Ortsunabhängige Arztkonsultation Telemedizin am Beispiel Hautarzt

Durch die Corona-Pandemie wird immer mehr digital erledigt. Auch die Telemedizin hat einen großen Schub bekommen. Was unterscheidet die digitale Sprechstunde vom analogen Arztbesuch? Wir erklären es am Beispiel Dermatologie.

Während des Corona-Lockdowns lernten viele Patientinnen und Patienten eine neue Kommunikationsform mit ihrem Arzt zu schätzen: die Telemedizin. Und viele überlegen, zumindest bei Routinefragen auch weiterhin den digitalen Arztbesuch beizubehalten, zumindest bei weniger gravierenden Symptomen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Online-Termine gibt es meist schneller als Termine in der Praxis. Gerade auf dem Land entfallen weite Wege. Langes Warten in der Praxis? Fehlanzeige. Online-Sprechstunden werden somit immer beliebter, nicht nur bei Haus-, sondern auch bei Fachärzten.

So funktioniert die Konsultation bei der Hautärztin

Die Leipziger Hautärztin Dr. Marion Krakor bietet schon seit einiger Zeit zusätzlich zu ihrer Sprechstunde in der Praxis auch Ferndiagnosen via Telemedizin an. Dafür hat sie sich einem Netzwerk des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) angeschlossen, über welches sie Anfragen nicht nur aus Leipzig, sondern aus ganz Deutschland bekommt. Patientinnen und Patienten können mittlerweile unter verschiedenen Angeboten auswählen. Krankenkassen werben mit Online-Sprechstunden, welche zu Hause am Computer, aber auch unterwegs via APP durchgeführt werden können. Allerdings sind viele dieser Angebote momentan noch in der Testphase.

Dr. Marion Krakor
Dr. Marion Krakor nutzt die Vorzüge der Telemedizin, für sich und ihre Patienten und Patientinnen. Bildrechte: Marion Krakor

OnlineDocor: Internetportal des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen

Dr. Krakor nutzt nicht den Service einer Krankenkasse, sondern das Internetportal des BVDD, den "OnlineDoctor". Und so funktioniert er für die Patienten: Zunächst meldet man sich an, dann hat man die Möglichkeit, einen Arzt auszuwählen. Anschließend lädt man ein oder mehrere Fotos der betroffenen Hautstelle auf die Webseite. Das geht sowohl am Computer, als auch über eine APP. Die Anamnese wird dann direkt auf der gewählten Plattform vorgenommen, der Patient erhält einen digitalen Arztbrief mit einer Beurteilung und einer Handlungsempfehlung.

Kostenübernahme nur von zwei gesetzlichen Krankenkassen

Die Vorteile für die Patienten: Die Arztwahl ist ortsunabhängig, die Diagnose kommt innerhalb von maximal 48 Stunden, und zwar auch an Sonn- und Feiertagen. Das jedenfalls versichert der Anbieter. Allerdings, und hier liegt das große Manko dieses Anbieters, übernehmen bisher nur zwei gesetzliche Krankenkassen die Kosten für die Online-Konsultation. Knapp 40 Euro verlangt der OnlineDoctor von Selbstzahlern.

Falls eine eindeutige Fern-Diagnose nicht möglich ist, erhält der Patient die Aufforderung, eine Praxis aufzusuchen. Auch ein Rezept muss er sich persönlich in einer Praxis abholen, die Ausstellung eines sogenannten E-Rezeptes ist bislang noch nicht möglich.

Stichwort E-Rezept

Schon jetzt werben viele Krankenkassen mit Apps, die ein Papierrezept überflüssig machen. Mit dem Handy zur Apotheke, per Code in der Online-Apotheke: Klingt gut, hat sich aber noch nicht durchgesetzt. Die Krankenkassen führen bundesweit Pilotprojekte durch, allerdings sind nur wenige Ärzte und Apotheken angeschlossen.

Ab dem 1. Januar 2022 soll das E-Rezept dann in ganz Deutschland verpflichtend eingeführt werden. Das Bundesgesundheitsministerium sammelt zur Zeit Erfahrungen in Berlin und Brandenburg. Erste Ergebnisse dieser Versuche soll es im Herbst geben.

Synchrone und asynchrone Telemedizin Synchrone und asynchrone Telemedizin
Als synchron bezeichnet man Videokonferenzen, Livechats und die Telefonsprechstunde. Die Vorteile: es besteht direkte Kommunikation, Nachfragen sind möglich, die Möglichkeit persönlicher Beratung besteht.

Asynchrone Telemedizin funktioniert über Email-Kontakt, also indirekt. Die Vorteile: es ist keine Terminvereinbarung notwendig, es wird gezielt nach einer Diagnose für ein Problem gesucht.

Vorzüge und Grenzen der Tele-Dermatologie

Die Plattform garantiert Datenschutz und Rechtssicherheit. Das häufigste Problem bei der Diagnose seien unscharfe Fotos, sagt Dr. Krakor. Wenn sie auf Grund mangelhafter Aufnahmen oder aber bei Verdacht auf gravierendere Probleme unsicher sei, empfehle sie den Patienten den Besuch bei einem niedergelassenen Arzt.

Die Ferndiagnose, ob synchron z.B. per Video oder asynchron via Email, wird zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil der medizinischen Behandlung, daran besteht für sie kein Zweifel. Frau Dr. Krakor glaubt allerdings nicht, dass der Arztbesuch in Zukunft ganz und gar überflüssig sein wird. Denn Krankheiten seien auch ganzheitlich zu betrachten, so die Dermatologin. Für eine holistische Diagnose sei es wichtig, dass der Arzt den Patienten, seine Lebensumstände und die Krankengeschichte kennt.

Frau Dr. Krakor weist außerdem auf ein weiteres Problem der asynchronen Telemedizin hin: Die behandelnden Ärzte können noch nicht kontrollieren, wie viele Konsultationen, Diagnosen und vor allem Medikamente die Patienten bei unterschiedlichen Anbietern erhalten. Die Telemedizin könnte auf diese Weise Wege zum Medikamentenmissbrauch öffnen.

Beispiele für Telemedizin 1. Telemonitoring, zum Beispiel bei Diabetespatienten: ein Sensor in der Haut überträgt Daten in eine APP, diese können mit dem Arzt geteilt werden.
2. Videosprechstunde: Online-Sprechstunden mit dem Arzt sind für alle Indikationen zugelassen, allerdings sind sie eine freiwillige Leistung der Ärzte.

Elektronische Patientenakte (ePA): Wie ist der Stand?

Der Start der elektronischen Patientenakte, kurz ePA, hat nach Recherchen des MDR bislang noch nicht den großen Umbruch für die Digitalisierung im Gesundheitswesen gebracht. Das könnte daran liegen, dass bis jetzt noch nicht alle niedergelassenen Ärzte flächendeckend mit der ePA arbeiten, erklärte ein Sprecher des vdek Sachsen-Anhalt gegenüber dem MDR.

Ein weiterer Grund könne Unsicherheit rund um den Datenschutz sein. Patientenbeauftragte verweisen auf den Chaos-Computerclub. Dessen Spezialisten sei es gelungen, die Patientendaten innerhalb von wenigen Minuten zu hacken. Fazit: die ePA kommt, aber sie kommt langsam.

Quelle: MDR Hauptsache Gesund

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 02. September 2021 | 21:00 Uhr

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