Badeunfälle Kann man Schwimmen verlernen?

Sind 2021 mehr Badeunfälle zu erwarten, weil Schwimmern durch lange geschlossene Schwimmhallen die Übung fehlt? Wir haben die Wasserwacht Halle befragt und auch erfahren, wie Rettungsschwimmer sich fit gehalten haben.

Ein Junge badet im Baggersee.
Fehlende Schwimmpraxis ist gerade für Schwimmanfänger gefährlich. Bildrechte: imago/epd

Rund 400 Badetote gibt es jedes Jahr in Deutschland. Nachdem die Schwimmbäder wegen der Corona-Pandemie über ein halbes Jahr geschlossen waren, könnte es dieses Jahr besonders gefährlich für ungeübte Schwimmer werden. Eine berechtigte Frage ist: Kann man das Schwimmen wieder verlernen?

"Das kann tatsächlich passieren", gibt Heiko Schwiegk von der Wasserwacht Halle zu bedenken. Er ist als Rettungsschwimmer und -taucher in Freibädern und den Seen rund um Halle im Einsatz.  "Wir Erwachsenen vielleicht nicht, wir kommen höchstens ein bisschen aus der Übung. Aber gerade was die Kinder anbelangt, die kurz vor Corona einen Schwimmkurs beendet haben, wenn die nicht hinterher gleich weiter schwimmen, ist alles weg. Dann kann man wieder von vorn anfangen."

Badeunfälle oft durch Überschätzung

Auf die kommenden Sommerferien blicken die Rettungsschwimmer der Wasserwacht daher mit Sorgen, da auch fast ein ganzes Schuljahr lang der Schwimmunterricht ausgefallen ist. Doch nicht nur Kinder sind gefährdet. Auch Ältere, die lange nicht mehr im Wasser waren, könnten Probleme bekommen.

"Ich habe es erst letztens wieder im Freibad gesehen, wo ich arbeite. Meine Stammgäste haben gesagt: endlich wieder schwimmen. Aber schon nach ein paar Metern tun die Arme weh und sie müssen kürzer treten", erzählt Heiko Schwiegk. Ohnehin sind viele Badeunfälle auf Überschätzung zurückzuführen. Hinzu kommen häufig medizinische Gründe wie Herzprobleme, Krämpfe oder Asthma.

Nie ohne Schwimmhilfe helfen

Gerät ein Schwimmer in Not, können Laien helfen, sollten aber nie den Eigenschutz außer Acht lassen. Die erste Maßnahme sollte immer sein, einen Notruf abzusetzen. "Für jemanden, der nicht als Rettungsschwimmer ausgebildet ist, dem rate ich davon ab, ins Wasser zu springen und dorthin zu schwimmen. Der bringt sich nur selber in Gefahr und dann müssen wir zwei Leute retten“, warnt Heiko Schwiegk.

In Panik geratene Schwimmer könnten sich an ihre Retter klammern und sie mit in die Tiefe ziehen. Ist kein Rettungsschwimmer in der Nähe, können Schwimmhilfen, Surfbretter oder ein Rettungsring helfen, damit sich der hilfesuchende Schwimmer daran klammern und über Wasser halten kann.

Auch Rettungsschwimmer müssen üben

Selbst die Profis der Wasserwacht Halle müssen die Rettungshandgriffe regelmäßig üben. Auch das war während der Corona-Pandemie schwierig. Denn auch für sie waren die Schwimmhallen geschlossen. Die Retter mussten sich mit Radfahren und Joggen fit halten.

Mit der Freiluftsaison können auch sie jetzt wieder trainieren, zum Beispiel am Hufeisensee in Halle. Hier baut die Wasserwacht mit Unterstützung der Stadt Halle und des Landes Sachsen-Anhalt ein neues Ausbildungszentrum.

Neue Wasserrettungsstation am Hufeisensee

Der Unterwasserparcour der neuen Rettungsstation am Hufeisensee ist schon fertig. Auf Plattformen in unterschiedlichen Wassertiefen proben die Retter, wie man Personen findet und wie man sie rettet.

"Die meisten Menschen ertrinken im freien Gewässer. Das heißt, wenn wir sie retten wollen, müssen wir trainieren, wie Rettungsschwimmer, Taucher und Bootsführer zusammenwirken können. Und dafür haben wir hier unter Wasser eine ganze Infrastruktur aufgebaut, mehrere Plattformen, Hindernisparcours und ähnliches", erklärt Dr. Sven Thomas, der Leiter des DRK Wasserrettungsdienstes Halle.

Wasserroboter
Der Rettungsroboter wurde gemeinsam von der Wasserwacht Halle mit dem Fraunhofer Institut entwickelt. Bildrechte: Wasserwacht Halle

Beim Training kam auch schon ein spezieller Rettungsroboter zum Einsatz. Der sieht aus wie eine Hightech-Liege und kann selbstständig Personen greifen. "Den hat die Wasserwacht Halle zusammen mit dem Fraunhofer Institut entwickelt. Für diese Weltneuheit haben wir hier im See geprobt", so Dr. Thomas. Im nächsten Jahr soll die Rettungsstation fertig gebaut sein und über Sachsen-Anhalt hinaus eine moderne Ausbildung von Rettungstauchern ermöglichen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund extra | 08. Juli 2021 | 21:00 Uhr

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