Rückenschmerzen Innovatives Sportmedizin-Programm soll OP’s vermeiden

Das Uniklinikum Dresden bietet als einziges Wirbelsäulenzentrum in Mitteldeutschland ein spezielles sportmedizinisches Programm für Patienten mit Rückenschmerzen an. Es soll helfen, langfristig chronische Schmerzen und Operationen zu vermeiden.

Geschäftsmann hält sich den unteren Rücken.
Rückenschmerzen sind für Betroffene eine Qual. Die Muskulatur zu stärken, kann oft für Linderung sorgen. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Trainingsprogramm "Ran Rücken" auf Basis groß angelegter Studie entwickelt

Das am Universitätsklinukum angebotene Trainingsprogramm "Ran Rücken“ führt nachweislich neben einer Verbesserung der Rückenmuskulatur zu einer Reduktion von Rückenschmerzen und damit auch zu einer besseren Lebensqualität. Die Übungen sind aus einer großen deutschen Studie mit über 2.800 Patientinnen und Patienten heraus entwickelt worden und wissenschaftlich auch in der Sportmedizin der Dresdner Universitätsklinik geprüft. Sie werden jeweils individuell auf den jeweiligen Patientenfall abgestimmt. Das Projekt wurde vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert.

Das Programm enthält verschiedene Grundübungen wie Kniebeuge oder Standwaage, die auf zwölf Level gesteigert werden können. "Das Programm hat verschiedenste Schwierigkeitsstufen und kann vom wenig geübten Patienten, über den Normalbürger bis hin zum Hochleistungssportler genutzt werden. Das heißt, wir haben damit ein Portfolio für das gesamte Patientenspektrum." Der Kurs enthält zwölf Einheiten und dauert sechs Wochen. Danach trainiert der Patient zu Hause alleine weiter, samt Übungslink und Kontrollheft.

"Das ist sicher etwas Besonderes", sagt Professor Alexander Disch, Chefarzt des Wirbelsäulenzentrums, mit Blick auf das sportmedizinische Programm an seiner Klinik. "Es schließt eine Versorgungslücke für Patienten, die mehr machen wollen als die übliche Krankengymnastik".

Muskulatur stärken und Operationen möglichst vermeiden

"Unser Ziel ist es, Patienten solange wie möglich konservativ zu behandeln. Nur wenn wirklich Notfälle vorliegen, würden wir operativ tätig werden", erklärt Wirbelsäulenchirurg Professor Disch. Das sei beispielsweise der Fall, wenn bei einem Bandscheibenvorfall das Bandscheibenmaterial zum Rückenmarkskanal hin ausstritt und die Nervenwurzeln so bedrängt, dass es zu Taubheitsgefühlen und Lähmungserscheinung kommt.

Glücklicherweise kommt das seltener vor als viele wahrscheinlich vermuten: "Rund 80 Prozent der Patienten, die einen Bandscheibenvorfall haben, müssen keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Das heißt, der Schmerz geht von selbst wieder weg. 20 Prozent brauchen eine Therapie. Und von diesen 20 Prozent brauchen weit unter zehn Prozent einen operativen Eingriff", so Disch. Doch auch mit dem Tag der Operation ist die Therapie nicht zu Ende. Denn wer einmal am Rücken operiert wurde, sollte ein Leben lang seine Rumpfmuskulatur trainieren, um beschwerdearm zu bleiben. Die besten Übungen dafür bekommen die Patienten in Dresden mit dem "Ran Rücken"-Programm an die Hand.

Krankenkassen beteiligen sich an Kosten

Momentan müssen die Patienten für das Programm zunächst in Vorkasse gehen. Sie bekommen die Kosten von den Krankenkassen aber als Präventionsmaßnahme teilweise zurückerstattet. Und das lohnt sich im Endeffekt auch für die Krankenkassen: "Die individuell auf den Patienten abgestimmten Übungen können akute Schmerzen und eine Chronifizierung von Rückenschmerzen vermeiden. Das ist nicht nur für die Patienten wichtig, sondern auch für das Gesundheitssystem, da es hier nur eingeschränkt Kapazitäten gibt, um chronische Schmerzpatienten zu behandeln", sagt Professor Disch. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass die Patientinnen und Patienten selbst etwas für ihre Rückengesundheit tun wollen.

Übungen gegen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule 4 min
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 08. September 2022 | 21:00 Uhr

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