Stark und anfällig Gesundheitsvorsorge für Männer

Männer gehen nicht oder zumindest nicht gerne zum Arzt. Dabei ist der Mann doch ganz akribisch, wenn es um sein Auto geht. So sollte er auch mit dem eigenen Körper umgehen. Welche Krankheiten und Wehwehchen treffen Männer häufiger als Frauen, welche Beschwerden sind typisch für IHN? Und welche Vorsorgeuntersuchungen sollte ER machen lassen? Dr. Thomas Dietz gibt Antworten.

Männer sterben im Durchschnitt etwa fünf Jahre früher als Frauen. Warum?

Hinweisschilder zu Gesundheitsleistungen und Zusatzleistungen in einer Arztpraxis
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In vielen anderen Statistiken liegen Männer weit vorne: Beim Übergewicht (50% der erwachsenen Männer sind es, aber "nur" 33 Prozent der Frauen), bei Alkohol- und Tabakkonsum, bei Verzehr von Fleisch- und Wurstwaren (etwa doppelt so viel wie Frauen), bei den Arbeits- und Verkehrsunfällen. Deutlich zurück bleiben die Männer, wenn es um die Gesundheitsvorsorge geht: Sei es aus Angst, Scham oder Selbstüberschätzung, gerade einmal 20 Prozent nutzen das Angebot der gesetzlichen Krankenversicherung zur Vorsorge und Früherkennung.

Gesundheitsvorsorge für IHN: 

  • Gesundheitscheck- Up ab 35 Jahre: Der Arzt prüft ihn alle drei Jahre von Kopf bis Fuß auf Herz und Niere. Der Check- Up dient der Früherkennung von Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen sowie Diabetes.
  • Hautscreening ab 35 Jahre – alle zwei Jahre - zur Früherkennung von Hautkrebs: Der Hausarzt begutachtet die Haut von Kopf bis Fuß. Bei Verdacht auf bösartige Veränderungen entnimmt er zur genaueren Prüfung eine Gewebeprobe.
  • Früherkennung von Prostatakrebs ab 45 Jahre: Ein Urologe untersucht einmal jährlich die Prostata-, inspiziert das Genital und untersucht die Lymphdrüsen.
  • Früherkennung von Dickdarmkrebs ab 50-55 Jahre: Einmal jährlich Testung auf verborgenes Blut im Stuhl.
  • Früherkennung von Dickdarmkrebs ab 55 Jahre: Hier kann man wählen: Entweder macht der Spezialist für Magen- und Darmerkrankungen zwei Darmspiegelungen im Abstand von 10 Jahren oder er prüft den Stuhl alle zwei Jahre auf verborgenes Blut.
  • Zahnärztliche Vorsorge: 2x im Jahr untersucht der Zahnarzt die Zähne auf Karies, Parodontitis und schließt andere Erkrankungen im Mund- und Kieferbereich aus. 1x Jahr entfernt er kostenlos Zahnstein.
  • ab 65 Jahren: einmaliger Anspruch auf eine Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Aneurysmen der Bauchschlagader

Männer haben, genauso wie Frauen auch, mit geschlechtsspezifischen Krankheiten zu kämpfen. Dazu zählen unter anderem Erkrankungen der Prostata, Erektionsstörungen oder Hodenentzündungen.

Erkrankungen der Prostata, betreffen häufig Männer, die älter als 50 Jahre alt sind. Für sie ist eine regelmäßige Vorsorge besonders wichtig!

Bei der Lebenserwartung haben die Männer in den letzten 6 Jahren leicht gegenüber den Frauen aufgeholt, um beinahe 2 Jahre. Dieser Trend würde sich sicherlich fortsetzen, wenn die "Herren der Schöpfung" das Vorsorge-Angebot auch als wirkliches Angebot wahrnehmen könnten – und nicht als beängstigenden Eingriff und Angriff, dem "man" besser aus dem Weg gehen sollte. Also, Männer, geht zur Vorsorge!

Und der Bauchumfang?

Illustration - Übergewichtiger Mann schaut in den Spiegel und stellt sich als muskulösen Mann
Bildrechte: imago/Ikon Images

Übergewicht kann gefährlich werden und das hängt von der Verteilung des Körperfetts ab. Bauchfett ist dabei gefährlicher als Hüftspeck. Wer wissen will, ob und in welchem Maße er zu viel Fett angesetzt hat, der kann Größe und Bauchumfang messen: Mehr als 102 cm sollten es beim Bauch nicht sein. Umfang geteilt durch Größe ergibt das Taille –Größe Verhältnis.

