Upcycling Neues Leben für alte Jeans

Ausgediente Jeans müssen nicht in den Altkleidercontainer oder auf den Müll. Bloggerin Ina Fischer zeigt, wie Sie aus den robusten Resten Einkaufstaschen, Kissen, Stoffkörbe oder Behältnisse für Kleinigkeiten schneidern. Denn das Denim-Gewebe ist wie gemacht für ein zweites Leben.

Einkaufstausche aus alter Jeans

Der Baumwollstoff einer Jeans eignet sich hervorragend als Rohmaterial zum Upcycling, also zur Schaffung von neuen Nähobjekten. Zum Beispiel für eine robuste Einkaufstasche. In diesem Fall müssen Sie zunächst die Hosenbeine der Jeans kürzen. Wie lang, das entscheiden Sie. Je länger das Bein, desto größer der Beutel.

Dann wird die Naht im Schritt der Jeans aufgetrennt. Es entsteht zunächst eine Art Rock. Die Lücke können Sie nun mit dem restlichen Stoff von den Hosenbeinen verschließen. Das klappt mit jeder Nähmaschine. Allerdings sollten Sie eine Jeans- oder Top-Stitch-Nadel benutzen. Dann gleitet das Garn besser durch den Stoff. Damit die Nähte nicht reißen, eignet sich Denim-Garn.

Eine große Tasche, genäht aus alten Jeans
Die Einkaufstasche kann so klein oder groß ausfallen, wie man möchte. Bildrechte: MDR/pattydoo

Zu guter Letzt kommen zwei Henkel an die Tasche. Besonders gut eignen sich hier Stoffbänder – oder auch Leder, für das Sie alte Gürtel nutzen können. Die Henkel können Sie annähen. Beim Leder ist es von Vorteil, Nieten zu nutzen. Dafür stanzen Sie zunächst Löcher in das Denimgewebe. Wenn Sie Nieten kaufen, dann ist in der Packung meist ein Werkzeug (Locheisen) dabei. Mit dem und einem Hammer können Sie die Nieten am Stoff festklopfen.

Kreative Kissenbezüge

Nach dem Beutel dürfte noch Jeans-Stoff übriggeblieben sein. Den können Sie nun in rechteckige, gleichgroße Reststücke auftrennen. Entweder mit der Schere oder einem Rollschneider. Aus diesen Stücken lassen sich sehr gut kreative Kissenbezüge nähen.

Zwei Kissen, genäht aus alten Jeans
Die Kissen sind robust und auch für draußen geeignet. Bildrechte: MDR/pattydoo

Jeans restlos verwerten

Auf diese Weise können Sie aber ebenso Mäppchen oder Kleingeldbörsen gestalten. Die können dann per Reißverschluss verschlossen werden. Wichtige Tipps zum Vernähen von Reißverschlüssen finden Sie hier:

Beutel aus Jeansstoff
Bildrechte: MDR / pattydoo

Eine andere Idee für das Oberteil der Jeanshose wäre ein Utensilo in einem Stickrahmen, also ein Stoffkörbchen. Das lässt sich dann als Wanddekoration nutzen – und eignet sich als Aufbewahrungsmöglichkeit. Damit Sie nach dem Zurechtschneiden und Zusammennähen keine unerwartete Überraschung erleben, empfiehlt es sich, vorab die Gesamthöhe sowie die Umschlaghöhe zu bestimmen.

Jeans mit Abmessungen
Bildrechte: MDR / pattydoo

So können Sie verschiedene Exemplare problemlos nähen. Auch mehrere identische Utensilos sind so einfach möglich. Wie genau Sie dazu das Hosenbein abmessen, das erklärt nebenstehende Grafik. Wenn Sie sich an diese Maßtabelle halten, dann wird das Utensilo in der Grundfläche immer annähernd quadratisch.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Vom Arbeitstier zum Superstar – 5 Fakten zur Jeans

1. Woher der Name kommt

Stadtansicht von Genua
In Genua in Italien trugen Matrosen den Vorgänger der Jeans. Bildrechte: imago/imagebroker

Der Begriff "Jeans" ist verbunden mit der italienischen Stadt Genua. Die Matrosen im dortigen Hafen sollen Hosen aus Baumwolle getragen haben. Die werden später in die USA geliefert – lange bevor die "Jeans" im heutigen Sinn existierten. Aus dem französischen Namen (Gênes) wurde dann vermutlich der Begriff hergeleitet.

