Therapie Was Sie gegen Rheuma tun können

Mit der Krankheit Rheuma verbinden die meisten Menschen geschwollene und schmerzende Hände und die klassische Morgensteifigkeit. Doch Rheuma ist eine Erkrankung, die den gesamten Organismus betrifft. Dabei richten sich Abwehrstoffe gegen das körpereigene Gewebe. Wer ist betroffen und vor allem: Was kann gegen Rheuma heute getan werden? Antworten gibt Dr. Thomas Dietz.

Patient hält schmerzenden Arm
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Volkskrankheit Rheuma

In Deutschland leiden unter Rheuma rund zehn Millionen Menschen, aller Altersklassen – auch 20.000 Kinder und Jugendliche. Meist beginnt die Krankheit in der zweiten Lebenshälfte zwischen 50 und 70 Jahren.

Unter dem Oberbegriff "Krankheiten des rheumatischen Formenkreises" fassen Mediziner rund 400 verschiedene Erkrankungen zusammen. Zu diesen Erkrankungen gehören etwa Gicht, Lupus erythematodes, Krankheiten der Gefäße (Vaskulitis) und viele mehr.

Rheuma tritt meistens am Bewegungsapparat auf, betrifft aber nicht nur "harte" Strukturen wie Gelenke, Knochen oder Knorpel, sondern auch "Weichteile" wie Muskeln, Bänder oder Sehnen. Selbst Organe, Nerven, Rippenfell oder Gefäße können betroffen sein.

Bislang ist Rheuma nicht heilbar. Allerdings kann man die Erkrankung gut behandeln.

Der rheumatische Formenkreis teilt sich in vier Hauptgruppen

1. entzündlich-rheumatische Erkrankungen
2. verschleißbedingte (degenerative) Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen
3. Weichteilrheumatismus
4. Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden (pararheumatische Erkrankungen)

Ursachen für eine Rheumaerkrankung

Die Ursachen für das Krankheitsbild sind bislang noch nicht umfassend erforscht. Gesichert scheint, dass Autoimmunprozesse beteiligt sind, das Immunsystem der Betroffenen körpereigenes Gewebe bekämpft. Fehlgesteuerte Immunzellen gelangen - angeregt von bestimmten Botenstoffen, den Interleukinen, in die Gelenke und verursachen dort Entzündungen. Dadurch vernarbt und wuchert die Gelenk-Innenhaut immer mehr, Knorpel und Bänder werden geschädigt. Das schmerzt, führt zu Bewegungseinschränkungen und - falls nicht rechtzeitig und adäquat therapiert wird - zur Zerstörung des Gelenks.

Hilfe und Therapie für Betroffene

Der allergrößte Teil rheumatischer Erkrankungen verläuft chronisch; in nur 10 Prozent aller Fälle findet eine sogenannte Spontanremission statt, d.h. die Erkrankung und all ihre lästigen Beschwerden verschwinden von sich aus, und keiner weiß genau, warum.

Trotz aller Forschung ist bis heute kein Weg gefunden, Rheuma wirklich zu heilen. Die Behandlung zielt darauf ab, den Zerstörungsprozess an Gelenken und Organen aufzuhalten oder abzubremsen und die begleitenden Schmerzen zu lindern.

Akut entzündliches Gelenkrheuma wird grundsätzlich mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt; in der Langzeittherapie werden andere Medikamente eingesetzt (Basistherapeutika), die langfristig Entzündungsprozesse im Körper eindämmen oder stoppen sollen.

Bewegung:

Ein Mann beim Fitness
Bildrechte: Colourbox.de

Daneben spielen ergänzende Therapien eine wichtige Rolle: Krankengymnastik und Bewegungstherapie sind unabdingbar, um Mobilität, Lebensqualität und Selbständigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Regelungen zur Kostenerstattung stehen dem allerdings häufig entgegen.

Dies gilt auch für eine Vielzahl an hilfreichen Alltagsgegenständen, die die Lebensqualität einer an Rheuma erkrankten Person deutlich verbessern können.