Gefährlich ist nicht der dicke Bauch, sondern das Fett, das die inneren Organe umgibt. Dieses lagert sich zum Beispiel rund um Leber, Darm oder den Magen ab. Das Bauchfett produziert außerdem Hormone, die Blutdruck, Blutfettwerte und Blutzucker erhöhen. Alle Werte über 0,5 sind zu viel!

Anzeichen eines Herzinfarktes beim Mann

Häufigste Anzeichen sind Schmerzen, die in den linken oder rechten Arm, den Oberbauch, den Rücken, Schultern oder Hals ausstrahlen. Meist kommt Atemnot oder ein Engegefühl im Brustkorb hinzu.

Bei älteren Männern, können Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen und Kurzatmigkeit die alleinigen Anzeichen eines Infarkts sein. Es gilt: Je älter der Patient, desto mehr Beachtung sollten unbedingt auch auf unspezifische Beschwerden gelegt werden. Ein Alarmzeichen ist, wenn die Beschwerden in bis dahin nicht gekannter Heftigkeit auftreten. 

Weniger häufig sind:

  • Kalter Schweiß und Blässe
  • Schwächegefühl bis hin zu Bewusstlosigkeit
  • Übelkeit, Schwindel, Erbrechen
  • Gefühl von Enge und Druck im Brustkorb
  • Taubheitsgefühl oder Schmerzen, die in Nacken, Kiefer, Schulterblätter ausstrahlen.

In den meisten Fällen ist das Auftreten eines Herzinfarktes entgegen der landläufigen Meinung nicht mit einer Stress-Situation verbunden. Viele Infarkte ereignen sich in Ruhesituationen, Betroffenen erleiden einen Infarkt zu Hause. Angehörige und nahestehende Personen von Infarktgefährdeten sollten sich deshalb unbedingt mit Verhaltensweisen für den Notfall vertraut machen. Warten ist hier immer falsch.

Erste Hilfe kann Leben retten!

Bis zum Eintreffen des Rettungswagens dauert es hierzulande acht bis zwölf Minuten. Doch was tun, bis der Arzt kommt?

Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen - und handeln dann lieber gar nicht. Doch man kann vor allem nichts dabei falsch machen, nichts tun ist falscher als wenn man kleine Fehler dabei macht. In einer Notsituation mit erkrankten Personen müssen die Helfer vor Ort, die Ersthelfer, die Rettungskette in Gang setzten.

Keine Atmung? Mit Herzdruckmassage und Beatmung beginnen:

Bei einem Mann wird eine Herzdruckmassage durchgeführt
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Person auf festem Untergrund auf dem Rücken legen. Den Kopf nach hinten überstrecken, um die Atemwege freizuhalten. Vorhandene Hindernisse im Mundraum (z.B. Prothesen) gegebenenfalls entfernen.
Brustkorb freimachen. Der richtige Druckpunkt befindet sich in der Mitte des Brustkorbes auf dem Brustbein. Dann mit der Herzdruckmassage mit einer Frequenz von 100 pro Minute und einer Drucktiefe von etwa fünf Zentimetern beginnen.

Wer es sich zutraut, kann die Herzdruckmassage mit der Beatmung abwechseln, das heißt 30 Mal drücken, zweimal beatmen, dann wieder 30 Mal drücken, zweimal beatmen. Das Ganze so lange wiederholen, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist.

Wie geht Wiederbelebung in Zeiten von Corona?

  1. Als Erstes PRÜFEN: Die Person schütteln, ansprechen: "Hallo! Können Sie mich hören?" Reaktion?
  2. Nächster Schritt: Kontrolle der Atmung. Hebt und senkt sich der Brustkorb? Atmet der Mensch noch? Nicht zu dicht an den Mund oder die Nase des Patienten gelangen, damit ein mögliches Infektionsrisiko in Corona-Zeiten minimiert wird.
  3. Nächster Schritt: Notruf, 112, wählen! 
  4. Nächster Schritt: KEINE Mund zu Mund Beatmung machen! Die auf jeden Fall weglassen! Stattdessen: Drücken, bis der Not-Arzt kommt! Herzdruckmassage ist das Wichtigste fürs Überleben! Und zwar so: Einen Handballen in die Mitte des Brustkorbs auf das Brustbein setzen. Die andere Hand darüber. Den Brustkorb mit gestreckten Armen eindrücken. 5 cm tief - Rund 100-mal Drücken pro Minute. Um sich zu schützen, kann man eine Maske aufsetzen und dem Bewusstlosen ein leichtes Tuch über den Mund legen.
  5. Wenn ein Defibrillator in der Nähe ist – inzwischen in vielen öffentlichen Gebäuden – den Betroffenen schocken.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 07. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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