Klimaschutz Der Kampf gegen die Plastikflut

Lebensmittel, Spielzeug, Hygieneprodukte – diese Liste ließe sich ewig fortsetzen. Es scheint, als sei die ganze Welt in Plastik verpackt. MDR-Reporter André Strobel hat sich intensiv mit dem Thema Plastik auseinandergesetzt. Wie lässt sich Müll dauerhaft vermeiden? Was lässt sich recyceln? Und wie lässt sich die Jugend sensibilisieren? Das Ergebnis seiner umfangreichen Recherchen sehen Sie von 18. bis 22. Oktober im MDR.

Schwimmender Plastikmüll im Meer.
Allein über die Elbe gelangen pro Jahr 42 Tonnen Kunststoff ins Meer. Bildrechte: Shutterstock/NUI Galway

Ich wohne unweit der Elbe. Immer kurz nach Hochwassern habe ich mich früher mit Freunden getroffen – zum Treibholz-Sammeln. Heute ist das anders, denn heute trifft man sich zum Müllsammeln. So geschehen im Frühjahr 2021. Mit einer befreundeten Familie gehen wir auf die Elbwiesen. Unsere Kinder haben Handschuhe und Gummistiefel an. Gemeinsam streifen wir über das Grün und suchen Müll. Wir werden schnell fündig und innerhalb von nur 30 Minuten haben wir drei blaue Müllsäcke gefüllt. Wir finden vor allem Plastik-Verpackungen von Lebensmitteln. Aber auch viel Glas und andere Dinge, die nicht in die Elbe gehören.

Damals beginne ich zu recherchieren. Ich lerne, dass es Erhebungen gibt, wonach 42 Tonnen Kunststoff jedes Jahr über die Elbe in das Meer gelangen. Und dann sehe ich, wie viel Plastikmüll laut Schätzungen von Umweltschutzorganisationen jedes Jahr insgesamt über Flüsse ins Meer gelangen: Es sind sieben Millionen Tonnen. Eine unglaubliche Zahl. Und dort im Meer richtet Plastik großen Schaden an: PET-Flaschen beispielsweise, die im Meer schwimmen, sind erst nach über 400 Jahren komplett abgebaut. Sie zerfallen in Mikroplastik, das dann auch in den menschlichen Nahrungskreislauf zurück gelangen kann. Ein Teufelskreis, den nur der Mensch selbst durchbrechen kann.

Plastikabfall: Recycling optimieren

Ich finde Gilian Gerke, Professorin an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Sie beschäftigt sich sozusagen beruflich mit Abfall.

Prof. Gilian Gerke forscht zu Nachhaltigkeit und Recycling.
Gilian Gerke bei den Dreharbeiten. Bildrechte: MDR / Strobel

Denn die gebürtige Rheinländerin lehrt Ressourcen- und Recyclingwirtschaft mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit. Ihren StudentInnen bringt sie bei, wie Kreislaufwirtschaft funktioniert, was man aus Plastikabfall alles machen und warum es sich lohnt, das Recycling immer weiter zu optimieren.

Die Forschung von Gilian Gerke beginnt immer beim Material, es geht ihr um den Kunststoff an sich und wie er besser wiederverwertet werden kann, wie wir verantwortungsvoller damit umgehen.

Der Müll darf gar nicht erst im Meer landen. Weil schön sortiert, gesammelt und getrennt in eine Verwertung gibt es den besten Effekt und dann kann man auch Primär-Ressourcen einsparen.

Gilian Gerke

Gilian Gerke wird zum "roten Faden" meiner Recherchen. Schnell sind fünf Themenideen entwickelt, aus denen dann später fünf Beiträge einer Wochenserie werden, in der es hauptsächlich um Plastikabfall gehen wird.

Mehr dazu:

MDR um 4: Plastik - Wie lässt sich Plastikmüll dauerhaft reduzieren? Recherche von André Strobel. 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kinder und Jugendliche für das Thema sensibilisieren

Ich bin recht niedergeschlagen in die Dreharbeiten gestartet – allein schon, weil die Zahlen so erdrückend sind: Der Abfall aus Plastikverpackungen hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. ‘Wie soll sich daran was ändern’, denke ich beim Blick auf prall gefüllte Supermarkt-Regale. Doch dann – mit jedem Drehtag ein bisschen mehr – wächst meine Hoffnung. Wir treffen beispielsweise auf Max und Maxim auf Torgau. Die beiden Kumpels gehen in die vierte Klasse und haben gemeinsam ein Müll-Schiff gezeichnet. Mit ihren Eltern tüfteln sie nun daran, dass aus den Ideen vielleicht Wirklichkeit wird.

Viele Kinder und Jugendliche wie sie sind sensibilisiert für das Thema Müll und versuchen schon im Alltag, etwas zu ändern. KindergartenerzieherInnen und LehrerInnen starten Projekte in den Einrichtungen und hoffen, über die Kinder auch deren Eltern zu erreichen. Oder da ist auch Marisa Becker. Eine Influencerin aus der Nähe von Leipzig, die ihren Followern zeigt, wie man mit wenig Plastik im Haushalt auskommt. So stellt sie ihr eigenes Scheuermittel aus Natron und Wasser her, damit spart sie Geld und Verpackungskunststoff.

Forschung, Aufklärung und Information

Und gemeinsam mit Gilian Gerke besuchen wir eine Grundschule in Magdeburg. Hier bringt die Professorin den jungen SchülerInnen bei, warum es wichtig ist, dass Plastik in die gelbe Tonne kommt und noch vieles mehr.

Prof. Gerke weiß, dass Forschung und Innovation allein nicht helfen werden, daher setzt sie auch auf Aufklärung und Information. An der Hochschule Anhalt aber forscht ihre Arbeitsgruppe sowohl an Grundlagen als auch technischen Lösungen. So untersuchen die Wissenschaftler, wie sich Plastik im Wasser über längere Zeiträume verändert und ob eingesammelter Abfall wiederverwendet kann. Oder sie tüfteln an speziellen Filtern, die in Waschmaschinen verbaut verhindern können, dass Mikroplastik oder Mikrofasern aus unserer Kleidung ins Abwasser und damit in die Flüsse gelangen können. Denn diese winzigen Bestandteile können Klärwerke bisher nicht herausfiltern.

Es sind diese Geschichten, die mich wieder hoffnungsvoller in die Zukunft blicken lassen. Denn im Endeffekt liegt es an uns, oder wie Gilian Gerke sagt:

Ich bin nur ein kleines Zahnrädchen. Aber ich kann in meinem Umfeld was tun. Und wenn das dann mehr machen, dann sind wir viele. Das ist für mich Hoffnung. Alles, was wir tun, hilft.

Gilian Gerke

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 12. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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