigte etwa, dass viele Reizdarmpatienten mit einer glutenfreien Ernährung weniger Beschwerden haben.

Kommt die Pille gegen Zöliakie?

Momentan laufen einige Studien, in denen Medikamente gegen die Beschwerden bei Zöliakie getestet werden. Mehrere unterschiedliche Wirkmechanismen werden erforscht. Einige Wissenschaftler setzen darauf, mit bestimmten Wirkstoffen Gluten schon im Darm abzubauen, bevor es in die Schleimhaut gelangt. Erprobt wird auch, die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut zu vermindern.

Der momentan vielversprechendste Ansatz ist das Blockieren der sogenannten Transglutaminase – ein Stoff, der bei der Immunreaktion eine wichtige Rolle spielt. Doch auch, wenn bald Medikamente mit diesem Wirkprinzip auf den Markt kommen – heilen lässt sich die Zöliakie dadurch nicht. Immerhin aber können Betroffene mit solchen Mitteln eine größere Freiheit im Alltag erleben, weil die Beschwerden gelindert werden. Wer etwa ins Restaurant geht oder auf eine Geburtstagsfeier, kann vorher eine Pille einnehmen und muss dann weniger streng darauf achten, ob das Essen Gluten enthält.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 13. Oktober 2021 | 05:00 Uhr

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