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Prophylaxe und TherapieKrummer Rücken: Übungen gegen die Schmerzen

von Andrea Besser-Seuß, Hauptsache Gesund

Stand: 10. November 2021, 17:08 Uhr

Ein krummer Rücken kann angeboren sein, etwa bei Skoliose. Oder später durch krankhafte Veränderungen entstehen, zum Beispiel bei einer Osteoporose. Oftmals stecken aber Haltungsprobleme, wie hoch gezogene Schultern oder langes Sitzen, hinter dem "Buckel". Doch die Fehlhaltungen führen oft zu Schmerzen. Wir zeigen, welche Übungen hier helfen können.

Im Straßenbild fällt bei älteren Menschen manchmal auf: Sie laufen krumm, vornüber gebeugt, brauchen deshalb oft einen Rollator. Im Alter verstärken sich Fehlhaltungen, es kommen degenerative Veränderungen am Knochengerüst und altersbedingte Abnutzung hinzu. Der Fachbegriff für die konvexe Vorwölbung der Wirbelsäule, also den verstärkten Rundrücken, lautet "Kyphose".

Eine Ursache: Fehlhaltungen

Falsche Angewohnheiten in der Haltung können oft schon Jahre oder Jahrzehnte zuvor zu muskulären Dysbalancen führen. Dieses Ungleichgewicht wiederum begünstigt den krummen Rücken oder Rundrücken. Ein Beispiel aus dem modernen Alltag ist die exzessive Handynutzung und betrifft eher jüngere Menschen. Wer stundenlang aufs Smartphone schaut, gerät zwangsläufig in eine Fehlhaltung. Wie bei einer Schildkröte wird der Kopf nach vorn gestreckt, die Schultern ziehen ebenfalls nach vorn und es entsteht der so genannte Handynacken.

Krankheiten als Auslöser

Folgende Krankheiten können zu einem krummen Rücken führen: Skoliose, Osteoporose oder rheumatische Erkrankungen wie "Morbus Bechterew".

Skoliose – Verkrümmung der Wirbelsäule

Bei einer Skoliose ist die Wirbelsäule seitlich verbogen und es kommt zudem zur Verdrehung von Wirbelkörpern. Sie tritt meist in der Jugend auf. Keine Wirbelsäule ist vollkommen gerade und kleinere Achsabweichungen sind normal. Leichte Formen der Skoliose sind daher kaum erkennbar. Schätzungen zufolge haben rund zehn bis zwölf Prozent aller Jugendlichen eine leichte Skoliose, die auch nicht weiter behandelt werden muss.

Eine schwere Skoliose ist dagegen nicht zu übersehen. Sie zeigt sich häufig in einem abstehendem Schulterblatt und einem Buckel beim Vorneigen, sowie einem Schiefstand des Beckens und/oder der Schulter. Unbehandelt wird sie immer schlimmer, was bei älteren Menschen zu massiven Rückenschmerzen und sogar Atemproblemen führen kann. Jedes 50. Mädchen in Deutschland hat eine solche Skoliose. Mädchen sind deutlich häufiger von einer Skoliose betroffen als Jungs. Die meisten Skoliosen bilden sich im vorpubertären oder pubertären Wachstumsschub aus. Wichtig ist dann vor allem schnelles Handeln. Eltern, die denken, dass am Rückgrat ihres Kindes etwas nicht stimmt, sollten schnellstmöglich einen Arzt kontaktieren.

Daran kann man eine Skoliose erkennen- Wenn beim aufrechten, entspannten Stehen die Schultern nicht auf gleicher Höhe sind.

- Wenn das Becken auf einer Seite höher ist als auf der anderen.
Wenn man beim Vorbeugen den Rücken von hinten betrachtet und dabei eine Seite deutlich höher ist als die andere.

- Wenn man beim Vorbeugen den Rücken von hinten betrachtet und dabei eine Seite deutlich höher ist als die andere.

Dr. Christina Lemhöfer ist Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin an der Uniklinik Jena. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Therapiemöglichkeiten

Die Therapie der Skoliose richtet sich sehr stark danach, wie groß der Winkel der Seitverbiegung ist und ob das Längenwachstum schon abgeschlossen ist oder nicht, sagt Dr. Christina Lemhöfer, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin an der Uniklinik Jena. Behandelt wird die Skoliose vorrangig mit Physiotherapie. "Wir versuchen dabei mit mehreren Bausteinen zu arbeiten", erklärt sie. Dazu gehören Manualtherapie, Übungen zur Kräftigung und Stabilisierung sowie Haltungsschulung. Dabei geht es darum, die bewusste Aufrichtung zu lernen und Gleichgewicht und Koordination zu stärken.

Krankengymnastik (nach Katharina Schroth)

Krankengymnastik ist für alle Skoliose-Patienten sehr wichtig. Eine trainierte Rumpfmuskulatur gibt der Wirbelsäule Halt. Die Dresdnerin Katharina Schroth hat vor fast 100 Jahren Übungen entwickelt, die bis heute die Grundlagen für die wirksamste Skoliose-Gymnastik bilden. Die Handelsschullehrerin hatte selbst eine Skoliose und wollte sich mit ihren Übungen zunächst selbst helfen. Dabei setzte sie vor allem auf folgende Elemente: Entdrehen, Entbiegen und Aufrichten. Dazu wendete Schroth eine spezielle Atemtechnik an, die Dreh-Winkel-Atmung.

