Psoriasisarthritis Wenn die Schuppenflechte Gelenke angreift

Wird von der Schuppenflechte gesprochen, denken viele erst einmal an ein Hautleiden. Doch die Erkrankung kann bei vielen Betroffenen auch auf die Gelenke übergreifen. Die Behandlungschancen haben sich dank moderner Medikamente inzwischen deutlich verbessert.

Ein Mann mit Schuppenflechte oder Psoriasis richtet Blumen auf einem Balkon,
Schuppenflechte zeigt sich durch schuppige und gerötete Hautpartien. Bildrechte: dpa

Zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schuppenflechte

Alle vier Wochen stecken wir in einer anderen Haut. So lange braucht nämlich die Haut eines gesunden Menschen, um sich komplett zu erneuern. In der Basalzellschicht der Oberhaut werden ständig neue Zellen produziert, die dann verhornen und nach außen wandern. Dort ersetzen sie die abgestorbenen Zellen.

Bei Menschen, die an Schuppenflechte – medizinisch Psoriasis – leiden, ist dieser natürliche Ablauf gestört. Ein entzündlicher Prozess bewirkt, dass sich die Hautzellen viel häufiger teilen. Die Haut kommt mit dem Abschuppen nicht nach. So entstehen die typischen schuppigen und geröteten Hautpartien. Oft verläuft die Krankheit in Schüben. Psoriasis ist entgegen immer noch bestehender Vorurteile nicht ansteckend. Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland leben mit der Erkrankung. Eine Heilung gibt es nicht – inzwischen aber sehr gute Möglichkeiten zur Behandlung.

Autoimmunerkrankung mit weiteren gesundheitlichen Nebenwirkungen

Doch Psoriasis ist keine reine Hauterkrankung. Zugrunde liegt eine Autoimmunreaktion, die auch andere Bereiche des Körpers in Mitleidenschaft ziehen kann. Manchmal sind die Augen betroffen, mitunter gibt es Harnröhrenentzündungen. Menschen mit Psoriasis leiden außerdem häufiger unter Erkrankungen der Blutgefäße und haben ein höheres Risiko für Diabetes oder Herzinfarkt. Und bei etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen gibt es auch Beschwerden am Bewegungssystem, vor allem an den Gelenken. Diese Form der Erkrankung wird Psoriasisarthritis genannt.  

Was geschieht bei Psoriasisarthritis?

Meist treten Schäden an den End- und Mittelgelenken der Hände und Füße auf. Mitunter ist aber ein Finger oder eine einzelne Zehe betroffen. Auch größere Gelenke können sich entzünden, etwa das Knie, ebenso die Wirbelsäule. Darüber hinaus werden oft auch benachbarte Weichteile angegriffen. Typisch sind Veränderungen an den Sehnenansätzen.

Viele Symptome zeigen zwar Ähnlichkeiten zur klassischen rheumatoiden Arthritis, doch die Psoriasisarthritis hat einige abweichende Merkmale. So sind mitunter nicht die jeweiligen Gelenke beider Körperhälften betroffen, sondern rechts und links unterschiedliche Regionen.

Im Blut sind bei einer Psoriasisarthritis auch keine Rheumafaktoren nachweisbar. Deshalb ist die Diagnose mitunter schwierig. Treten allerdings gleichzeitig die für Psoriasis typischen Hautveränderungen auf, kann daraus geschlossen werden, dass eine Psoriasisarthritis vorliegt.

Welche Medikamente helfen?

Sobald die Diagnose Psoriasisarthritis gestellt ist, sollte neben der Gabe entzündungshemmender Schmerzmittel wie etwa Naproxen, Ibuprofen oder Diclofenac eine Langzeitbehandlung eingeleitet werden. Diese wird mit aus der Rheumatherapie bekannten Mitteln durchgeführt: Sulfasalazin, Methotrexat, Leflunomid, Cyclosporin. Sie drängen die Entzündungen zurück und unterbinden eine weitere Schädigung der Gelenke.

Viele Patienten kommen mit dieser Langzeittherapie aber nicht aus oder leiden unter Nebenwirkungen. Dann können seit einiger Zeit sogenannte Biologika eingesetzt werden, die allerdings sehr teuer sind. Für Patienten, die auf andere Mittel nicht ansprechen, können diese Präparate aber die entscheidende Wende bringen.

Achtsamkeit beim Einsatz von "Biologika"

"Biologika" mag für viele nach einem sehr schonenden, nebenwirkungsarmen Ansatz klingen. Doch Prof. Christoph Baerwald, Rheumatologe am Uniklinikum Leipzig hebt hervor: "Man gibt da ja kein Zuckerwasser. Das sind hochwirksame Medikamente, die auch unerwünschte Effekte haben können." So steigt manchmal die Anfälligkeit für schwere Infektionen. Wer mit Biologika behandelt wird, muss besonders auf die Signale seines Körpers achten. Kündigt sich etwa ein fieberhafter Infekt an, sollte mit dem Gang zum Hausarzt nicht gezögert werden.

Entzündungen eindämmen durch "JAK-Hemmer"

Lässt sich auch mit den verschiedenen Biologika keine Besserung erreichen, steht noch eine weitere Klasse von Medikamenten zur Verfügung. Die Rede ist von den sogenannten Januskinase-Inhibitoren, kurz auch als "JAK-Hemmer" bezeichnet. "Biologika wirken außerhalb der Immunzellen. Mit ihnen fangen wir Stoffe weg, die zwischen den Zellen unterwegs sind. Mit den JAK-Hemmern gehen wir in die Zelle hinein", erklärt Prof. Christoph Baerwald. Die Medikamente blockieren Signalwege innerhalb der Zelle und regeln damit Entzündungsprozesse herunter.

Achtung! Entscheidend ist, mit der Therapie einer Psoriasisarthritis möglichst frühzeitig zu beginnen, um die Schädigung der Gelenke zu stoppen.

Was hilft noch – außer Medikamenten?

Auch mit der richtigen Ernährung können wir entzündlichen Prozessen in unserem Körper entgegensteuern. Meist empfohlen – weniger Fleisch, weniger Zucker, mehr Gemüse, mehr fetter Fisch. Vor allem die Omega-3-Fettsäuren aus bestimmten Fischarten haben den Ruf, entzündungshemmend zu wirken. Außerdem – gutes Öl! Kaltgepresstes Leinöl und Weizenkeimöl enthalten das wichtige Vitam. Auch Olivenöl wird empfohlen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 16. Juni 2022 | 21:00 Uhr

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