Bandscheibe Neues Ganzkörper-Röntgen hilft bei OP-Entscheidung

Das Klinikum Magdeburg ist eine der wenigen Kliniken im Osten, die bei der Diagnose von Wirbelsäulenproblemen ein innovatives Röntgengerät nutzen. Es liefert in Sekunden hochaufgelöste 3-D-Bilder, die eine Diagnose der Körperstatik von Kopf bis Fuß ermöglichen.

Mann schaut auf Monitor
Hier ist das Skelett von Kopf bis Fuß erfasst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es sieht ein bisschen aus wie eine futuristische Sicherheitskontrolle am Flughafen. Doch es handelt sich um eine kleine Revolution der Röntgentechnologie. Für 20 Sekunden stehen Erwachsene im Klinikum Marburg in einer kleinen Kabine und werden gleichzeitig von vorn und von der Seite gescannt. Dann liefert das EOS-Röntgensystem ein lebensgroßes 3-D-Abbild vom kompletten Skelett.

"Wir sehen nicht nur Ausschnitte der Wirbelsäule wie bei den herkömmlichen Methoden, wir können uns ein Bild vom Gesamtkörper machen. Das ist wichtig, weil man auch Kompensationsmechanismen erkennt. Man sieht, was macht das Sprunggelenk, was macht das Knie, die Hüfte? Man sieht also, ob der Körper insgesamt in der Balance steht§, sagt Privatdozent Dr. Jörg Franke, Leiter des Wirbelsäulenzentrums am Klinikum Magdeburg.  

Diagnose im Stand möglich

Ein weiterer großer Vorteil: Die Untersuchung erfolgt nicht im Liegen, sondern im Stand, also genau dann, wenn in der Regel die Schmerzen in Belastungssituationen auftreten. "Das ist entscheidend, weil wir so die ganz individuelle Belastung auf der Wirbelsäule sehen können", erklärt Orthopäde Dr. Franke. Denn wer Rückenprobleme hat, macht oft Ausweichbewegungen, versucht so zu laufen, dass er keine Schmerzen hat. Mit der Zeit kann das die komplette Statik aus dem Lot bringen. Das neue Röntgengerät liefert jetzt den Blick auf das große Ganze.

Geringe Strahlendosis dank Nobelpreis-Technologie

Das Verfahren basiert auf einer Technologie des französischen Nobelpreisträgers Georges Charpak. Es liefert deutlich schärfere Bilder als herkömmliche Röntgengeräte, bei gleichzeitig zehn Mal geringerer Strahlenbelastung. Möglich wird das durch eine spezielle "Partikel Detektor Technologie", bei der zwei zueinander rechtwinklig angeordnete Röntgenstrahlen gleichzeitig den Körper scannen.

Auch Kinder profitieren

Aktuell ist das Klinikum Magdeburg die einzige Klinik in Sachsen-Anhalt, die die neue Technologie verwendet. "Wir können damit deutlich bessere Diagnosen treffen. Zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, ob bei einem Bandscheibenvorfall eine Operation wirklich nötig ist", ist sich Dr. Franke sicher. Durch die geringe Strahlenbelastung profitieren vor allem Patienten, die häufig geröntgt werden müssen. So wird es auch für die Behandlung und Verlaufskontrolle bei Skoliose von Kindern und Jugendlichen eingesetzt und hilft bei der Planung von Hüft- oder Kniegelenksprothesen.

Bandscheiben – der perfekte Stoßdämpfer

Die Bandscheiben liegen wie ein Puffer zwischen den 24 Wirbeln unserer Wirbelsäule. Sie bestehen aus einem knorpeligen Faserring und einem gallertartigen Kern. So können sie den Druck auf die angrenzenden Wirbel perfekt ausgleichen. Außerdem wirkt die Bandscheibe zwischen den Wirbeln wie eine Gleitschicht, die das Bewegen der Wirbelsäule erst ermöglicht.

Wie kommt es zu Schäden an der Bandscheibe?

Bewegungsmangel ist eines der größten Risiken für die Bandscheiben. Denn Bandscheiben besitzen keine Blutgefäße, durch die sie versorgt werden. Ähnlich einem Schwamm, der im Wasser zusammengepresst und wieder losgelassen wird, werden die Bandscheiben durch den ständigen Wechsel von Be- und Entlastung ernährt. Nur so können Bandscheiben elastisch und widerstandsfähig bleiben.

Doch auch Überlastungen oder Fehlhaltungen bleiben nicht ohne Folgen. Durch den anhaltenden Druck und den verlangsamten Stoffaustausch in den Bandscheiben verlieren sie langsam ihre Elastizität. Am Knorpelring kommt es zu Rissbildungen und der gallertartige Kern kann sich vorwölben und Richtung Rückenmark und Nerven drücken, was starke Schmerzen bis hin zu Taubheit und Lähmungen verursachen kann – ein Bandscheibenvorfall.

Helfer in der Not: Stufenlagerung

Bei plötzlichen akuten Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule hat sich die Stufenlagerung als Erste-Hilfe-Maßnahme bewährt. Legen Sie sich flach auf den Boden. Legen Sie die Unterschenkel auf einen Stuhl und winkeln Sie die Knie in 90° an. Versuchen Sie, sich so zwei bis fünf Minuten zu entspannen. Achten Sie beim Aufstehen dar­auf, sich zuerst auf die Seite zu rollen und danach über die Seite aufzustehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. Oktober 2021 | 21:00 Uhr

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