 Morbus Bechterew – eine Autoimmunkrankheit

Der Rücken schmerzt, die Gelenke sind steif. Dahinter kann auch eine entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule stecken: "Morbus Bechterew", benannt nach dem russischen Neurologen Wladimir Michailowitsch Bechterew. Die Symptome treten oft schon in jungen Jahren auf, aber erkannt wird die tückisch fortschreitende Krankheit durchschnittlich erst nach fünf Jahren. Es drohen die Versteifung und dauerhafte Bewegungseinschränkungen.

"Morbus Bechterew", medizinisch ankylosierende Spondyloarthritis, ist eine Autoimmunkrankheit und gehört zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Dabei richten sich Abwehrzellen des Körpers gegen eigenes Gewebe. Sehnen und Knochenhaut entzünden sich und schmerzen. Schließlich versteifen die Wirbel durch knöcherne Auswüchse. Im Becken beginnend schreitet die Versteifung unbehandelt immer weiter nach oben fort. Mit der Zeit versteift die gesamte Wirbelsäule. Betroffene beschreiben anfangs tiefsitzende Rücken- und Beckenschmerzen, die auch in Ruhe auftreten können. Dazu kommt eine zunehmende Steifigkeit, die sich zunächst bei Bewegung bessert.

Prof. Eugen Feist ist Chefarzt der Rheumatologie in der Helios Fachklinik Vogelsang-Gommern. Bildrechte: Helios Kliniken | Thomas Oberländer

Bewegungseinschränkung durch Entzündungen – bis zur Versteifung

Die Diagnose erfolgt über bildgebende Verfahren, wie MRT und Röntgen. Prof. Eugen Feist, Chefarzt der Rheumatologie in der Helios Fachklinik Vogelsang-Gommern, erkennt die entzündlichen Veränderungen an den Sehnenansätzen, Knochen und Weichteilen. Anfangs ist meist das Kreuz-Darmbeingelenk betroffen: Der Gelenkspalt kann deutlich vermindert oder nicht mehr vorhanden sein. Statt klarer Kanten kommt es zu knöchernen Anbauten an den Gelenken. Diese entzündlichen Veränderungen verursachen die starken Schmerzen, eine Bewegungseinschränkung und Fehlstellung der Wirbelsäule.

Therapie: Moderne Medikamente gegen den "Buckel"

Die Bewegungseinschränkung und Fehlstellung der Wirbelsäule bei ankylosierender Spondyloarthritis kann heutzutage durch eine gezielte Therapie verhindert werden. Ein großer Durchbruch, so Prof. Feist, ist durch moderne Biologika erreicht worden, die sogar eine Verknöcherung aufhalten können. Dabei kommen TNF- und Interleukin 17-Blocker zum Einsatz, die Entzündungsauslöser gezielt blockieren. Seit Januar 2021 ist auch ein Medikament in Tablettenform für die ankylosierende Spondyloarthritis zugelassen. Dieser Januskinase-Blocker wirkt ebenfalls gut und sicher gegen die Beschwerden und blockiert in den Zellen die Signale verschiedener entzündlicher Botenstoffe.

Übungen für zu Hause (von Dr. Christina Lemhöfer)

Dr. Christina Lemhöfer, Fachärztin f. Physikalische und Rehabilitative Medizin an der Uniklinik Jena, empfiehlt Übungen zur Dehnung und Mobilisation mit Kräftigung zu verbinden.

  • Mobilisation und Dehnung des gesamten Rückens (Hilfsmittel: Seil oder Theraband)

Das Seil wird links und rechts straff gegriffen und mit gestreckten Armen über den Kopf geführt. Von hier erfolgt eine Seitneige mit bewusster Anspannung des Schultergürtels und Dehnung der Flanke. Danach Rückführung nach vorne und Beugung der Arme im Ellenbogen. Hierbei bewusstes zusammenziehen der Schulterblätter.

  • Dehnung und Kräftigung (Hilfsmittel: Fensterbrett/Tisch/Liege)

Die Unterarme werden auf dem Fensterbrett/dem Tisch abgelegt. Die Beine sind leicht gebeugt, der Rücken gerade . Der Kopf wird nun durch die gestreckten Arme zum Kinn geführt, sodass eine Dehnung der Brustmuskulatur zu spüren ist. Nach kurzem Halten in dieser Position wird der Kopf wieder leicht angehoben, sodass er in Verlängerung der Halswirbelsäule ist. Nach einander werden nun die Arme gestreckt leicht von der Auflage abgehoben. Dabei sollte auf eine direkte Spannung zwischen den Schulterblättern geachtet werden.

  • Aufrichten der Wirbelsäule

Übung 1: Stellen Sie sich auf ein Bein und pendeln Sie das andere locker vor und zurück. Kontrollieren Sie dabei im Spiegel, dass Ihr Becken stabil bleibt.
Übung 2: Bleiben Sie auf einem Bein stehen, beugen Sie das Knie des anderen Beins und drehen Sie es zur Seite und zurück. Auch hier soll das Becken gerade bleiben.
Übung 3: Lassen Sie das angehobene Bein nach außen und innen pendeln. Die kleinen Beckenmuskeln müssen hier viel arbeiten, damit das Becken gerade bleibt.
Wiederholen Sie jede Übung zehn Mal und wechseln Sie anschließend die Seite.

Quelle: MDR Hauptsache Gesund

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Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 04. November 2021 | 21:00 Uhr