Stiftung Warentest Potenzmittel im Test: Was hilft, was nicht

Für viele sind es Tabuthemen: Erektionsprobleme und Impotenz. Jeder zweite bis dritte Mann im Alter von über 40 Jahren hat Erektionsstörungen schon selbst erlebt. Können Potenzmittel wirklich Abhilfe schaffen? Die Stiftung Warentest hat einige getestet.

Ein Mann sitzt enttäuscht am Bettende, im Hintergrund eine enttäuscht schauende Frau. 5 min
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MDR SACHSEN: Die meisten kennen Viagra. Was gibt es noch für Wundermittel?

Anke Kapels von Stiftung Warentest: Also neben Viagra und den ganzen Nachahmerprodukten gibt es auch verschiedene natürliche Medikamente, die viel im Internet angeboten werden. Da sind Wirkstoffe enthalten wie Yohomberinde, Ginseng, Moschus oder sogar Tigerhoden. Wirksame Medikamente gibt es aber tatsächlich nur auf Rezept.

Ist jedes Potenzmittel für jeden geeignet?

Die rezeptpflichtigen Medikamente wirken auf alle Fälle. Die haben aber Nebenwirkungen und darüber muss man mit dem Arzt sprechen. Die PDE-Hemmer verstärken die Blutzufuhr und erhöhen auch den Blutdruck. Männer, die unter sehr hohem Blutdruck leiden oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, dürfen solche Mittel nicht ohne vorherige Absprache mit dem Arzt nehmen. Es kann im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt kommen. Und es gibt auch Medikamente, die sich nicht mit diesen Potenzmitteln vertragen. Also da muss man wirklich immer mit dem Arzt sprechen. Der weiß, was es für Vorerkrankungen gibt und welche Medikamente der Patient einnimmt. Das zu wissen ist bei diesen Mitteln sehr wichtig.

Im Internet werden zahlreiche potenzsteigernde Mittel angeboten. Was sagt die Stiftung Warentest zu diesen Medikamenten?

Pfizer Viagra-Tabletten
Vorsicht vor Fälschungen von Viagra. Sie enthalten zum Teil Wirkstoffe, die nicht ausreichend getestet sind. Bildrechte: IMAGO

Es sind viele Fälschungen von Viagra im Umlauf, die von dubiosen Händlern angeboten werden. Da muss man vorsichtig sein, weil sie entweder gar keinen Wirkstoff enthalten oder nicht in der richtigen Menge oder sie enthalten auch noch Wirkstoffe, die noch gar nicht an Menschen getestet worden sind. Das gilt auch für sogenannte Nahrungsergänzungsmittel. Darin sind andere rezeptfreie Mittel, die zum Beispiel Ginseng enthalten oder auch Yohimbe. Aber die Medikamente können eben auch noch andere Stoffe enthalten, von denen man gar nicht weiß, welche Nebenwirkungen die haben. Oder sie können tatsächlich auch eins von diesen PDE-Hemmern enthalten und man weiß das nicht. Wenn dann jemand an sehr hohem Blutdruck leidet, kann es wirklich gefährlich werden.

Was sind PDE-Hemmer?

Mit PDE-Hemmern werden Impotenzprobleme behandelt. Das Arzneimittel verbessert die Durchblutung im Penis und verhindert ein frühzeitiges Abbauen der Erektion.

Sollte man Potenzmittel gar nicht im Internet bestellen?

Also, man kann bestellen. Rezeptpflichtige Mittel, die zugelassen sind und die man auf Rezept bekommt, die kann man bei Online-Versandapotheken bestellen. Die sind genauso gut wie stationäre Apotheken.

Welche Potenzmittel schneiden am besten ab?

Wir haben diese PDE-Hemmer bewertet. Die haben wir als eingeschränkt geeignet bewertet, weil sie eben Nebenwirkungen haben können für Männer, die sehr hohen Blutdruck haben. Und getestet haben wir auch Medikamente mit Alprostadil. Die sind wirksam, aber eben nur mit Einschränkung geeignet. Alprostadil kann auch noch eine unangenehme Nebenwirkung haben, die auch gefährlich sein kann, nämlich eine Dauererektion.

Wenn man eine Erektionsstörung hat, die länger als sechs Monate andauert, dann sollte man auf alle Fälle zum Arzt oder zum Urologen gehen. Medikamente können durchaus helfen, aber man muss sehen, was es für Vorerkrankungen gibt. Bitte "nie" ohne ärztlichen Rat nehmen.

Was ist Alprostadil?

Alprostadil ist eine körpereigene Substanz und ein Wirkstoff aus der Gruppe der Prostaglandine (Gewebshormon). Angewandt wird es zur Behandlung von Erektionsstörungen. Es bewirkt durch Erweiterung der Blutgefäße und Entspannung der Muskulatur eine Erektion.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17. März 2021 | 12:17 Uhr

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