Hygiene in Praxen Wenn der Arzt keinen Mundschutz trägt

Einen laxen Umgang mit den Hygiene-Regeln gibt es offenbar auch an Stellen, an denen man sie am wenigsten vermutet: bei Ärzten, Physiotherapeuten oder Osteopathen. Dürfen sie auf den Mund-Nasen-Schutz verzichten?

Keine Plexiglasscheibe an der Anmeldung, kein Hinweis nach dem Motto: ab hier nur mit Mundschutz. Das hat eine Hörerin vergangene Woche in einer Leipziger Physiotherapiepraxis erlebt. Selbst bei der Behandlung habe der Therapeut keine Maske getragen. Kein Einzelfall. Andere Hörer berichten Ähnliches.

Fakt ist: Überall dort, wo Menschen arbeiten, gelten seit August neue Regeln. In der sogenannten SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel heißt es, dass überall ein Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten ist. Und wenn nicht? Muss ein Mundschutz, Plexiglasschild oder Ähnliches her. Die Arbeitsschutzregel gilt bundesweit.

Arbeitsschutzregel nicht rechtsverbindlich

Rechtsverbindlich sei sie aber nicht, erklärt Silvio Lindemann, Fachanwalt für Arbeitsrecht: "Vom Grundsatz her sind das Empfehlungen ohne rechtsverbindliche Wirkung, sie haben auch keinen Gesetzescharakter oder Verordnungscharakter. Wenn ich die aber einhalte, bin ich auf der sicheren Seite. Wenn ich die nicht einhalte, heißt das aber nicht, dass ich dagegen verstoße."

Anders sieht das aus, wenn durch die Coronaschutzverordnung im eigenen Bundesland die gleichen oder sogar härtere Regeln gelten. In Sachsen steht dort recht allgemein, dass ein Mindestabstand von anderthalb Metern einzuhalten ist, wo immer möglich. Die Mund-Nasen-Bedeckung wird nur empfohlen. Außer dort, wo sie tatsächlich Pflicht ist: in Läden oder im Bus.

Für Arztpraxen gelten laut sächsischer Verordnung keine expliziten Vorgaben. Gut so, findet Eric Bodendieck, Chef der Landesärztekammer: "In den einzelnen Arztpraxen und das habe auch ich immer wieder gesagt, muss entsprechend der Situation entschieden werden. Ein grundsätzliches Tragen von Mund-Nasen-Masken ist problematisch. Wir haben es ja in den Praxen mit Patientinnen und Patienten zu tun, die durchaus Krankheitszustände haben könnten, für die das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes nicht geeignet ist."

Wie reagieren bei Nichteinhaltung?

Doch wie sollte man nun als Patientin reagieren, ob beim Therapeuten oder beim Arzt, wenn weder auf Abstand noch auf Masken geachtet wird? Eric Bodendieck:

Ich empfehle ganz dringend, den Arzt anzusprechen, zu fragen: Wie sehen Sie das? Warum wollen Sie das in Ihrer Praxis nicht haben?

Eric Bodendieck Chef der Landesärztekammer Sachsen

"Es gibt es immer wieder Einzelfälle. Denen gehen wir nach. Schicken ggf. aktuelle Fachliteratur zu."

Im Zweifel für den Mundschutz

So lang die Länder oder auch einzelne Kommunen keine expliziten Regeln schaffen, wie es zum Beispiel Jena und Weimar getan haben, können Ärzte, wie gesagt, aber selbst entscheiden, ob sie mit oder ohne Maske behandeln. Physiotherapeuten dagegen nicht. Sie müssen sich daran halten, was die Berufsgenossenschaft vorgibt, erklärt Kathrin Treibmann. Sie spricht für den Berufsverband Physio-Deutschland, Landesverband Sachsen und sagt: "Wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, ist Mundschutz zu tragen." Und das gilt für beide Seiten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. September 2020 | 06:40 Uhr

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