Weniger Schmerzen, mehr Entspannung Physiotherapie: Geräte für zu Hause

Schmerzen lindern oder Beweglichkeit verbessern: Das sind nur einige Ziele einer Physiotherapie. Zwei Termine pro Woche sind meist zu wenig und 20 Minuten eigentlich viel zu schnell vorbei. Einige Übungen lassen sich aber auch ergänzend zu Hause durchführen. Welche Geräte sich eignen, verraten wir hier.

Kinderfüße auf Akupressurluftkissen
Eine Akkupressurmatte dient hier zur Fußmassage. Bildrechte: Colourbox.de

Viele kennen die Behandlungen aus der Physiotherapie-Praxis: Reizstrom gegen Schmerzen, Schröpfmassagen gegen Muskelverspannungen und vieles mehr. Um die Zeit zwischen zwei Terminen zu überbrücken, gibt es inzwischen verschiedene dieser Physiogeräte auch für die Anwendung zu Hause. Die Auswahl ist riesig, die Kosten sind unterschiedlich hoch.

Doch wie sinnvoll in die Therapie zu Hause? "Im Prinzip ist es eine gute Sache, wenn man es richtig macht. Man sollte das nur in Absprache mit dem Arzt oder Physiotherapeuten anwenden und sich auch ausführlich erklären und zeigen lassen", sagt der Leipziger Physiotherapeut Mathias Hempel. Und Vorsicht: Nicht jedes Gerät ist für jeden Patienten geeignet. In einigen Fällen kann es Beschwerden sogar verschlimmern oder zu ungewollten Komplikationen führen.      

Gerät zur Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation (TENS)
Vor der Anwendung sollte ein Arzt zur Rate gezogen werrden. Bildrechte: imago/Fotoarena

TENS - mit Stromimpulsen gegen Schmerzen

Die Abkürzung TENS steht für Transkutane Elektrische Nervenstimulation. Die Methode wurde bereits in den 1960er-Jahren von Schmerzexperten entwickelt. Bei dieser Form der Elektrotherapie werden elektrische Impulse über Elektroden übertragen, welche sich auf die Haut kleben lassen. Eine mögliche Erklärung für die Wirkung: Durch die leichten Impulse sollen jene Nervenbahnen im Körper blockiert werden, die Schmerzsignale ans Gehirn leiten. Sie werden sozusagen vom Schmerz "abgelenkt".

Was sagen Experten? Die Studienlage zur TENS-Methode ist nicht eindeutig. Doch die Therapie hat kaum Nebenwirkungen und schadet deshalb meist auch nicht.

Einsatzgebiete

Die TENS-Methode wird hauptsächlich als ergänzende Maßnahme bei Patienten mit Gelenkschmerzen, Migräne oder auch Nervenschmerzen eingesetzt. So lässt sich häufig die Dosis von Schmerzmedikamenten reduzieren.

Für den Gebrauch zu Hause empfiehlt Physiotherapeut Mathias Hempel die Dauer der Anwendung langsam zu steigern: von 15 Minuten zu Beginn bis zu 30 Minuten. Je nach Intensität der Schmerzen sind mindestens eine, besser drei bis fünf Anwendungen täglich sinnvoll. Außerdem rät der Therapeut davon ab, die TENS ohne vorherige Aufklärung einzusetzen: "Die Elektroden müssen richtig platziert werden, nicht direkt auf dem Schmerzpunkt, sondern immer etwas daneben oder manchmal auch an einer ganz anderen Stelle, je nach Verlauf eines Nervs."

Vorher medizinischen Rat einholen!

Wer einen Herzschrittmacher oder Defibrillator hat oder unter epileptischen Anfällen leidet, dem wird von der Therapie grundsätzlich abgeraten. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten für Geräte zum Heimgebrauch, manchmal kann man die Geräte auch ausleihen.

Physiogeräte im Test

Testprobandin und Expertenmeinung Ulrike Lehmann hat's im Kreuz. Die 65-Jährige führt Schmerzen und Verspannungen im unteren Rücken auf ihre lange Bürotätigkeit zurück. Für Hauptsache Gesund testete die Leipzigerin einen Monat lang Physio-Geräte zum Heimgebrauch.

Auch Physio-Experte Mathias Hempel gibt Tipps.