Welche Hilfsmittel gibt es? Einige Beispiele

  • Orthopädische Hilfsmittel wie Schuheinlagen und spezielle orthopädische Schuhe sollen die Fußstellung im Schuh verändern und dadurch die Fußgelenke entlasten.
  • Verschiedene Gehhilfen, Gehstöcke, Gehgestelle und Rollatoren.
  • Es gibt Messer, Gabeln und Löffel mit besonders großen Griffen aus Gummi oder Schaumstoff. Sie können leichter gehalten werden, das Schneiden erleichtern.
  • Speziell geformte Dosen- und Flaschenöffner erleichtern das Öffnen.
  • Anziehhilfen können helfen, Strümpfe und Hosen leichter anzuziehen.
  • Für die Körperpflege gibt es diverse Hilfsmittel.

Kostenübernahme?

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kann die Kosten für Hilfsmittel bis auf einen begrenzten Eigenanteil übernehmen. Voraussetzung dafür ist, dass das Hilfsmittel vom Arzt verordnet und von der Krankenkasse genehmigt wurde.

Ernährung

Häufig ist die Umstellung der Ernährung hilfreich: Wenig Fleisch und Fleischprodukte, Alkohol und Nikotin meiden, pflanzliche Öle und Fette bevorzugen. Wer tendenziell oder völlig vegetarisch lebt, hat als Rheumakranker unbestreitbare Vorteile; diese Form der Ernährung vermeidet eine Anzahl von Substanzen, deren entzündungsfördernde Wirkung außer Frage steht.

Rezepte für Rheumatiker

Wie heißt es so schön, nach der Theorie kommt die Praxis. Deshalb möchten wir Ihnen einige ganz praktische Rezepte zum Nachkochen an dieser Stelle mit an die Hand geben. Sie stammen aus der Broschüre „Die richtige Ernährung bei Rheuma“ der Deutschen Rheuma-Liga. Hier finden Sie auch weitere Anregungen für Ihre gesunde Küche.

Pastinaken-Brotaufstrich

Zutaten für 4 Personen:

Pastinaken
Pastinaken Bildrechte: Colourbox.de

  • 1-2 mittelgroße Pastinaken
  • Kräutersalz, Pfeffer, Thymian, Koriander,
  • Petersilie und
  • Butter
  • Alle Mengen nach Geschmack

Zubereitung:

Pastinaken schälen und in Stücke schneiden, danach in wenig Wasser kochen und anschließend pürieren. 
Mit Kräutersalz und Pfeffer würzen, dann mit etwas Thymian und Koriander, frischer oder Tiefkühl-Petersilie und einem Klecks Butter abschmecken.

Hokkaido-Kürbissuppe

Zutaten für 4 Portionen

  • 1 Hokkaido-Kürbis
  • (etwa 500 bis 700 Gramm)
  • 1 Zwiebel
  • 1 daumengroßes Stück Ingwer
  • 2 Esslöffel Distelöl
  • 750 Milliliter Gemüsebrühe
  • ½ bis 1 Esslöffel fertige Currypaste (zum Beispiel aus dem Asia-Laden)
  • 200 Milliliter Kokosmilch
  • Pfeffer, Salz und eine Prise frisch, geriebenen Muskat zum Abschmecken

Zubereitung

Den Kürbis waschen und komplett in den Ofen schieben. Bei 175 Grad 30 bis 40 Minuten backen. Die Schale sollte dabei nicht verbrennen. Ein angenehmer Maronen-Duft verrät, dass der Kürbis gar wird. Den weichen Kürbis etwas abkühlen lassen. Die Zwiebel und den Ingwer klein schneiden und in etwas Öl andünsten. Der abgekühlte gegarte Kürbis lässt sich jetzt ohne großen Kraftaufwand in Stücke schneiden. Dabei die Kerne und den Strunk entfernen. Die übrigen Stücke mit etwas Gemüsebrühe, Ingwer und Zwiebelstückchen in einen Topf geben und pürieren. Bei mittlerer Hitze die Currypaste (Vorsicht, scharf!) hinzugeben. Kokosmilch unterrühren. Mit Pfeffer, Salz und frisch geriebenem Muskat abschmecken.

Mehr über die Krankheit

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 16. September 2021 | 17:00 Uhr

Mehr Gesundheit

Weitere Ratgeber-Themen