Gesundheit Verdauungsprobleme: Ursachen – und was dagegen helfen kann

Plötzlich sind sie da: Bauchschmerzen – und sie wollen einfach nicht verschwinden. Hat das organische Ursachen oder wurde etwas Falsches gegessen? Wie können Verdauungsprobleme schnell gelöst werden, gerade jetzt in Zeiten der weihnachtlichen "Völlerei"? Was hilft wirklich und was ist Quatsch? Mediziner Dr. Thomas Dietz weiß die Antworten.

Die Ursachen für Verdauungsprobleme sind zahlreich

Die Ernährung spielt eine große Rolle und kann, wenn bestimmte Lebensmittel nicht vertragen werden oder die Ernährung zu einseitig ausfällt, zu Verdauungsproblemen führen: Stress beim Essen, fette Speisen, zu viel Zucker oder blähende Nahrungsmittel, wie Kohl oder Hülsenfrüchte sind Beispiele.

Die Psyche kann auf den Magen schlagen. Es sind Stress und Hektik, die den Körper belasten – die Verdauung gerät irgendwie zur Nebensache, denn sie kann nur im Ruhemodus aktiviert werden. Beziehungsprobleme oder Sorgen machen einen ruhelos und behindern so auch die Verdauung.

Lebensmittelunverträglichkeiten, Allergien oder Medikamente können ebenfalls für Probleme sorgen. Nimmt man z.B. zu viel Fructose zu sich, kann der Dünndarm überfordert sein und "sich wehren". Fructose – also Fruchtzucker, kommt in vielen Lebensmitteln, z.B. in Obst, Fruchtsäften, Honig vor und verleiht ihnen Süße.

Laktose – ist der in Milch und Milchprodukten enthaltene Zucker. Viele Menschen haben nach dem Genuss von Milchprodukten Bauchschmerzen, Blähungen oder sogar Durchfall, weil ihnen das körpereigene Enzym Laktase fehlt. So kann der Dünndarm die Nährstoffe nicht aufspalten und der Dickdarm ist überfordert. Dagegen gibt es Tabletten.

Auch bestimmte Medikamente können zu Verstopfungen, Durchfall oder anderen Verdauungsproblemen führen. Es lohnt sich, bei plötzlich auftretenden Beschwerden nach Einnahme eines Medikaments die Packungsbeilage zu studieren. Vielleicht gibt es eine Alternative.

Es gibt viele Krankheiten, die die Verdauung aus dem Gleichgewicht bringen. Dazu zählt beispielsweise Morbus Crohn – eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung- , Diabetes mellitus, Probleme mit Leber, Bauchspeicheldrüse und Galle, sie alle können zu Verdauungsproblemen führen. Wichtig ist, seine Ernährung auf die Krankheit abzustimmen, das kann viele Probleme schon lösen.

Bewegungsmangel: Wer sich wenig bewegt, hat öfter mit Verdauungsproblemen zu kämpfen. Auch ein Mangel an Flüssigkeit führt häufig zu Verstopfungen. Der Darm entzieht der Nahrung die Flüssigkeit, die er für den Stoffwechsel benötigt. Also, mehr Bewegung und ausreichend trinken – und zwar: Tee, Wasser oder verdünnte Säfte.

Das Alter: Klar ist, dass mit den Jahren der Mensch an Mobilität verliert und leider betrifft dies auch den Verdauungstrakt. Was man früher noch gut vertragen hat, wie fettiges Essen, scharfe Gewürze und viele Süßigkeiten, kann mit zunehmendem Alter  Verdauungsbeschwerden verursachen. Der Körper verändert sich, die Ernährung sollte angepasst werden.

Einfache Hausmittel, die schnell gegen leichte Bauchschmerzen helfen

Eine heiße Wärmflasche einpacken (z.B. in ein Handtuch wickeln) und auf dem Bauch legen.

Durch die Wärme werden die Schmerzrezeptoren gehemmt, die Schmerzen werden nicht mehr als so stark wahrgenommen. Außerdem fördert die Wärme die Durchblutung des Gewebes, die Muskulatur kann sich entspannen und entkrampfen.

Ein Stängel Salbei liegt auf einem Tisch.
Wirkt krampflösend: Salbei Bildrechte: Colourbox.de

  1. Auch ein heißes Vollbad wirkt schmerzlindernd und entspannend auf die Bauchmuskulatur. 
  2. Eine sanfte Bauchmassage kann akute Beschwerden lindern. Dazu mit der flachen Hand kreisende Bewegungen im Uhrzeigersinn rund um den Bauchnabel durchführen. Wenn die Massage nicht angenehm ist, bitte aufhören.
  3. Eine Kamillenkompresse auf den schmerzenden Bauch legen. Dazu drei Esslöffel Kamillenblüten in eine Schüssel geben und einen Liter kochendes Wasser darüber geben. Zehn Minuten ziehen lassen. Ein Handtuch eintunken, auswringen und bei angenehmer Temperatur auf den Bauch legen. 
  4. Es gibt verschiedenste Teesorten, deren Inhaltsstoffen den Magen beruhigen und krampflösend wirken sollen: Fencheltee, Kamillentee, Salbeitee, Pfefferminztee und Melissen-Tee.
  5. Das Gewürz Kardamom hat eine beruhigende Wirkung auf den Magen. Einfach eine Prise des Gewürzes in den Tee geben.
  6. Unnötige Belastung des Magen-Darm-Traktes vermeiden: keine schweren und fettigen Speisen aufnehmen, nicht rauchen und keinen Alkohol trinken.
  7. Leicht verdauliche Lebensmittel essen: Kartoffeln, Zwieback, Reis, Möhren, Obst wie Bananen, Äpfel und Birnen, Geflügel – und Kalbfleisch.
  8. Kümmelöl, aus der Apotheke, mit etwas Wasser zu Essen einnehmen, lindert Schmerzen und kann auch zur Bauchmassage genutzt werden.
  9. Einige Kümmelkörner langsam zerkauen.

Wann zum Arzt?

Sollten die Bauchschmerzen über einen längeren Zeitraum anhalten und sich mit Hausmitteln nicht beruhigen lassen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser wird die genaue Ursache der Beschwerden abklären. So kann zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung vorliegen.

Wer ständig über Bauchschmerzen nach dem Essen klagt, sollte unbedingt abklären, ob eine Unverträglichkeit gegen einen bestimmten Stoff vorliegt.

Tipp Machen Sie Aufzeichnungen darüber, was über einen längeren Zeitraum gegessen wurde. Diese sind für Ihren Arzt sehr hilfreich. So erfährt er, wie genau sich die Beschwerden äußern und in welchen Situationen sie auftreten.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 17. Dezember 2020 | 17:00 Uhr

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