Potenziell gefährliches Virus Zytomegalie-Therapie soll ungeborene Kinder schützen

Zytomegalie-Viren sind weit verbreitet und an sich ungefährlich. In der Schwangerschaft können sie aber gefährlich für das ungeborene Kind werden. Was kann man nach einer Diagnose tun?

Eine Schwangere
Viele Krankenhäuser sind schlecht über eine mögliche Immuntherapie informiert, die verhindern soll, dass sich das Zytomegalievirus auf das Kind überträgt. Bildrechte: Colourbox.de

Mit seinen beiden Töchtern kommt David regelmäßig in das Café Heiter bis Wolkig beim Bürgerbahnhof in Plagwitz. Er hat nun sehr oft Kinderdienst, denn seine Frau ist zum dritten Mal schwanger, sie braucht Ruhe. Diese Schwangerschaft ist dazu besonders aufreibend.

David erzählt: "Wir haben einen Bluttest gemacht am Anfang der Schwangerschaft, der von der Hebamme empfohlen wurde. Dabei kam raus, dass sie akut infiziert ist mit einer Krankheit, die sich Zytomegalie nennt und nicht dagegen immun ist. Und dann war die einzige Aussage, die wir gekriegt haben: Auf keinen Fall googeln und wir warten mal ab. Und das ist dann natürlich nicht passiert, sondern ich hab's dann halt gegooglet."

Virus kann schwere Behinderungen verursachen

Das Ergebnis seiner Recherche: Zytomegalo-Viren seien eine der häufigsten Ursachen für schwere Behinderungen bei Kindern. Es gebe keine Behandlung. Das einzige, was man tun könne, sei zu beobachten und gegebenenfalls sogar abzutreiben. Damit gab sich David nicht zufrieden.

Und so stieß er bei seinen Recherchen irgendwann auf eine Klinik in Tübingen, in der es die Möglichkeit einer Antikörpertherapie geben soll. Klaus Hamprecht, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemologie, evaluiert mit Kollegen seit sieben Jahren eine Immuntherapie, die verhindern soll, dass das Virus auf das Kind übertragen wird.

Vor allem in der frühen Phase gefährlich

Klaus Hamprecht erklärt, dass die Immuntherapie nur bei einem Teil der Mütter durchgeführt werde. Und zwar bei denen, die sich in einer ganz frühen Phase der Schwangerschaft infizieren. Das sei aber auch die wichtigste Gruppe. Denn wenn eine Frau diese Primärinfektion im zweiten oder dritten Drittel der Schwangerschaft erwerbe, dann habe man für das Neugeborene nicht mit diesen schweren Schädigungen zu rechnen.

Die Studien zeigten: Die Behandlungserfolge der Therapie sind enorm hoch. Nach medizinischen Standards müsste die Therapie jedoch mit einer Vergleichsgruppe getestet werden, damit sie auch zugelassen werden kann. Das jedoch lehnt Klaus Hamprecht ab. Denn zu riskieren, dass Kinder behindert geboren werden, weil die Mütter nur Kochsalzlösung anstatt eine Antikörpertherapie erhalten, sei für ihn moralisch nicht vertretbar.

Handlungsempfehlungen für Schwangere

Ein Test sollte am Anfang der Schwangerschaft trotzdem auch jetzt schon gemacht werden. Das empfehlen unter anderem die Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie und auch Klaus Hamprecht. Denn es gäbe Handlungsempfehlungen, die man beachten könne. Als Schwangere sollte man zum Beispiel den Kontakt mit Kleinkindern, deren Urin und Speichel vermeiden und oft Hände waschen.

Schwangere Frau sitzt an einen Baum gelehnt im park und streichelt ihren Bauch.
Handlungsempfehlungen für Schwangere: Kontakt mit Kleinkindern, deren Fäkalien und Speichel vermeiden und oft Hände waschen. Bildrechte: imago/imagebroker

Auch beim Geschlechtsverkehr sei eine Übertagung der Viren möglich. Bei einem positiven Testergebnis gäbe es Anlaufstellen, sagt Klaus Hamprecht, die auch zur Antikörpertherapie beraten. Informationen könne man auch über das Robert Koch-Institut, das Konsiliarlabor und die Gesellschaft für Pränatalmedizin gewinnen und dort Beratung bekommen. Es werde auf Zentren hingewiesen, die in der Nähe der Schwangeren seien, wo man Therapien durchführen könne.

Schlecht informierte Krankenhäuser

Nach Beratung ist David mit seiner Frau zu solch einem Zentrum nach Dresden gefahren. Der Test wurde wiederholt und war zum Glück negativ. Er sei allerdings schockiert gewesen, dass ihm bei Telefonaten mit Krankenhäusern im Umkreis entweder gesagt wurde, die Diagnose sei gar nicht bekannt oder man könne nur beobachten.

"Da können Sie die Schwangerschaft halt abbrechen oder Sie riskieren es", sei ihm gesagt worden. "Das war schon echt schlimm...", erinnert sich der werdende Vater.

David würde sich wünschen, dass anderen diese Odyssee erspart bleibt und zumindest eine fundierte Beratung zu Zytomegalo-Viren in die Vorsorgeuntersuchungen Einzug hält.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. August 2020 | 05:00 Uhr

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