Winterzeit Heiserkeit bei Erkältung: Warum verändert sich die Stimme?

Warum klingen Männerstimmen meistens tiefer bei Heiserkeit - aber bei Frauen bricht die Stimme eher nach oben weg? Und warum sind Kinder jetzt häufiger erkältet? Unser "Redakteur" hakt nach.

Erkältete Frau im Bademantel trinkt heiße Zitrone
Wer erkältet ist, sollte die Stimmbänder immer schön feucht halten. Bildrechte: IMAGO / Jochen Tack

Vielleicht gehört das schlicht zu den Beobachtungen, die sich mit jedem neuen Fall verfestigen, aber unterm Strich sachlich nicht begründbar sind. Dr. Bernhard Junge-Hülsing vom Berufsverband der HNO-Ärzte hat seit 22 Jahren mit einer eigenen Praxis sein Ohr an der Masse und kann diesen Eindruck nicht bestätigen. Eher hat die Tonhöhe etwas damit zu tun, was gerade defekt ist im Halsbereich.

Grundsätzlich wird eine Stimme meistens tiefer, wenn der Stimmapparat entzündet ist, weil die Stimmlippen mehr Volumen haben. Die Tonhöhe ist letztlich davon abhängig, ob die Stimmbänder über dem Stimmmuskel gut abrollen können, erklärt Dr. Junge-Hülsing. Es kommt darauf an, ob eine Schwellung vorliegt oder nicht.

Wenn eine Schwellung vorliegt, dann wird die Stimme tiefer, ist sie verhärtet und belegt, dann wird sie vielleicht piepsig und krächst.

Dr. Bernhard Junge-Hülsing, HNO-Arzt, Berufsverband der HNO-Ärzte

Dass die Stimmbänder anschwellen, ist eine Abwehrreaktion des Körpers, um Schleim zu produzieren. So wie ein Schnupfen, der lästig ist, aber Erreger ausspült.

Eine Frau mit umgelegtem Schal fasst sich an den Hals. 12 min
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Dr. Bernhard Junge-Hülsing ist HNO-Arzt. Er erklärt, warum bei einer Erkältung die Stimme manchmal krächtzig und manchmal piepsig wird. Außerdem findet er Corona-Maßnahmen gut.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 23.11.2022 16:40Uhr 11:55 min

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Warum sollen wir uns nicht räuspern?

Räuspern ist das Zusammenklatschen der Stimmbänder bzw. deren Stellknorpel. Wenn jemand sich ständig räuspern muss, um die Stimme frei zu bekommen, dann fehlt in den meisten Fällen schlicht Feuchtigkeit. Trockene Raumluft im Winter gepaart mit zu wenig Trinken ist die häufigste Ursache.

Dass das Trinken "vergessen" wird, hat etwas mit den Durstantriebsdrüsen in den Zirbeldrüsen zu tun, die schon ab 30 beginnen, abzusterben. Der Durstantrieb fehlt. Andere Alterungsprozesse, zum Beispiel in den Nieren, sorgen ab 50 dafür, dass der Körper austrocknet. Die Folge in der Summe: Es geht mehr raus und kommt auch noch weniger rein.

Im Sommer fällt das durch die höhere Luftfeuchtigkeit oft nicht auf, im Winter schon eher. Dann wird nicht nur die Haut an den Händen trockener, sondern auch die Schleimhaut des Stimmapparats. Also Wasser trinken und auch dafür sorgen, dass die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen nicht zu gering ist im Winter.

Heizung mit Thermostat
Heizungsluft ist trocken und trocknet entsprechend die Stimmbänder aus. Bildrechte: IMAGO / MiS

Warum sind wir jetzt mehr erkältet?

Wie wirksam in der Summe die Corona-Hygiene-Maßnahmen waren, dass konnten wir in den vergangenen beiden Wintern durchaus an den gesunkenen Erkältungszahlen und Grippefällen sehen. Allerdings hat unser Immunsystem ein wenig vergessen, wie die Erkältungserreger so ticken.

Das ist aber reparabel und sollte nicht zu der irrigen Schlussfolgerung führen, beim nächsten Mal setzen wir uns lieber ungeschützt der unbekannten schweren Erkrankung aus, um im Folgejahr keinen Schnupfen zu bekommen.

