Zitterkrankheit Parkinson: Das sind erste Anzeichen der Krankheit

Zunächst werden die Muskeln langsam steif, dann folgt das typische Zittern von Armen und Beinen. Parkinson zählt neben Alzheimer zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Heilung gibt es nicht, aber Therapien, die ein selbstständiges Leben ermöglichen. Dr. Thomas Dietz hat Ratschläge für Betroffene.

"Zitterkrankheit", "Schüttellähmung" – für Parkinson gibt es viele Bezeichnungen. Meist trifft die Hirnerkrankung Menschen zwischen 55 und 80 Jahre. Jüngere erkranken nur selten daran. Fest steht: Wer Parkinson hat, dem mangelt es an Dopamin.

Dopamin Es ist als "Glückshormon" bekannt. Der Botenstoff ist an das Belohnungssystem im Hirn gekoppelt. Er leitet Informationen zwischen Nervenzellen weiter.

Dopamin ist eine Art Schmieröl für die Feinmotorik. Wenn es davon zu wenig gibt, können die Hände zittern, die Muskeln sind steif, Bewegungen verlangsamen sich und der Gang wird kleinschrittiger. Sogar die Schrift verändert sich häufig durch eine Parkinsonerkrankung. Die genauen Ursachen sind aber nicht ganz klar.

Liegt Parkinson in den Genen?

Ein Mann unterschreibt einen Vertrag
Häufig verändert sich die Schrift von Parkinsonpatienten. Bildrechte: imago/Westend61

Eine Teilursache, darüber ist man sich in der Wissenschaft inzwischen einig, soll in den sogenannten Parkinsongenen, wie dem GBA-Gen liegen. So haben etwa fünf bis zehn Prozent der Parkinsonpatienten erbliche Genveränderungen (Mutationen).

Bei 90 Prozent der Patienten scheinen verschiedene Faktoren zusammenzuspielen. Das können unter anderem Umweltfaktoren wie Pestizide sein.

Kommt Parkinson aus dem Darm?

Dass viele Parkinson-Patienten oft Jahre zuvor über Verstopfung klagen, hat Forscher auf eine weitere Spur gebracht: Sie gehen davon aus, dass die Parkinson-Krankheit zumindest teilweise im Verdauungstrakt beginnt. Denn Ablagerungen eines falsch gefalteten Eiweißmolekül (Alpha-Synuclein) treten nicht nur im Gehirn auf, sondern auch in Nervenzellen der Riechschleimhaut und des Darms.

Laborratte
Forschung an Mäusen legt nahe, dass die Krankheit teilweise im Darm beginnt. Bildrechte: IMAGO

Forschern gelang es, bei Mäusen das Fortschreiten der Krankheit mit einer Durchtrennung des Vagusnervs zu verlangsamen. Untersuchungen an Menschen, denen wegen eines Magengeschwürs der Vagusnerv durchtrennt worden war, bestätigen die Hypothese: Das Risiko einer Parkinson-Erkrankung ist in dieser Gruppe um 22 bis 41 Prozent geringer als in der Allgemeinbevölkerung.

Erste Anzeichen der Krankheit

Ein Problem bei Parkinson: Die Beschwerden treten oft schleichend auf, sind zunächst nur leicht und für Betroffene kaum einzuordnen. Zu den Typischen Symptomen zählen:

Ein Mann riecht an Narzissen und einem Maiglöckchen.
Schon Jahre vor dem Auftreten anderer Beschwerden, kann der Geruchssinn gestört sein. Bildrechte: dpa

  • Steifigkeitsgefühl der Muskeln
  • Geruchsstörungen (oft schon Jahre vor anderen Beschwerden)
  • Handzittern, das bei gezielter Bewegung aufhört
  • Vornübergebeugte Haltung
  • Schlurfen, kleinschrittiger Gang
  • Veränderungen der Sprache, insbesondere eine leise oder monotone Sprache

  • Veränderungen der Handschrift, vor allem ein Kleinerwerden der Buchstaben bei längerem Schreiben
  • Depressive Verstimmung und Vitalitätsverlust, Schlafstörungen
  • Oft vermehrter Speichelfluss und tränende Augen
  • Möglicherweise Stürze ohne erkennbare Ursache

Typisch: der "Pillendreher-Tremor"

Schreitet die Krankheit fort, werden die Beschwerden stärker und auch eindeutiger. So gibt es eine typische Kombination von krankheitsbedingten Einschränkungen.

