Husten, Schnupfen und Co. Sommergrippe: Was sie ausmacht und was dagegen hilft

Mitten im Sommer und dann das: Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Die "Sommergrippe" hat uns erwischt. Doch was ist das eigentlich ganz genau - eine Grippe, eine Erkältung, beides? Und wie kann man vorbeugen, damit man sie sich gar nicht erst einfängt? Hat sie trotzdem zugeschlagen, wie wird man sie dann schnell wieder los wird? Das alles klären wir mit unserem Gesundheitsexperten Dr. Thomas Dietz.

Was ist eine Grippe?

Die Grippe (Influenza) hat ganz typische Symptome: akute Gliederschmerzen, Hustenreiz, Fieber, Kopfschmerzen und starkes Krankheitsgefühl innerhalb von Minuten. Die Grippe dauert länger als Erkältungen oder andere Virusinfekte, etwa 3-6 Wochen. An den Folgen laboriert man sogar noch bis zu einem halben Jahr. Dauerhafte Folgen am Herzen und in den Atemwegen sind bei einer ausgeprägten Grippe häufig und können zu chronischem Kranksein führen.

Wann spricht man von einer Sommergrippe?

Bissen Wissen: Erkältung
Im Sommer sind andere Erreger am Werk als im Winter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die sogenannte Sommergrippe ist keine echte Grippe, sondern "nur" ein grippaler Infekt, eine handfeste Erkältung. Die Symptome, wie Husten und Schnupfen, werden nicht von speziellen Grippeviren verursacht, sondern von herkömmlichen Erkältungsviren. Grundsätzlich sind im Sommer andere Erreger unterwegs als im Winter. Und die Sommerviren bringen oft zusätzlich noch eine Magen-Darm- Infektion mit.

Welche Faktoren begünstigen eine Erkältung im Sommer?

Zugluft bei geöffneten Fenstern sowie zu kalt eingestellte Klimaanlagen sind ungünstige Faktoren. Ventilatoren und Klimaanlagen im Haus sind zwar angenehm bei heißen Außentemperaturen, können aber die Schleimhäute austrocknen und das Immunsystem schwächen. So werden die Schleimhäute abgekühlt, die Durchblutung wird verringert und Krankheitserreger haben ein leichtes Spiel. Sie setzen sich auf den ausgetrockneten Schleimhäuten fest und vermehren sich.

Wie zeigt sich eine Erkältung?

Eine Erkältung (Ärzte sprechen dabei oft von einem grippalen Infekt) beginnt langsam mit Kribbeln in der Nase, Niesen, wässrigem Schnupfen, der später fest und gelbgrün werden kann. Hinzukommen Halsschmerzen, Heiserkeit, trockener Husten, später mit Auswurf. Die Temperatur liegt unter 38°C, nach 5-7 Tagen kann sich daraus eine Bronchitis, Nebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung entwickeln.

Ein benutztes Taschentuch
Verstopfte Nase und Kratzen im Hals sind typische Begleiterscheinungen einer Erkältung. Bildrechte: imago images/photothek

Bekommen wir häufiger im Winter einen Schnupfen?

Ja, aber es liegt auch daran, dass zu dieser Jahreszeit mehr Mikroben in der Luft sind, weniger Licht zur Verfügung steht und der Körper angestrengter arbeiten muss, wegen der Temperaturunterschiede von drinnen und draußen. Hinzukommt die trockene Heizungsluft.
Auch halten wir uns öfter mit anderen Menschen in enger räumlicher Nähe in geschlossenen Räumen auf. Dabei können die Viren schneller wandern.
Besonders wichtig ist es jetzt, sich vor Ansteckung zu schützen. Dazu zählt auch häufiges Händewaschen.

Wie kann man vorbeugen?

Die Silhouetten von joggenden Personen sind vor einer nebeligen Landschaft zu sehen.
Joggen und Radfahren aktivieren unsere Abwehrkräfte. Bildrechte: dpa

  • auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse achten, damit dem Körper alle lebensnotwendigen Vitamine und Mineralstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung stehen
  • ausreichend trinken: besonders geeignet sind Teesorten wie Ingwer-, Holunder- oder Lindenblütentee, die das Immunsystem anregen
  • warm-kalte Wechselduschen beleben und aktivieren das Immunsystem – aber nur, wenn man noch nicht erkältet ist
  • den Temperaturen angemessene Kleidung tragen
  • sich viel an der frischen Luft bewegen
  • Sport steigert die Immunabwehr
  • ausreichend schlafen
  • Stress, trockene Heizungsluft und Durchzug vermeiden und immer gut lüften.

