Gewebedurchbruch Wann ist ein Leistenbruch gefährlich?

Unbehandelt kann ein Leistenbruch lebensgefährlich werden. Nämlich dann, wenn sich der Darm in dem Eingeweidebruch einklemmt. Eine Leistenbruch-OP zählt zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen bei Männern in Deutschland. Dennoch muss nicht jeder Leistenbruch sofort operiert werden.

Mann hält sich den Unterbauch, wegen Schmerzen in der Leistengegend
Rund 90 Prozent der Betroffenen bei Leistenbrüchen sind Männer. Bildrechte: IMAGO / Jochen Tack

Ein Leistenbruch entsteht, wenn Gewebe durch eine Lücke in der Bauchwand der Leiste nach außen drängt. Dann zeigt sich kleine Beule in der Leistengegend. Betroffene spüren anfangs kaum etwas, später ein Druckgefühl, ein Ziehen oder Schmerzen, die unter Belastung schlimmer werden. Oft lässt sich die tastbare Schwellung nach innen drücken.

Jeder vierte Mann betroffen

Rund 90 Prozent der Betroffenen sind Männer. Schätzungen zufolge erleidet jeder vierte Mann im Laufe seines Lebens einen Leistenbruch. Doch warum ist das so? Die Ursache liegt in an den anatomischen Strukturen des Mannes. Der Leistenbruch tritt, wie der Name schon vermuten lässt, im Leistenkanal auf. Der ist beim Mann breiter angelegt, weil bei der Embryonalentwicklung der Hoden durch diesen Kanal wandert. Zurück bleibt eine lebenslange Schwachstelle. Das allein führt allerdings nicht automatisch zu einem Leistenbruch.

Oft kommen weitere Risikofaktoren hinzu wie familiäre Veranlagung, das häufige Heben schwerer Lasten, Übergewicht oder chronischer Husten. Auch wenn ein Leistenbruch häufiger im höheren Lebensalter auftritt, können auch junge Erwachsene und Kinder betroffen sein.

Computergrafik zeigt verschobene Organe bei einem Eingeweidebruch.
Hier sieht man deutlich die, wie die Schwachstelle in der Bauchwand durchbrochen wurde. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Komplikation Darmverschluss

Die meisten Leistenbrüche sind harmlos. In seltenen Fällen können sich jedoch Teile des Darms in dem Bruch einklemmen. Das verursacht starke Schmerzen, mitunter Rötungen an der betroffenen Stelle sowie Übelkeit und Erbrechen. Dann sollte man sofort zum Arzt. Denn es könnten bereits Teile des Darms eingeklemmt sein. Infolgedessen kann der Darmabschnitt absterben, eine gefährliche Bauchfellentzündung oder eine Blutvergiftung entstehen. Es handelt sich um einen Notfall, der dringend operiert werden muss.

Abwarten und beobachten?

In Deutschland werden laut der Deutschen Herniengesellschaft jährlich etwa 275.000 Leistenbrüche operativ versorgt. Wie schnell man auf den OP-Tisch muss, hängt von den Beschwerden ab. Liegt eine Komplikation wie die Einklemmung des Darms vor, muss umgehend operiert werden. Verursacht der Leistenbruch bei einem Mann keine Symptome und vergrößert sich nicht, kann zunächst abgewartet werden. Experten nennen das "watchful waiting", also kontrolliertes Abwarten und Beobachten.

Bei Frauen hingegen wird in der Regel immer sofort operiert, auch wenn der Leistenbruch keine Beschwerden macht. Denn bei Frauen treten bei einem Leistenbruch deutlich häufiger Komplikationen auf. Und eines sollte man auch wissen: Ein Leistenbruch wird nicht von selbst verheilen. Eine OP lässt sich also über kurz oder lang kaum vermeiden.

Netz oder Naht?

Je nach Größe des Leistenbruchs, des Alters der Betroffenen und Begleiterkrankungen werden unterschiedliche Operationsmöglichkeiten in Betracht gezogen. Das Behandlungsteam wird in jedem Einzelfall entscheiden, ob die OP offen oder minimalinvasiv erfolgt, mit oder ohne Netz. "Die Wahl des OP-Verfahrens erfolgt sehr individualisiert. Bei einem jungen Patienten würde man beispielsweise nicht unbedingt zu einem Netz greifen, sondern ein Nahtverfahren wählen", erläutert Professorin Ines Gockel, Viszeralchirurgin am Uniklinikum Leipzig.

Für junge Patienten unter 40 Jahren könnte das Risiko durch Netze unter Umständen größer sein als ein erneuter Bruch. Bei Älteren dagegen wird in der Regel heute eine Operation mit einem Kunststoffnetz bevorzugt. Denn damit wird die Bruchstelle nicht nur verschlossen, sondern gleichzeitig auch die Bauchdecke verstärkt.

Stichwort Hernie (Gewebebruch) Eine Hernie ist der medizinische Fachbegriff für einen "Weichteilbruch". Dabei wölbt sich ein Stück des Bauchfells durch eine Schwachstelle in der Bauchwand. Kritisch wird es, wenn durch diese Lücke Eingeweide wie zum Beispiel der Darm oder Magen drängen. Hernien können an verschiedenen Stellen des Oberbauchs auftreten.

Die häufigsten Hernien (Gewebebrüche) durch Schwachstellen in der Bauchwand

Neben dem Leistenbruch gibt es weitere Schwachstellen in der Bauchwand, die zu Hernien führen können:

Schenkelhernie: Hier liegt der Bruch unterhalb des Leistenbandes und die Vorwölbung wird auf der Oberschenkelinnenseite sichtbar. Von dieser Hernie sind Frauen ab dem mittleren Lebensalter öfter betroffen.

Bauchnabelbruch: Es entsteht eine Vorwölbung an der Bauchdecke direkt neben dem Nabel. Betroffen sind häufig übergewichtige Menschen und Säuglinge.

Narbenbruch: Nach einer Operation ist die Bauchwand im Bereich der Narbe geschwächt und es kann zu einem Narbenbruch kommen. Ungefähr jeder fünfte Patient erleidet nach einer offenen Bauchoperation eine Narbenhernie.

Oberbauchbruch: Hier bildet sich die Vorwölbung aus einer Lücke in der Bauchwand zwischen Brustbein und Bauchnabel heraus.

Zwerchfellbruch: Er ist von außen nicht sichtbar und wird deshalb als innere Hernie bezeichnet. Hierbei weitet sich eine Lücke im Zwerchfell, ein Teil des Magens kann sich dadurch in den Brustraum schieben. Sodbrennen oder Schluckbeschwerden sind eine häufige Folge.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. Oktober 2021 | 21:00 Uhr

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