Elektrisches Massagegerät

Ulrike Lehmann greift als erstes zu einem elektrischen Massagegerät mit warmen, rotierenden Kugeln. Laut Hersteller wird damit die Shiatsu-Akupressur-Massage nachempfunden, wie man sie aus der traditionellen chinesischen Medizin kennt. "Das ist wunderbar, das ist ausgesprochen entspannend. Es wird alles durchgeknetet und man kann nebenbei Zeitung lesen", schwärmt unsere Probandin.

Wärme und sich bewegende Kugeln – klingt im ersten Moment nach einer guten Idee. Doch Physio-Experte Mathias Hempel ist da etwas skeptischer: "Im Unterschied zu einem Therapeuten kann das Gerät keine Muskel-Dysbalancen erkennen. Es kann deshalb nach einigen Anwendungen sogar das Gegenteil bewirken, dass Schmerzen eher verstärkt werden." Aber so lange es guttut, ist auch er mit dem Gerät einverstanden.

Akupressurmatte

Die Akupressurmatte zeigt ihre Stacheln aus Hartplastik, die sich beim Liegen in die nackte Haut bohren. "Am Anfang tut es weh. Man denkt, das kann man nicht lange aushalten, aber wenn man dann eine Weile liegt, wird das immer angenehmer", lautet die Einschätzung von Ulrike Lehmann. Die Stachelmatte kostet um die 30 Euro und wird empfohlen gegen Rückenschmerzen, Stress und sogar gegen Kopfschmerzen.

"Sie regt die Durchblutung und damit auch die Entspannung an", erklärt Mathias Hempel das simple Wirkprinzip der Matte. Das soll verspannte Rücken- und Nackenmuskeln lockern. Außerdem werden durch den leichten Schmerz im Körper Endorphine, also Glückshormone, ausgeschüttet.

Schröpfmassage
Schröpfköpfe halten nicht auf trockener Haut. Also vorher am besten etwas einölen. Bildrechte: Colourbox.de

Schröpköpfe aus Silikon

Beim nächsten Produkt ist Ulrike Lehmann unsicher: Schröpfköpfe aus Silikon zur Massage und Förderung des Stoffwechsels im Gewebe. Da sie nicht weiß, wie man die Schröpf-Cups anwendet, muss sie erst mal genau in der Anleitung nachlesen. Dann macht sie an der Schulter den ersten Versuch. Durch den Ansaugdruck sollen verklebte Faszien gelöst und verspannte Muskeln gelockert werden. Die Silikoncups, die es schon für 15 Euro zu kaufen gibt, sind hautverträglich und für Allergiker geeignet. Unsere Probandin kommt mit den Cups überhaupt zu recht, sie fallen immer wieder ab.

Der Tipp vom Profi: Schröpfmassage funktioniert nicht auf trockener Haut, deshalb am besten etwas einölen. Auch die Silikon-Köpfe sieht Mathias Hempel kritisch: "Man braucht viel Kraft in den Händen, um sie zusammenzudrücken. Besser geeignet sind Sauggläser mit einem Gummiball, wie wir sie auch in der Praxis verwenden." Der Preis pro Stück: nur wenige Euro.

Vibrationspistole

Die Vibrationspistole verspricht verdickte Muskeln und verklebte Faszien so richtig durchzurütteln. Das Gerät kostet ab 60 Euro aufwärts und geht richtig in die Tiefe. Für Ulrike Lehmann ist das zu intensiv und für den Rücken bräuchte sie Unterstützung. Trotzdem findet sie die Pistole praktisch.

Und was meint der Experte dazu? "Man sollte es nur auf Muskeln anwenden und nicht direkt auf dem Knochen oder zum Beispiel auf der Kniescheibe", rät Mathias Hempel. Außerdem sollten Muskeln bei der Behandlung entspannt und nicht angespannt sein. Auch beim Kauf gibt es einiges zu beachten: Das Gerät sollte nicht zu groß und nicht zu schwer sein, sonst lässt es sich schwer handeln.

Das Fazit unserer Testprobandin

Ulrike Lehmanns Favorit steht jedenfalls fest: Das Shiatsu-Massagegerät für 40 Euro. Das massiert großflächig und gerade intensiv genug. Außerdem kann man es überall mit hinnehmen. "Ich nutze es zum Fernsehen, ich setze mich auf die Terrasse und stecke es in die Steckdose. Also, ich genieße das Gerät. Es ist wirklich ganz toll, ich bin begeistert“, schwärmt die 61-Jährige. Ihr Fazit nach vier Wochen Test: Bis auf die Schröpfköpfe haben für sie alle Geräte ihren Zweck erfüllt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 01. Juli 2021 | 21:00 Uhr

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