Tropenwald-Schutz Darauf sollten Sie beim Grillen achten

In vielen Gärten werden bald die Roste glühen. Doch wussten Sie, dass in handelsüblicher Grillkohle oft auch Tropenholz ist? Wir erklären, warum und wie Sie vermeiden, solch ein Produkt zu kaufen.

Es war eine erschreckende Meldung vor zwei Wochen: Die EU belegt nach Angaben der WWF auf der "Weltrangliste der Waldzerstörer" inzwischen Platz zwei nach China (24 Prozent). Das Abholzen tropischer Wälder geht zu 16 Prozent auf das Konto der EU. Und das liegt unter anderem auch an Grillkohle, die es hierzulande zu kaufen gibt.

Grillkohle bislang unkontrolliertes Handelsgut

Fast 750.000 Tonnen Holzkohle werden jährlich in die EU eingeführt, und das zu einem erheblichen Teil aus Ländern mit tropischen Regenwäldern wie Nigeria. Das Land ist nach der Ukraine der zweitgrößte Holzkohleproduzent der Welt.

Die Hälfte des Exports geht in die Europäische Union, ein großer Teil davon nach Polen. Von dort kann die größtenteils illegal produzierte Kohle teilweise auch nach Deutschland gelangen. Denn: Grillkohle ist bisher ein unkontrolliertes Handelsgut. Was daran liegt, dass sie immer noch nicht in die Liste der "Europäischen Holzhandelsverordnung" – kurz EUTR -  aufgenommen wurde.

Volker Haag Thünen-Institut für Holzforschung Umschau
Volker Haag vom Thünen-Institut für Holzforschung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Die EUTR fordert, dass jeder Produzent in Europa belegen muss, wo er die Kohle her hat und was drin ist. Damit würde eine Fehldeklaration zu einer Ordnungswidrigkeit", erklärt Volker Haag vom Thünen-Institut für Holzforschung. Noch basiere diese Angabe auf Freiwilligkeit. In Deutschland ist der Anteil zertifizierter Grillkohle in den letzten Jahren gestiegen, im Gegensatz zu anderen EU-Ländern.

Öko-Label
Dieses "Versprechen" ist keine zertifizierte Angabe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Test: Bis zu 40 Prozent Anteil an Tropenholz

Um zu ermitteln, in welcher Grillkohle wie viel und welches Tropenholz enthalten ist, hat das Thünen-Institut für Holzforschung im vergangenen Jahr europaweit 150 verschiedene Säcke Grillkohle eingekauft und deren Inhalt per 3-D-Auflichtmikroskopie untersucht. Die Struktur der Kohle gibt Auskunft, von welchen Bäumen sie stammen.

Das Ergebnis: Es wurde ein großer Anteil an Tropenhölzern entdeckt, die oft nicht zertifiziert sind - mitunter bis zu 40 Prozent. "Wenn wir Hölzer aus Nigeria beziehen, können wir davon ausgehen, das sie nicht zertifiziert sind, dass da direkt im Naturwald Holz eingeschlagen wird und dann direkt in Holzkohle verarbeitet wird, die später bei uns auf dem Grill landet", sagt Volker Haag.

Grillkohle Prüfung Umschau
Um die Struktur der Holzkohle prüfen zu können, wird sie gebrochen und unter dem Mikroskop untersucht. Bildrechte: Thünen-Institut für Holzforschung

Auf zertifizierte Siegel achten!

Wer sicher gehen will, kein Tropenholz zu vergrillen, sollte auf zertifizierte Siegel achten, die genau das ausschließen: Das sind etwa PEFC, FSC und das Naturland-Siegel. "Da habe ich den Nachweis der Nachhaltigkeit und die Sicherheit, dass ich keinen Anteil aus illegalem Holzeinschlag in der Tüte habe", betont Haag.

