"Long Covid" Langzeitfolgen nach Corona-Erkrankung

Geruchs- oder Geschmackssinnverlust, extreme Müdigkeit, Konzentrationsschwäche: Wer an Covid-19 erkrankt, kann noch Monate nach dem eigentlichen Genesen an den unterschiedlichsten Symptomen leiden. Experten sprechen von "Long Covid". Die Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung werden demnach noch immer unterschätzt. Die wichtigsten Infos dazu hat MDR-Experte Dr. Thomas Dietz.

Deutschlandweit wurden über den Zeitraum der Pandemie mittlerweile mehr als 3,5 Millionen Corona-Fälle bestätigt, so besagen es die Daten des Robert Koch-Instituts. Meist schien die Infektion nach zwei Wochen mit Fieber, Husten oder Kopfschmerz überstanden. Doch häufig sind die Beschwerden dann nicht vorbei oder kommen zurück. Über Wochen und Monate können nach einer Corona-Erkrankung Spätfolgen auftreten, wie chronische Müdigkeit (Fatigue-Syndrom), Antriebslosigkeit, Taubheitsgefühle, Kopfschmerzen, Atemnot, Husten oder ein Druckgefühl auf der Brust.

Internationale Studien haben gezeigt, dass solche Symptome selbst nach leichten Verläufen auftreten können und es unerheblich ist, ob die Patientinnen oder Patienten sich zu Hause oder im Krankenhaus auskuriert haben. Auch Thrombosen oder Lungenembolien, Konzentrationsstörungen, Depressionen oder der Verlust des Geruchs- oder Geschmacksinns wurden beobachtet. Selbst Haarausfall kann eine Folge von Covid-19 sein. Warum, wissen Mediziner noch nicht. Experten nennen dieses Syndrom "Post Covid" oder "Long Covid".

Long Covid: zehn bis zwanzig Prozent betroffen Im Moment gibt es noch sehr unterschiedliche Studienergebnisse und Einschätzungen dazu, wie viele Menschen von Langzeitfolgen betroffen sind. Grob gehen Experten von zehn bis 20 Prozent aller Infizierten aus.

Ein gravierender Einschnitt im Leben

Da das Virus fast alle Körperzellen befallen kann, kann es vielfältige, ganz unterschiedliche Beschwerden verursachen. Dazu gehören vor allem Muskelschwäche, Konzentrationsstörungen, extreme Müdigkeit und Vergesslichkeit. Und die können auch auftreten, wenn die akute Infektion nur leichte oder gar keine Symptome verursacht hatte. Ein chronisches Fatigue-Syndrom lässt sich nicht weg trainieren.

Begriffserklärung: Fatigue Fatigue ist französisch und bedeutet müde und erschöpft. Das Syndrom beschreibt die Langzeitfolge und das Symptom einiger Virusinfektionen. Es äußert sich in dauerhafter Müdigkeit und Erschöpfung. Es tritt häufiger bei Frauen auf.

Das Tückische: Anders als die auch als Fatigue bezeichnete bleierne Müdigkeit nach einer Krebserkrankung, lässt sich das chronische Fatigue-Syndrom (CFS), wie es nach Covid-19 auftritt, nicht weg trainieren. Schon geringe Anstrengungen führen zum Rückfall.

Forscherinnen und Forscher gehen heute davon aus, dass aufgrund der Infektion die Feinsteuerung des Nervensystems nicht mehr richtig funktioniert, das sogenannte autonome Nervensystem. Es steuert zum Beispiel, wie das Blut auf die Organe verteilt wird, die es gerade besonders dringend benötigen – sei es die Muskulatur oder das Gehirn. Wenn das nicht richtig funktioniert, schränkt es die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit extrem ein.

Was tun, wenn Long-Covid-Symptome vermutet werden?

In den meisten Fällen klingen die Symptome von selbst ab. Wer sich aber Sorgen über mögliche Long-Covid-Symptome macht, sollte seinen Arzt oder seine Ärztin kontaktieren, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Betroffene können behandelt werden. Da die Spätsymptome von Covid-19 aber sehr unspezifisch und manchmal schwer zu beurteilen sind, ist es ratsam, dass sie sich regelmäßig in einer der extra eingerichteten Post-Covid-Ambulanzen vorstellen. Viele Universitätskliniken bieten sogenannte Post-Covid-19-Ambulanzen an, die sich speziell an Betroffene mit Langzeitbeschwerden richten, zum Beispiel im:

Selbsthilfegruppen, die sich in den vergangenen Monaten gebildet haben, können ebenfalls eine unterstützende Anlaufstelle sein.

Bisher nur Therapie gegen Symptome

Bisher richtet sich die Therapie in solchen Fällen gegen Symptome wie Schmerz und Schlafstörungen. Kompressionsstrümpfe stützen den Kreislauf. Besonders wichtig ist es zudem, die eigenen Kräfte gut einzuteilen.

Eine wichtige Rolle bei Post-Covid und CFS spielt die Rehabilitation. Dabei geht es um einen vorsichtigen Wiederaufbau der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, ohne die eigenen Belastungsgrenzen zu überschreiten. Auch eine Reihe Rehakliniken sind speziell für die Therapie der Langezeitfolgen geeignet.

Welche Behandlungen, Medikamente und Therapien bei Long-Covid-Beschwerden helfen, kommt auf die speziellen Symptome an, die sehr vielfältig ausfallen können. Hier wissen die Hausärzte, entsprechenden Fachärzte und Post-Covid-Ambulanzen weiter. Forschende müssen die Ursachen finden.

Hoffnungsträger Forschung

Zehn bis 20 Prozent der Corona-Infizierten sollen an solchen Langzeitfolgen leiden. Umso wichtiger ist es, Ansteckungen möglichst zu verhindern. Auch bei anderen Atemwegserkrankungen, etwa durch Influenza- oder herkömmliche Corona-Viren, sind Langzeitfolgen außerhalb der Lunge bekannt - die vielfältigen Symptome nach einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 sind deshalb für Virologen nicht überraschend.

Ärzte und Wissenschaftler müssen weiterhin möglichst viele Infizierte dauerhaft begleiten, untersuchen und behandeln. Nur so können sie mit ihren Analysen große Rätsel lösen: Warum erkranken manche Menschen schwer, andere wiederum nicht? Und warum leidet nur ein bestimmter Teil an erheblichen Langzeitfolgen, andere nicht? Lassen sich Langzeitfolgen bei Infizierten verhindern oder behandeln? Bisher gibt es keine umfassende Erklärung dafür.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 27. Mai 2021 | 17:00 Uhr

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