Krankenschwester hält Hand eines Patienten
Unkontrolliertes Zittern ist ein typisches Symptom. Bildrechte: Colourbox.de

  • Langsames Ruhezittern (also ohne, dass eine Bewegung beabsichtigt ist, besonders charakteristisch ist es an den Händen und wird auch als Pillendreher-Tremor bezeichnet)
  • Erhöhung der Muskelgrundspannung ("steife" Muskeln)
  • Bewegungsarmut (wie verringerte Mimik, wenig automatisches Mitbewegen der Arme beim Gehen)

Treten derartige Beschwerden auf, sollten Sie möglichst zeitnah, in den nächsten ein bis zwei Wochen, einen Arzt aufsuchen und die Symptome abklären lassen.

Sofort den Arzt rufen! Kann sich der Kranke plötzlich nicht mehr bewegen, wirkt verwirrt, hat Wahnvorstellungen oder Halluzinationen, kann nicht sprechen und nicht schlucken, liegt eine sogenannte akinetische Krise vor, die umgehend intensivmedizinisch behandelt werden muss.

Mit Medikamenten gegen den Dopaminmangel

Zur Therapie der Parkinson-Krankheit stehen mehrere Gruppen von Medikamenten zur Verfügung. Sie verstärken sich gegenseitig durch ihre unterschiedlichen Wirkmechanismen. Ziel ist es, fehlendes Dopamin im Gehirn zu ersetzen. Die Auswahl und Dosierung der Arzneimittel erfolgen individuell.

Medikamente
Es gibt mehrere Medikamente, die bei Parkinson eingesetzt werden. Bildrechte: colourbox

Die wesentliche Säule der Therapie ist dabei nach wie vor der Dopaminersatz. Dazu gehören L-Dopa, das im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird, Dopaminagonisten, die ähnlich wie Dopamin in Nervenzellen wirken, und MAO-Bund COMT-Hemmer, die den Abbau von Dopamin blockieren.

Therapien ohne Medikamente

Physio-, Bewegungs-und Sprachtherapie und vermehrt körperliche Aktivität wie Ausdauersport können den Erkrankungsverlauf sehr günstig beeinflussen und die Lebensqualität steigern.

Die noch relativ neue transkranielle Magnetstimulation wirkt von außen auf die Großhirnrinde und restauriert besonders gut neuronale Netzwerke, die für Bewegungsabläufe wichtig sind.

Die schon länger eingesetzte Tiefenhirnstimulation arbeitet dagegen mit implantierten elektrischen Sonden in der Nähe der Substantia nigra. Bei der Stimulationstechnik gibt es besonders deutliche Verbesserungen bei bereits schwer betroffenen Patienten, bei denen Medikamente nicht mehr befriedigend wirken.

BIG-Therapie

In den ersten Stadien der Parkinson-Krankheit kann die Bewegungstherapie BIG zum Einsatz kommen. Die Übungen stimulieren ungenutzte Bereiche des Gehirns.

Durch intensives Wiederholen und eine ständige Erfolgskontrolle lernen Betroffene, Bewegungen wieder bewusst im Alltag einzusetzen. Durch die Therapie werden Bewegungen schneller und präziser, auch das Gleichgewicht und die Körperwahrnehmung werden gefördert. Die Effekte halten mehrere Wochen bis Monate an.

Weiterführernde Informationen und Tipps finden Sie auch auf der Internetseite der Deutschen Parkinson Vereinigung Bundesverband e.V. oder auf der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung betriebene Internetseite "Kompetenznetz Parkinson".

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 08. April 2021 | 17:00 Uhr

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