Kinder müssen ihr Immunsystem erst trainieren

Dass es gerade bei den Jüngsten so geballt auftritt, liegt nach Einschätzung von Dr. Bernhard Junge-Hülsing daran, dass sich die Kinder jetzt alles gleichzeitig aufhocken. In der Zeit zwischen zwei und fünf Jahren hat das Immunsystem gewöhnlich den Erstkontakt und lernt die verschiedenen Erreger nach und nach kennen und ist dann auch vorbereitet. Jetzt kommt mitunter alles auf einmal. 

Eine Frau hält ein Taschentuch an die Nase eines kleinen Jungen.
Kinder kommen nach zwei Corona-Jahren jetzt erst mit Viren und Bakterien in Kontakt. Bildrechte: imago/MITO

Normalerweise lernt das Immunsystem nach und nach, Streptokokken, dann Staphylokokken, dann Rhinoviren. Und jetzt bekommen es die Kinder auf einen Schlag.

Dr. Bernhard Junge-Hülsing, HNO-Arzt, Berufsverband der HNO-Ärzte

Die Kinder sind kränker, die Eltern werden es auch. Und bei deren Immunsystem ist in den vergangenen Jahren auch der Sportunterricht ausgefallen, das Training, das als Austausch von Keimen organisiert ist. Auf der anderen Seite hört man jetzt auch sehr ins sich hinein. Was früher als Erkältung durchgewunken wurde, ist heute ein Corona-Verdacht.

Aber wir haben trainierte Immunsysteme, wir können das auch wieder erlernen, es ist nicht weg.

Dr. Bernhard Junge-Hülsing, HNO-Arzt, Berufsverband der HNO-Ärzte

Die volle Wucht von Corona

Als sogenannter Versorgungsarzt für den Landkreis Starnberg war Dr. Junge-Hülsing für die Beschaffung von Masken oder Tests verantwortlich und auch selbst in den Altenheimen unterwegs und hat Abstriche genommen. Auf diese Art hat er die volle Wucht von Corona kennengelernt.

Eine Frau wird geimpft
Eine Corona-Impfung schützt besonders Ältere vor schweren Verläufen und Tod. Bildrechte: IMAGO / Laci Perenyi

Am Abend war er noch in einer Einrichtung und hat 18 Abstriche gemacht bei den Bewohnern, 16 Bewohner waren am nächsten Tag tot. Deshalb will er auch niemanden verurteilen, der bei den Maßnahmen aus heutiger Sicht vielleicht etwas zu vorsichtig war. Dank der Impfungen und der Medikamente, die uns jetzt zur Verfügung stehen, rät er aber auch zu etwas mehr Gelassenheit.

Das Problem mit den Hustenbonbons gegen einen trockenen Hals

Die Dosis macht das Gift, das ist bekannt. Dass Hustenbonbons oft einen kleinen Chemiebaukasten in sich tragen, kann man auf der Packung nachlesen. Aber selbst wenn nicht, ist der Dauergebrauch keine Wohltat für den Hals. Dr. Junge-Hülsing warnt davor, es zu übertreiben und rät erneut, dem trockenen Hals auch mit ausreichend Wasser zu begegnen.

Wer zwanzig Bonbons am Tag lutscht, der gibt dem Magen das Signal: Jetzt kommt gleich etwas und der beginnt mit der Säureproduktion. Es kommt aber nicht wirklich was. Wenn man dann häufig hustet, ist nicht nur der mechanische Reiz ein Problem für die Stimme, sondern es wird immer auch etwas Magensäure hochgehustet.

Eine Frau steckt sich ein Hustenbonbon in den Mund
Halsbonbons nur bei aktuen Schmerzen lutschen. Bildrechte: IMAGO

Damit wird der ohnehin schon geschädigte Hals einschließlich des Stimmapparates zusätzlich gereizt. Denn die Schleimhäute dort sind anders als die Magenschleimhäute nicht geschützt vor der aggressiven Säure. So erreicht man mit zu vielen Hustenbonbons genau das Gegenteil.

MDR (dvs)

Tipps bei Erkältung

Untersuchung des Kehlkopfes 10 min
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 23. November 2022 | 16:40 Uhr

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