2. Wer die Erfinder sind

Als "Erfinder" der heute bekannten Jeans gelten der lettisch-amerikanische Schneider Jacob Davis sowie der oberfränkische Auswanderer Levi (Löb) Strauss. Ende des 19. Jahrhunderts fertigt Davis in Nevada Hosen für die Goldsucher. Diese sind den harten Anforderungen nicht gewachsen und reißen häufig – vor allem die Taschen, in die die Arbeiter oftmals Steine stopfen. Davis kommt auf die Idee, besonders belastete Stellen der Hosen mit Nieten zu verstärken.

Blue Jeans mit Nieten
Die damals neue Idee: Stark belastete Stellen der Hose werden mit Nieten verstärken. Bildrechte: IMAGO / YAY Images

Um seine Erfindung zu schützen, wendet er sich an Levi Strauss in San Francisco. Strauss ist zu der Zeit der Lieferant seiner Stoffe. Er beteiligt sich an den Kosten über 68 US-Dollar für ein Patent. Am 20. Mai 1873 erhalten beide den Schutzbrief US139121A für die "Nietenhose". Zunächst verwenden sie Segeltuch, später dann Denim, ein mit Indigo blau gefärbtes robustes Baumwollgewebe.

3. Was Denim bedeutet

Die Bezeichnung Denim kommt ursprünglich aus Europa. Die südfranzösische Stadt Nîmes ist bereits im 17. Jahrhundert ein Zentrum der Stoffproduktion. Einige Fabriken beginnen, einen zähen Baumwollstoff für die Arbeitskleidung der Landbevölkerung herzustellen. Es handelt sich um "Serge de Nîmes" (Gewebe aus Nîmes) – später kurz "Denim".

4. Die fünf Taschen

Die aktuell gängigen Jeans haben fast alle fünf Taschen, darunter eine kleine Tasche auf der Vorderseite – die klassischen "five pockets". Heutzutage wird diese gern für Münzen oder Einkaufschips benutzt. Ursprünglich war die fünfte Tasche jedoch für die Uhren der Minenarbeiter gedacht. Die benutzten (noch) keine Armband-, sondern Taschenuhren. Und verstauten diese in der Extratasche.

5. Die Farbe der Jeans

Die Herkunft der blauen Farbe ist nicht eindeutig belegt. Einige Quellen behaupten, dass Levi Strauss eine Bestellung von blauem Baumwollstoff in Nîmes aufgab. Unter der Bestellnummer 501. So soll er 1890 sein Produkt erstmals "Levis 501" genannt haben. Andere Quellen beschreiben, dass Indigo schon immer ein beliebter Farbstoff für verschiedene Baumwollgewebe gewesen sein soll. Und somit auch für die Grundstoffe der Jeans.

Drei junge Frauen in Jeans von hinten betrachtet
Dass die Jeans einmal anstatt von arbeitenden Männern von jungen Frauen getragen wird, hätten ihre Erfinder wohl nie gedacht. Bildrechte: IMAGO

Unsere Expertin

Nähen mit Ina Fischer
Bildrechte: pattydoo

Ina Fischer

Ina Fischer

Autorin und YouTuberin Ina Fischer leitet den erfolgreichsten deutschsprachigen Nähblog. Als "pattydoo" hat sie bei YouTube mehr als 280.000 Abonnenten und bei Facebook mehr als 120.000 "Gefällt mir"-Angaben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 25. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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