Zertifizierte Siegel
Die Siegel von PEFC, FSC und Naturland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Allerdings muss Grillkohle, die Tropenholz enthält, nicht in jedem Fall kritisch sein, wie ein Projekt in Namibia zeigt, wo ein deutsches Unternehmen nachhaltige Holzkohleerzeugung betreibt.

Das Konzept: Der invasive Farbkätzchenstrauch, der sich in der Savanne ungehemmt ausbreitet und mit seinen Dornen zum Problem für Wildtiere wird, muss sowieso abgeschlagen werden. Die Reste dieser forstlichen Pflege werden vor Ort zu Holzkohle verarbeitet und verpackt. Das schafft Arbeitsplätze und schützt die Artenvielfalt.

So entsteht Holzkohle

Norma Austinat
Norma Austinat betreibt eine Köhlerei in der Dübener Heide bei Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Holzkohle ist ein Produkt aus der klassischen Köhlerei. Sie entsteht durch die sogenannte Pyrolyse, bei der Laubholz unter Luftentzug verbrannt wird. Richtig verbrennen kann das Holz dabei gar nicht, vielmehr schwelt es vor sich hin. Dabei wird Wasser entzogen und es entsteht eine Art Kohle, deren Brennwert wesentlich höher ist als der von Holz oder klassischer Kohle. Ursprünglich wurde damit Eisen geschmolzen und mancher Schmied nutzt die Holzkohle noch heute. Im Grill brennt die Holzkohle schnell an, heizt schnell hoch und kühlt schnell wieder ab. Damit Grillkohle über gute Brenneigenschaften verfügt, werden bestimmte Baumarten für die Verkohlung bevorzugt: Harthölzer wie Buche oder Eiche gelten als ideal.

Übrigens: In ganz Deutschland gibt es nur noch ein Dutzend Köhlereien, die im Haupterwerb betrieben werden. 2014 wurde das Köhlerhandwerk in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Eine davon betreibt Norma Austinat in der Dübener Heide. "Unsere Holzkohle hat einen sehr großen Kohlenstoffgehalt, was die Industrie einfach nicht schafft, weil die Verschwelungsprozesse aus Zeitgründen nicht bis zum Ende durchgeführt werden. Das ist der Unterschied zum Handwerk", erklärt sie.

Diese Regeln machen das Grillen sicher

  • Die wichtigste Regel: Hände weg von Spiritus und flüssigen Brandbeschleunigern! 
  • Nur feste, geprüfte Grillanzünder aus dem Fachhandel verwenden.
  • Grill kippsicher und windgeschützt aufstellen.
  • Spielende Kinder müssen mindestens drei Meter Abstand zum Grill halten.
  • Für den Notfall Löschmittel bereitstellen: Eimer mit Sand, Feuerlöscher oder Löschdecke.
  • Niemals in geschlossenen Räumen grillen oder den Grill zum Auskühlen reinstellen. Es besteht die Gefahr einer tödlichen Kohlenmonoxid-Vergiftung!
  • Brennendes Fett niemals mit Wasser löschen. Es besteht Explosionsgefahr! Am besten die Flammen abdecken.

Erste Hilfe bei Brandverletzungen

  • Ruhe bewahren!
  • Rufen Sie im Ernstfall sofort den Notruf 112!
  • Flammen durch Wälzen am Boden oder mit Wasser löschen.
  • Brandwunde leicht kühlen, am besten mit handwarmem Wasser.
  • Wegen Unterkühlungsgefahr nur die verletzten Stellen kühlen und nur zehn Minuten.
  • Bei großflächigen Verbrennungen (mehr 15 Prozent der Körperoberfläche) nicht kühlen.
  • Um Auskühlen zu vermeiden, den Verletzten warmhalten, am besten mit der Folie aus dem Erste-Hilfe-Kasten. Andere Decken, Kleidungsstücke oder Handtücher sind auch möglich.
  • Mit Wunde verklebte Kleidung NICHT entfernen.

Quelle: MDR Umschau

Grill-Rezepte zum Nachmachen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 04. Mai 2021 | 20:15 Uhr

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