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Nahrungsergänzungsmittel unterliegen keiner Zulassungspflicht. Bildrechte: Imago/Westend61

ErnährungNahrungsergänzungsmittel – Wer braucht sie wirklich?

von Jörg Simon

Stand: 30. August 2022, 05:00 Uhr

Kalzium für die Knochen, Magnesium für die Muskeln und Vitamine für eine schlagkräftige Immunabwehr: Viele erhoffen sich von Nahrungsergänzungsmitteln eine Extra-Dosis Gesundheit. Doch muss ein normaler Mensch seine Nahrung überhaupt mit solchen Mittelchen ergänzen? Wer benötigt diese Präparate wirklich? Und wann werden sie sogar gefährlich?

Viele Versprechen der Hersteller, wenig gesicherte Erkenntnisse

Fast jeder greift im Laufe seines Lebens auf das eine oder andere Nahrungsergänzungsmittel zurück. Mehr als eine Milliarde Euro werden im Jahr für solche Präparate ausgegeben. Da wird bei einer sich anbahnenden Erkältung zu Vitamin C oder zu Zink gegriffen. Der Gefahr einer Osteoporose soll mit Kalzium und Vitamin D begegnet werden. Gegen häufige Muskelkrämpfe wird Magnesium empfohlen. Andere Mittel sollen den "Säure-Basen-Haushalt" ausgleichen, das Immunsystem aufrüsten, die Fettverbrennung fördern oder die Gelenke vor Abnutzung schützen.

Viele Käufer solcher Mittel versprechen sich nicht nur den Ausgleich eines Mangels, sondern wollen nach dem Motto "Viel hilft viel" ihrem Körper eine Extra-Dosis Gesundheit gönnen. Einseitige Ernährung und andere Stressfaktoren sollen kompensiert und die körpereigenen Abwehrkräfte "aufgerüstet" werden. Zudem setzten sie darauf, dass sich auf diese Weise bestimmte Altersbeschwerden lindern und bereits eingetretene Gesundheitsschäden "reparieren" lassen.

Allerdings stehen den großen Hoffnungen auf die Wirkungskraft dieser Präparate oft nur schlecht gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse gegenüber. Dennoch schrecken – vor allem im Internet – einige Anbieter dieser Mittel nicht vor vollmundigen Versprechungen zurück.

VorsichtBedenklich ist etwa, dass manche Mittel eine Überdosis bestimmter Stoffe enthalten, zum Beispiel viele Magnesium-Präparate.

Nahrungsergänzungsmittel nicht wie Medikamente überprüft

Rein rechtlich sind Nahrungsergänzungsmittel keine Medikamente, sondern Lebensmittel. Dieser Unterschied ist wichtig, denn damit unterliegen die Stoffe keiner Zulassungspflicht. Für ihre Sicherheit ist allein der Hersteller verantwortlich. Es gibt damit auch praktisch keine behördliche Kontrolle der Inhaltsstoffe und ihrer Wirkung. Vitaminpillen werden also keineswegs wie Medikamente geprüft.

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Nahrungsergänzungsmittel sind sinnvoll, wenn es einen tatsächlichen Mangel auszugleichen gibt. Das heißt, wenn wir über unsere normale Nahrung nicht genügend Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente bekommen können. Eine allgemeine Unterversorgung mit solchen lebenswichtigen Stoffen gibt es in Deutschland allerdings nicht.

Für die meisten Menschen ist es kein Problem, ihren Bedarf daran aus den täglichen Mahlzeiten zu decken. Prinzipiell "zieht" sich unser Organismus das, was er braucht, aus der Nahrung, und scheidet Überschüssiges wieder aus. Deswegen ist es oft fragwürdig, mehr als das unbedingt Nötige in den Körper "hineinzuschieben".

Wem werden Nahrungsergänzungsmittel also empfohlen?

Es gibt allerdings Lebenssituationen, in denen die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln tatsächlich medizinisch geboten ist. So wird Schwangeren die zusätzliche Einnahme von Folsäure empfohlen, da diese für die gesunde Entwicklung des Embryos sehr wichtig ist und über die Nahrung oft nicht genügend davon zugeführt werden kann. Wer sich vegan ernähren möchte, sollte auf die ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 achten.

Stichwort Säure-Basen-Haushalt

Für unseren Organismus ist ein konstanter pH-Wert des Blutes sehr wichtig. Weicht dieser Wert ab, droht zum Beispiel eine Übersäuerung. Doch so eine "Azidose" kommt nur in seltenen Fällen vor. Sie ist ein lebensbedrohlicher Zustand, zu dem es etwa im Rahmen einer chronischen Nierenerkrankung oder eines entgleisten Zuckerleidens kommt.

Normalerweise puffert unser Körper Säure- oder Basenschwankungen, zu denen es im Rahmen unserer Ernährung durchaus kommen kann durch eingespielte Stoffwechsel-Mechanismen sofort ab. In der Regel ist es also nicht nötig, dem Säure-Basen-Haushalt mit Ergänzungsmitteln nachzuhelfen.

Osteoporose-Vorbeugung mit Kalzium?

Kann zusätzlich eingenommenes Kalzium vor Osteoporose und Knochenbrüchen schützen? Was lange als plausibel galt, wird von Wissenschaftlern immer kritischer gesehen. Hier zeigten zwei große Studien im angesehenen British Medical Journal, dass an der Kalzium-Legende nichts dran ist. Die Einnahme entsprechender Mittel schützt nicht nennenswert vor Osteoporose und bewahrt nicht vor späteren Knochenbrüchen.

Was hilft bei Gelenkbeschwerden?

Gegen Probleme mit Knie oder Hüfte sollen Präparate mit den Wirkstoffen Glucosamin oder Chondroitin helfen. Früher wurde sogar damit geworben, dass solche Mittel verschlissenes Knorpelgewebe "wieder aufbauen" könnten. Solche Aussagen sind heute nicht mehr erlaubt.

Glucosamin wird meist aus Krebstieren gewonnen, für die Herstellung von Chondroitin nutzt man Schlachtabfälle oder Fischknorpel. Für Allergiker kann das zum Problem werden. Die wissenschaftlichen Belege für den Nutzen von Chondroitin oder Glucosamin sind eher dünn.

Fazit: Brauchen Sie Nahrungsergänzungsmittel?

Diese Frage lässt sich fast immer verneinen. Wenn Sie sich einigermaßen ausgewogen ernähren, führen Sie Ihrem Körper alle Nährstoffe und Spurenelemente zu, die dieser benötigt. Die zusätzliche Einnahme von Ergänzungsmitteln ist meist unnötig und kann über längere Zeit sogar zu Gesundheitsproblemen führen.

Anders sieht das mitunter bei bestimmten Ernährungsweisen, im Zusammenhang mit einigen Erkrankungen und generell bei Mangelernährung aus. Dann müssen möglicherweise bestimmte Nahrungsbestandteile ergänzt werden. Um festzustellen, ob womöglich eine Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen vorliegt, sind Arzt oder Ernährungsberater erste Ansprechpartner.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Umschau | 30. August 2022 | 20:15 Uhr