Moortherapie Heilen mit der Kraft der Erde

Man kann in Moor baden, Wickel, Packungen und Masken daraus fertigen und verdünnten Torf sogar innerlich anwenden. Ob Rheuma, Psoriasis oder Frauenleiden: Die Bandbreite der Einsatzgebiete scheint unerschöpflich.

eine junge Frau bekommt eine Moorpackung
Eine Moorpackung wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd. Bildrechte: dpa

Moor ist naturheiltechnisch so etwas wie ein Alleskönner: Seine entzündungshemmenden, schmerzlindernden und bakteriostatischen – also das Wachstum von Bakterien hemmenden – Eigenschaften sind mittlerweile gründlich belegt. Studien bescheinigen der zähen Masse gute Erfolge bei degenerativen und entzündlichen Gelenkerkrankungen wie beispielsweise rheumatoider Arthritis.

Moor löst therapeutische Reize aus

Der Wirkmechanismus der Moorbehandlungen entspricht dem klassischer Naturheilverfahren: Durch vegetative und hormonelle Reaktionen auf entsprechende therapeutische Reize wird die Fähigkeit des Körpers verbessert, höhere Belastungen auszuhalten, sagt André-Michael Beer, Direktor der Klinik für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen bei Bochum. Hier werden Moor bzw. Torf nicht im Rahmen von Anwendungen im Kurbadehaus eingesetzt, sondern stationär im Krankenhaus: unterstützend bei Muskel- und Skeletterkrankungen, Arthrose, Verwachsungen im Unterbauch oder Hauterkrankungen wie Schuppenflechte.

Eine Frau nimmt ein Moorbad. 5 min
Bildrechte: IMAGO

Mediziner setzen schon lange auf die heilende Wirkung des Moors. Im Moorheilbad Bad Schmiedeberg in Sachsen- Anhalt wird Torf bereits seit 1878 als Heilmittel genutzt.

Mi 22.04.2015 18:07Uhr 04:59 min

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Hormonelle Wirkung

Auch bei einer Vielzahl von gynäkologischen Erkrankungen kann eine Moortherapie Abhilfe schaffen – und selbst unerfülltem Kinderwunsch entgegenwirken. Das Geheimnis dahinter: Torf enthält biologisch aktive Inhaltsstoffe, die durch die menschliche Haut eindringen und auf diese Weise hormonelle Wirkungen im Körper erzeugen können.

61 anerkannte Heilbäder in Deutschland

Die klassische Anwendung erfolgt, je nach Krankheitsbild, in Form von Halbbädern, Vollbädern, Packungen, Moorkneten, teils auch als Trinkmoor bzw. in vaginalen Applikationen. In Deutschland gibt es derzeit 61 anerkannte Heilbäder bzw. Kurorte, in denen man sich einer stationären Moortherapie unterziehen kann, darunter Bad Elster, Bad Schmiedeberg, Bad Doberan, Bad Düben, Bad Klosterlausnitz oder Bad Gottleuba-Berggießhübel.

Moor zu Hause

Wer sich die Heilkraft des Moores zu Hause zunutze machen möchte, verwendet dafür am besten fertiges Moor, sagt André-Michael Beer. Dieses lässt sich über das Internet oder in Apotheken bestellen. Von Moorauflagen und moorhaltigen Badezusätzen rät der Mediziner im heimischen Umfeld ab: Das eine bringe nicht mehr als eine herkömmliche Wärmflasche, das andere zerstöre durch seine Säure die Badewannenoberfläche.

Fertiges Moor lässt sich beispielsweise gegen Arthrose in den Händen einsetzen. Dazu füllt man etwas Moor in einen Plastiksack, den man im Wasserbad auf 40 Grad erwärmt. Anschließend cremt man die Hände mit einer Fettcreme ein (Achtung: auch gut unter die Fingernägel drücken) und knetet den warmen Torf anschließend ausgiebig. Auf eine Mikrowelle sollte man fürs Erwärmen verzichten: Weil sich die einzelnen Bestandteile des Moores unterschiedlich stark erhitzen, besteht Verbrennungsgefahr. Ein Torfbeutel lässt sich mehrmals verwenden.

Reinigung von innen: durch Heilerde

Dreck reinigt den Magen, sagt ein altes Sprichwort – auf Heilerde trifft das bei innerlicher Anwendung buchstäblich zu. In ihr stecken Mineralien und Spurenelemente wie Eisen, Magnesium, Kieselsäure, Calcium, Selen, Kupfer, Kalium, Fluor und Zink. Heilerde gehört zu den geprüften Arzneimitteln. Im Unterschied zum Torf handelt es sich dabei um einen speziell aufbereiteten Löß – eine Art vulkanische Asche, die bei 130 Grad wärmebehandelt wird, um Keimfreiheit zu garantieren. Der Löß ist sehr fein gemahlen. Ein einzelnes Korn ist tausendmal kleiner als ein Millimeter. Im Ganzen ergibt sich dadurch eine riesige Oberfläche.

Ein Glas mit Wasser vor weissem Hintergrund
Heilerde nimmt man mit Wasser ein. Bildrechte: imago images / McPHOTO

Dadurch hat die Heilerde eine starke Saugkraft, die unter anderem Säure oder Fette, aber auch Toxine – also Giftstoffe – bindet. Das Prinzip wirkt beispielsweise bei akuten Magenschmerzen und Sodbrennen: Wenn Magensäure immer wieder in die Speiseröhre schwappt, bindet die Heilerde die ätzende Flüssigkeit wie ein Schwamm; die Beschwerden verschwinden. Ähnlich ist es mit schädlichen Erregern im Darm. Dabei muss man jedoch geduldig sein: Der Effekt setzt teilweise erst nach ein paar Wochen ein. Heilerde nimmt man mit Wasser ein. Wer das nicht mag, kann auch auf Kapseln zurückgreifen. Wichtig: Zu anderen Medikamenten sollte man mindestens 90 Minuten Abstand halten, sonst werden diese mit aufgesaugt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 20. Mai 2021 | 21:00 Uhr

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