Hörer machen Programm Warum viele Mythen über die Mikrowelle falsch sind

In vielen Haushalten und auch in Büros steht sie, zum schnellen Aufwärmen verschiedenster Speisen: die Mikrowelle. Erfunden wurde sie vor über 70 Jahren und genauso alt sind wohl auch die Mythen rund um diesen wuchtigen Metallkasten. Die Strahlung etwa sei ungesund oder, so hat es auch MDR-AKTUELL-Hörerin Grit Lippmann aus Eppendorf bei Freiberg schon in ihrem Bekanntenkreis gehört: Essen aus der Mikrowelle sei total tot, also frei von Vitaminen und Nährstoffen. Was ist dran?

Ein Mädchen schaut in eine Mikrowelle
Ist in vieler Hinsicht besser als ihr Ruf: die Mikrowelle. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

In drei Viertel aller deutschen Küchen stehe eine Mikrowelle, so das Statistische Bundesamt. Doch wie oft diese Mikrowellen tatsächlich genutzt werden, weiß niemand so ganz genau. Nützlich sind sie in jedem Fall – beim schnellen Auftauen von Tiefkühlkost, dem Aufwärmen vom gestrigen Mittagessen oder auch beim Zubereiten von frischem Gemüse.

Aufwärmen in Mikrowelle per se nicht schlechter als Kochen

Grundsätzlich lässt sich sagen: Essen aus der Mikrowelle ist weder ungesund, noch vernichtet das Gerät einfach so Vitamine und Nährstoffe. Zumindest nicht mehr und nicht weniger als das auch beim Kochen oder Dünsten passiere, erklärt Wim Wätjen, Ernährungswissenschaftler der Uni Halle. "Es ist so, dass bei der Zubereitung von Lebensmitteln Vitamine zerstört werden können."

Da seien zum Teil fettlösliche Vitamine wie Vitamin A, Vitamin E und wasserlösliche Vitamine wie Vitamin C oder die B-Vitamine. Und die reagierten vollkommen unterschiedlich: "Vitamin C ist sehr hitzeempfindlich und sehr wasserlöslich. In diesem Fall hätte die Mikrowelle einen Vorteil, weil da relativ kurzzeitig erhitzt wird und wir keinen Verlust haben durch das Wasser."

Mikrowelle erhitzt gleichmäßiger als Kochtopf

Doch was macht die Mikrowelle eigentlich genau mit unserem Essen? Wie funktioniert sie? Ernährungsexperte Wätjen erklärt: "Es werden Strahlen ausgegeben, die die Wassermoleküle zum Schwingen bringen und zwar im gesamten Lebensmittel, also auch im Inneren. Die Mikrowelle hat insofern einen Vorteil gegenüber dem Kochtopf, weil es gleichmäßig erhitzt wird im Inneren. Wir können also die Garzeit, die Auftauzeit verkürzen."

Eine Formel dabei laute: Je mehr Wasser im Lebensmittel enthalten sei, desto besser funktioniere das Erwärmen in der Mikrowelle.

Neben den wichtigen Vitaminen, die wir nicht verlieren wollen, geht es auch um die sogenannten Antioxidantien, denen eine schützende und gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird. Wim Wätjen sagt: "Wir haben bestimmte Antioxidantien, die in Lebensmitteln enthalten sind, die auch in Mitleidenschaft gezogen werden können. Im Brokkoli gibt es bestimmte Glucosinolate, die halt sehr schnell abgebaut werden durch die Mikrowelle. Und auch im Knoblauch sind die Sulfide relativ schnell weg."

Augen auf bei der Wahl des Behälters

Das Problem in der Mikrowelle: Das Gemüse ist konstant einer hohen Temperatur ausgesetzt. Beim Kochen und Garen kann diese hingegen langsam erhöht und besser reguliert werden. Mineralien und Ballaststoffe werden so im besten Fall geschont. Genauso wichtig ist übrigens auch der Behälter, der in der Mikrowelle benutzt wird.

Metall gehe definitiv nicht, meint Alexander Heinrich von der Verbraucherzentrale Halle, auch keine Alufolie, weil die das Gerät beschädigen könne. Und auch nicht jedes Kunststoffgeschirr sei geeignet: "Wenn man Kunststoffgeschirr über den Punkt erhitzt, wo man das darf, können Additive oder Kunststofflösungsmittel austreten und auf das Gargut übergehen."

Das könnten Gefahrenquellen sein. Auch verschlossene Behältnisse sollten nicht in der Mikrowelle über Gebühr erhitzt werden, weil die explodieren könnten – und beispielsweise auch ein Ei. Die Mikrowelle dann wieder sauber zu bekommen, ist wahrscheinlich eine Tagesaufgabe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. November 2021 | 08:22 Uhr

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