Was tun, wenn es einen doch erwischt hat?

  • viel trinken, um Schleim zu lösen, z.B. Kräutertees mit Thymian oder Salbei und zum Süßen Honig verwenden
  • Inhalation mit heißem Wasserdampf fördert die Durchblutung der Schleimhäute, auch ein heißes Bad mit ätherischen Ölen trägt zur Entspannung bei und befreit die Atemwege
  • um trockene Heizungsluft zu vermeiden, die die Schleimhäute austrocknet, eine Schale mit Wasser und einem Tropfen ätherischem Öl auf die Heizkörper stellen
  • Spaziergänge an der frischen Luft (nicht bei Fieber)
  • lauwarme Wadenwickel helfen gegen das Fieber
  • Stress vermeiden, damit der Körper Kraft hat, gegen die Viren zu kämpfen
  • Brustwickel, z.B. aus heißen, gestampften Kartoffeln, lindern den Husten
  • hilft auch bei Husten: eine Zwiebel in Würfel schneiden, mit Kandiszucker bei schwacher Hitze aufkochen, eine Weile stehen lassen, den Sud durch ein Tuch oder einen Kaffeefilter sieben und dann löffelweise einnehmen
  • Hühnersuppe stärkt die körpereigene Abwehr

Warum hilft Hühnersuppe so gut gegen Erkältung?

Hühnersuppe blockiert im Organismus bestimmte weiße Blutkörperchen, so genannte Neutrophile, die für Entzündungsprozesse mitverantwortlich sind und bei Virusinfektionen, so auch bei grippalen Infekten, in großen Mengen freigesetzt werden.  Das brachten Studien an der Universität von Nebraska zutage.

Und auch das ist belegt: In Hühnersuppe steckt der Eiweißstoff Cystein. Und der wirkt entzündungshemmend und abschwellend auf die Schleimhäute. Zusätzlich enthält Hühnersuppe beträchtliche Mengen des Mineralstoffs Zink, das gebunden ist an den Eiweißbaustein Histidin. Durch diese Kombination soll das bei Infekten hilfreiche Zink besonders gut aufnehmbar sein.

Hühnersuppe
Schon die Großmutter wusste, dass eine frische gekochte Hühnersuppe bei Erkältung gut tut. Bildrechte: Colourbox.de

Rezept für eine Hühnersuppe mit Reis für 6 Personen

  • 1 Suppenhuhn
  • 1 Zwiebel
  • 1 Bund Suppengrün
  • 2 EL Petersilie
  • 2 Tassen Reis
  • 3 TL Instant-Gemüsebrühe
  • Salz und Pfeffer
  • 3 l Wasser

Das Wasser in einen großen Suppentopf geben und mit etwas Salz zum Kochen bringen. Das Huhn ohne Innereien in den Topf geben und etwas Pfeffer hinzufügen. Es sollte etwa 1 ½ Stunden bei geringer Hitze köcheln. In der Zwischenzeit das Suppengrün waschen, die Zwiebel putzen und alles klein schneiden.
Das Huhn herausnehmen und beiseitestellen. Das geschnittene Gemüse und den Reis in den Topf geben und mit Gemüsebrühe abschmecken. Nach etwa 20 Minuten sind Reis und Gemüse gar.
Inzwischen das Hühnerfleisch von Knochen und Haut befreien und die mundgerechte Stücke in die Suppe geben. Diese kurz kochen lassen. Vor dem Servieren mit etwas Petersilie bestreuen.
Wer die entzündungshemmende Wirkung der Hühnersuppe noch steigern will, kann je nach Geschmack ein Stück Ingwerwurzel oder etwas Chili mitkochen.

Oder ist es doch eine Allergie?

Erkältung, grippaler Infekt oder Allergie – wie soll man das nur unterscheiden, wenn die Symptome Husten und Schnupfen sind?

Diese Fragen können dabei helfen:

  • Leiden Sie an geröteten Augen, jucken und tränen sie?
  • Müssen Sie häufig niesen?
  • Werden die Beschwerden stärker, wenn Sie nach draußen gehen?
  • Ist Ihr Nasensekret klar und flüssig?
  • Hatten die Eltern eine Allergie?


Lauten die meisten Antworten "Ja", dann handelt es sich wahrscheinlich um eine Allergie – dies kann bei einem Allergologen oder bei einem HNO-Arzt abgeklärt werden. 

Gute Besserung!

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 30. Juni 2022 | 17:00 Uhr

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