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AutoimmunerkrankungHashimoto: Wenn die Schilddrüse sich selbst zerstört

von Cornelia Birr, MDR Hauptsache gesund

Stand: 20. Januar 2022, 15:23 Uhr

Hashimoto-Thyreoiditis: ein komplizierter Name, hinter dem sich eine der weltweit häufigsten Autoimmunkrankheiten versteckt. Schätzungen zufolge leidet hierzulande jeder Zehnte unter der chronischen Entzündung der Schilddrüse, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Für Patienten gilt die Diagnose ein Leben lang, denn die Krankheit ist unheilbar. Wir haben mit der Leipziger Endokrinologin Dany Wieländer darüber gesprochen, wie Hashimoto entsteht und worauf Betroffene achten sollten.

Was sind die Auslöser einer Hashimoto-Thyreoiditis?

Dany Wieländer: Die Auslöser sind zum Beispiel Hormonumstellungen, etwa während einer Schwangerschaft, oder ausgeprägter Stress. Auch Virusinfekte können dazu führen, dass die Erkrankung ausbricht oder schubweise voranschreitet. Bei Hashimoto-Patienten kann auch Jod im Übermaß den Immunprozess negativ beeinflussen, allerdings ist die Jodmenge in der täglichen Nahrung unbedenklich. Die Ursachen, warum sich das Immunsystem gegen ein eigenes Organ richtet, sind noch nicht genau bekannt. Neben einer genetischen Veranlagung werden auch Umweltfaktoren diskutiert. Verhindern kann man die Erkrankung leider nicht. Stressreduktion und eine gesunde Lebensführung können aber zumindest dazu beitragen, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen.

Sind mehr Frauen von Hashimoto betroffen?

Dany Wieländer: Tatsächlich leiden zehn Mal mehr Frauen als Männer unter dieser Autoimmunerkrankung. Es ist davon auszugehen, dass das weibliche Sexualhormon Östrogen hier einen direkten Einfluss auf den Immunprozess der Schilddrüse hat.

Wie wird Hashimoto behandelt?

Dany Wieländer: Da sich bei der Erkrankung häufig eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt, wird diese mit der Gabe von Schilddrüsenhormonen in Tablettenform behandelt. Wir behandeln daher die Folge des Autoimmunprozesses; eine ursächliche Therapie existiert leider nicht.

Gibt es Lebensmittel, die die Schilddrüse bei der Arbeit unterstützen oder stören?

Dany Wieländer: Für eine gesunde Schilddrüse ist eine ausreichende Jodversorgung wichtig. Es wird eine tägliche Jodzufuhr von 150-200 Mikrogramm empfohlen, Schwangere haben einen noch höheren Bedarf. Fisch enthält viel Jod: In 100 Gramm Seefisch können bis zu 250 Microgramm enthalten sein. Da Deutschland ein Jodmangelgebiet war und ist, wurde Anfang der 1990er-Jahre das jodierte Speisesalz eingeführt, um die Jodversorgung der Bevölkerung zu verbessern.

Auch Selen ist wichtig für die Schilddrüse, es ist beteiligt an der Schilddrüsenhormonaktivierung. Einen hohen Selengehalt haben z.B. Nüsse, vor allem Paranüsse. Die Jodaufnahme hemmen können dagegen Gemüsesorten wie Kohl und Rettich. Da diese aber sicher nicht täglich auf unserer Speisekarte stehen, ist der Genuss aus Schilddrüsensicht unbedenklich. Außerdem sind diese Gemüse auf der anderen Seite ja gute Vitaminlieferanten (z.B. reich an Vitamin C).

Was gilt es bei Zahnpasta zu beachten? Sollten Patienten mit Unterfunktion Produkte mit Fluorid meiden?

Dany Wieländer: Fluoride in höherer Dosis können tatsächlich die Schilddrüsenfunktion hemmen. Allerdings ist die Dosis in den handelsüblichen Zahnpasten unbedenklich. Außerdem wird der größte Teil der Zahnpasta ja wieder ausgespuckt.

Infos zur ExpertinDr. Dany Wieländer ist Fachärztin für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie in Leipzig.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 06. Januar 2022 | 21:00 Uhr