Corona-Kriminalität Betrüger bieten Impfstoff an – Polizei warnt vor Fallen

Die Impfkampagne in Deutschland kommt schleppend voran. Nicht einmal jeder Fünfte hat die erste Covid-19-Impfung erhalten. Die Ungeduld von Impfwilligen machen sich Betrüger zunutze und bieten Vakzine verschiedener Hersteller zum Kauf an. Wer die Maschen der Gauner kennt, hat die größten Chancen, ihnen nicht auf den Leim zu gehen, sagt die Polizei. Doch was können die Ermittler tun?

Mitarbeiterinnen eines mobilen Impfteams bereiten im Dorf-Vereinshaus Seidewitz hinter der Theke die Impfdosen für die Corona-Schutzimpfung auf.
Die Polizei betont: Privatpersonen können legal gar keinen Impfstoff kaufen. Bildrechte: dpa

110 Dollar für eine Ampulle von Astrazeneca, 120 Dollar für Biontech/Pfizer und 128 Dollar für ein Fläschchen des Herstellers Moderna: So lautet im April 2021 das Angebot einer vorgeblichen Apotheke im Messenger-Dienst Telegram. In einer anderen Telegram-Gruppe ist angeblich der russische Impfstoff Sputnik V zu haben. Der Anbieter behauptet, über ein russisches Ärzteteam an eine kleine Menge des Impfstoffs gekommen zu sein. Zahlbar sei der Preis von umgerechnet rund 140 Dollar für zwei Dosen ausschließlich in Bitcoin.

Kriminelle "werben" via Telegram oder im Darknet

Auch im Darknet werden die Impfstoffe angeboten. Hier kosten zwei Dosen des Moderna-Vakzins beim Anbieter "Steriod King" etwa 28 Dollar. Oder wie wäre es mit einer Sammelbestellung für den Betrieb oder den Verein? 800 Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs werden für 20.000 Dollar angepriesen.

Mann in einem Videotelefonat, neben ihm ein Aufsteller mit der Aufschrift "Ihre Polizei" 7 min
Bildrechte: MDR

Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes erklärt die Maschen der Betrüger.

Mo 05.04.2021 21:43Uhr 06:53 min

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Impfstoffe nicht legal für Privatpersonen erhältlich

Bei Angeboten dieser Art handelt es sich nach Einschätzung von Kriminaloberrat Harald Schmidt mit höchster Wahrscheinlichkeit um Offerten von Betrügern. Schmidt ist Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Er erklärt im Interview mit Kripo live: "Sie können als Privatperson keinen Impfstoff kaufen, weder in Deutschland noch im Ausland". "Und deswegen gilt es hier, nichts zu zahlen. Weder Bargeld noch Bitcoin."

Sie können als Privatperson keinen Impfstoff kaufen, weder in Deutschland noch im Ausland.

Kriminaloberrat Harald Schmidt

Es gibt klare Regeln für Covid-19-Schutzimpfungen

Der Grund: Die Covid-19-Schutzimpfung ist kostenlos. Sie werde ausschließlich über staatliche Stellen, über die zentralen Impf- und Kreisimpfzentren sowie über die Hausarzt- und dann später Betriebsarztpraxen verteilt, so Schmidt. Deshalb solle man sämtliche Angebote, die einen telefonisch oder über das Internet erreichen, konsequent ignorieren. Es könne sich nur um Betrugsversuche handeln.

Collage diverser Impfstoffangebote
Auf Telegram und im Darknet kursieren Angebote für verschiedene Corona-Impfstoffe. Mit großer Wahrscheinlichkeit stecken Betrüger dahinter. Bildrechte: MDR/David Kopp

Vorfälle auch in Sachsen-Anhalt und Sachsen

Bundesweit wurden bereits mehrere Betrugsversuche im Zusammenhang mit Corona-Impfstoff zur Anzeige gebracht. So schildert eine Seniorin aus Nordrhein-Westfalen im WDR, wie sich eine Anruferin als Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes ausgab und Impfstoff gegen Bezahlung per Überweisung anbot. Doch die Rentnerin lehnte ab. Auch in Sachsen-Anhalt wurde einer Seniorin Impfstoff angeboten. Mehrere Personen hatten an ihrer Haustüre geklingelt. Die 85-Jährige aus dem Salzlandkreis ging ebenfalls nicht darauf ein und erstattete Anzeige. Bei einem Fall im vogtländischen Treuen wollten sich zwei Unbekannte, die angaben vom Gesundheitsamt zu sein, offenbar Zugang zur Wohnung eines 44-Jährigen verschaffen. Sie gaben vor, eine Corona-Schutzimpfung verabreichen zu wollen. Der Wohnungsinhaber wies sie ab.

Fälle, in denen Menschen tatsächlich auf Impfangebote von Betrügern eingegangen sind, sind momentan weder dem Bundeskriminalamt noch den Landeskriminalämtern in Dresden, Erfurt und Magdeburg bekannt. Das ergaben Anfragen von Kripo live. Wenngleich Tom Bernhardt vom LKA Sachsen zu bedenken gibt, dass man nur das "Hellfeld" betrachte. Es sei gut möglich, dass Opfer Fälle aus Scham nicht zur Anzeige bringen.

Mit Aufklärung Betrugsfällen vorbeugen

Die Ermittlungen zu den Erstellern der zweifelhaften Angebote dürften sich schwierig gestalten. Zum einen können die Beamten erst aktiv werden, wenn sie Hinweise über konkrete Vorfälle erhalten. Zum anderen versuchen die Kriminellen ihre Spuren im Netz zu verschleiern. Ohne sich zu tief in die Karten schauen zu lassen, erklärt Kriminaloberrat Schmidt, dass seine Kollegen versuchen, Geldströme zurückzuverfolgen. Zudem kombinierten sie Informationen aus verschiedenen Fällen, um Rückschlüsse auf die Täter zu ziehen.

Wichtig ist aus Sicht von Schmidt auch, dass die Angebote nach der Beweissicherung von den Plattformen verschwinden. So könne weiterer Schaden verhindert werden. Generell stehen für ihn Prävention und Aufklärung an erster Stelle: "Wer die Maschen der Gauner kennt, der hat die größten Chancen, ihnen nicht auf den Leim zu gehen."

Präventionsangebote der Polizei: Hier können Sie sich über die Betrugsmaschen informieren

Unter polizei-beratung.de informiert die Polizeiliche Kriminalprävention der Ländes und des Bundes über verschiedene Kriminalitätsformen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Quelle: Kripo Live

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo Live | 04. April 2021 | 19:50 Uhr

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