Lebensbedrohliche Erkrankung Müde und schlapp durch Lungenhochdruck

Wird Lungenhochdruck diagnostiziert, bleiben Patienten oft nur noch wenige Jahre zum Leben. Welche Symptome deuten auf die Krankheit hin? Wann sollte man zum Arzt?

Atemnot und Schmerzen in der Brust – kommt ein Patient damit in die Praxis, denken viele Ärzte heutzutage zuerst an eine Corona-Erkrankung. Doch sollten Ärzte bei der Diagnostik auch den Lungenhochdruck mit im Blick haben. Das Syndrom ist wenig bekannt, doch leidet daran immerhin ein Prozent der Weltbevölkerung.

Blutdruck im Lungenkreislauf chronisch erhöht

Pulmonale Hypertonie, oder auch Hochdruck in der Lunge, ist der Überbegriff für diverse Krankheitsbilder, bei denen der Blutdruck im Lungenkreislauf chronisch erhöht ist.

Bei vielen Patienten entsteht der erhöhte Druck durch eine Embolie. Davon ist die Rede, wenn sich aus Blutkörperchen und Eiweißen ein Klumpen gebildet hat – ein Thrombus. Wird er vom Blutstrom mitgerissen und bleibt in einer Lungenarterie stecken, muss das Herz stärker pumpen, um das Blut bis in die letzten Ecken der Lunge zu bekommen. Die Lungengefäße werden indes dicker, die Blutgefäße enger und erhöhen den Widerstand weiter.

Krankheit meist erst im Spätstadium erkannt

Anfangs verläuft die Krankheit praktisch beschwerdefrei. Da die Sauerstoffversorgung des Körpers jedoch zunehmend vermindert ist, ist die körperliche Belastbarkeit von Betroffenen im Verlauf immer stärker eingeschränkt.

Im fortgeschrittenen Stadium kann Lungenhochdruck lebensbedrohlich sein; ein Herzversagen droht. Tatsächlich ist die Prognose häufig ungünstig: "Die Patienten leben statistisch gesehen nach der Diagnosestellung 3,8 Jahre", sagt Dr. Eva Lücke, Fachärztin für Pneumologie. "Deswegen ist es immens wichtig, für diese Erkrankung zu sensibilisieren, damit sie so früh wie möglich entdeckt wird."

Sekundärer Lungenhochdruck Von sekundärem Lungenhochdruck spricht man, wenn das Problem als Folgeerkrankung auftritt. Das ist häufig im Rahmen rheumatischer Krankheitsbilder der Fall, kann aber auch in Folge von Lebererkrankungen (wie einer Fibrose), HIV-Infektionen oder von Bilharziose, einer bestimmten Wurmkrankheit, auftreten. Bei der Mehrheit der Betroffenen ist das linke Herz erkrankt.

Ärztin erklärt Symptome und Therapiemöglichkeiten

Die Uniklinik Magdeburg betreibt eines von fünf Lungenhochdruck-Zentren in Mitteldeutschland. Wir haben mit Oberärztin Eva Lücke über erste Krankheitszeichen, Diagnosestellung und Therapieoptionen gesprochen.

Lungenhochdruck wird meist erst dann festgestellt, wenn er bereits weit fortgeschritten ist. Auf welche Symptome sollte man achten?

Eva Lücke: Im Frühstadium verursacht der Lungenhochdruck oft unspezifische Symptome, wie Leistungsschwäche oder eine rasche Ermüdbarkeit. Im weiteren Verlauf kann es dann zu Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Schwindel, Blauverfärbung der Haut und Lippen und Wassereinlagerungen im Gewebe, insbesondere in den Beinen, kommen.

In welchen Fällen sollte man sein Herz untersuchen lassen, und in welchen Abständen?

Eva Lücke: Wird vom behandelnden Arzt ein Lungenhochdruck vermutet, so wird er eine ausführliche Befragung und körperliche Untersuchung durchführen. Mit Hilfe eines Ultraschalls des Herzens kann der Arzt die Funktion des rechten Herzens beurteilen und den Druck im kleinen Lungenkreislauf abschätzen. Weitere Untersuchungen, wie z.B. ein EKG, eine Lungenfunktion, die Messung des Sauerstoff- und Kohlendioxidgehaltes im Blut und ein CT vom Brustkorb können ebenso notwendig werden. Erst ein Rechtsherzkatheter sichert die Diagnose. Ob und in welchen Abständen ein Herzultraschall durchgeführt werden sollte, entscheidet der behandelnde Arzt.

Eva Lücke
Eva Lücke ist Oberärztin an der Universitätsklinik für Pneumologie in Magdeburg. Bildrechte: Universitätsklinik für Pneumologie, Magdeburg

Unerkannt und unbehandelt ist Lungenhochdruck lebensgefährlich. Welches Spektrum an Therapieoptionen steht zur Verfügung, um das Schlimmste abzumildern?

Eva Lücke: Es gibt verschiedene Formen und Ursachen des Lungenhochdruckes. Ist z.B. eine Lungenerkrankung wie die Lungenfibrose ursächlich für den erhöhten Druck, so sollte diese behandelt werden. Liegt dem Lungenhochdruck eine Herzklappenerkrankung zu Grunde, so sollte diese behandelt werden. Für ein paar Formen gibt es spezifische Medikamente. Diese können als Tablette eingenommen oder aber auch inhaliert werden. Manchmal muss man die Medikamente auch kontinuierlich direkt in die Blutgefäße verabreicht bekommen. Bei ausgeprägtem Sauerstoffmangel kann darüber hinaus eine Langzeitsauerstofftherapie verordnet werden. Bei Wassereinlagerungen in den Beinen helfen Medikamente, welche die Flüssigkeitsausscheidung fördern.

Je eher Lungenhochdruck erkannt wird, desto besser. An welchen Arzt wendet man sich mit einem Verdacht am besten?

Eva Lücke: Der primäre Ansprechpartner ist der Hausarzt. Dieser kennt den Patienten am besten und kann die vorliegenden Beschwerden zuordnen und einschätzen, ob Folgeuntersuchungen notwendig sind. Sollte sich der Verdacht auf einen Lungenhochdruck erhärten, erfolgt zunächst der Herzultraschall bei einem Kardiologen. Mit diesem Ergebnis sollte man sich dann in einem Zentrum für Lungenhochdruck vorstellen. Hier arbeiten verschiedene Spezialisten, darunter Kardiologen, Pneumologen und Radiologen, zusammen.

Quelle: MDR Hauptsache Gesund

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 07. Oktober 2021 | 21:00 Uhr

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