Urlaubspläne Was jetzt beim Urlaub wichtig ist: Reisen buchen über Portale

Die neue Reisefreiheit ist zurück: Die Inzidenzen sind in ganz Deutschland runter, es kann wieder Urlaub in anderen Regionen gemacht werden. Auch im Ausland. Was jetzt bei Buchung wichtig ist und wie Sie unter Umständen an Ihr Geld kommen, das bereden wir mit der Verbraucherzentrale Thüringen.

Auf den Boden gesprühte Pfeile und Pylonen regeln den Zugang zum Strand an der Ostsee. 8 min
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Zu Corona-Zeiten mussten viele Menschen ihre Reisen stornieren oder umbuchen. Wer da über Buchungsportale gebucht hatte, für den gibt es nun neue Regeln. Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale erklärt es genauer.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 08.06.2021 11:50Uhr 07:59 min

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Wo kriege ich das günstigste Angebot?

Bisher war es so, dass Verbraucher-Portale zwar einen guten Überblick bieten, manche Anbieter dann aber sagten, dass es etwa auf der Hotelseite "billiger" ist. Das ist nun nicht mehr möglich. Es gibt eine Gerichtsentscheidung und die sagt: Wenn Vergleichsportale oder Buchungsportale ein Angebot anzeigen, darf etwa das Hotel es auf seiner Homepage nicht unterbieten. Stellt der Verbraucher nun also fest, dass es irgendwo einen günstigeren Preis gibt als im Buchungsportal, dann kann er diesen günstigeren Preis auch vom Buchungsportal verlangen.

Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen im MDR-Sendestudio
Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen im MDR-Sendestudio Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Es gab immer wieder Fälle, in denen Leute zum Urlaubsort fahren und ihre vermeintliche Ferienwohnung existiert gar nicht. Wie kann ich rauskriegen, ob es eine Fake-Ferienwohnung ist, für die ich mich interessiere oder die ich vielleicht sogar gebucht habe?

Diese gefälschten Anzeigen sind ein Problem! Wichtig ist, nicht im Voraus zu bezahlen. Sonst ist das Geld unter Umständen weg. Wir raten, ganz genau zu gucken, ob es diesen Anbieter tatsächlich gibt, wo er sitzt und auch mal nach Bewertungen und Erfahrungen im Netz zu suchen. Es kann schon helfen, auf einer Karte zu schauen, ob es die Straße, den Ort gibt. Ob das nach Ferienwohnung aussieht - oder vielleicht nach Wohngebiet oder Industriegebiet. Dann ist das ein Zeichen, die Finger davon zu lassen.

Wenn Sie das erst merken, wenn Sie dort sind und dann schon den Urlaub bezahlt haben, meldet sich vielleicht keiner mehr, wenn Sie versuchen, Ihr Geld zurückzubekommen. Dann können Sie auch unter Umständen dem Gericht gar nicht sagen, wohin die Klageschrift zugestellt werden soll. Dann bleibt nichts anderes, als sich an die Polizei zu wenden, Strafanzeige zu stellen und zu hoffen, dass die in einem Ermittlungsverfahren etwas rausfindet und Sie so an eine Adresse kommen, bei der Sie Ihre Forderungen geltend machen können.

Das ist ein enormes Problem, es dauert und führt vielleicht zu nichts. Haben Sie über ein Buchungsportal gebucht, so gibt es Gerichtsentscheidungen die sagen: Das Buchungsportal ist der Vertragspartner. Aber auch hier kann es passieren, dass der Verbraucher zwischen den Stühlen sitzt, weil er von Portal zu Vermieter verwiesen wird. Denn der bessere Ansprechpartner ist der Reiseanbieter, das Hotel, in das Sie fahren wollten oder vielleicht die Airline, wenn Sie fliegen wollten.

Impfass und Reisepass
Bevor Sie sich auf den Weg zur Ferienwohnung machen, sollten Sie checken, ob es die auch gibt. Bildrechte: imago images/Political-Moments

In welchen Fällen ist er Portalbetreiber mein Ansprechpartner?

Der Portalbetreiber kann mein Vertragspartner sein, wenn ich über den Portalbetreiber die Reise zusammenstelle. Also wenn der Reiseveranstalter (das Portal) mir die verschiedenen Reiseleistungen zeigt und ich dort praktisch die Reise zusammenstelle. Also sagen wir, etwa die App übernimmt die Koordinierung. Dann kann so ein Portal behandelt werden, wie ein Pauschalreiseanbieter. Und dann haben wir klare gesetzliche Regelungen - wie den Sicherungsschein.

In einem konkreten Fall hat es ein Amtsgericht so entschieden. Darauf könnte man sich berufen. Ob andere Gerichte da genauso sehen, muss sich aber erst noch zeigen. Als Verbraucherzentrale raten wir immer, sich an den Reiseveranstalter zu wenden, um auf der sicheren Seite zu sein.

Eine Familie mit ihren Koffern am Flughafen München. Alle tragen Mundschutz.
Hoffentlich erholsam und kein Albtraum: Die Menschen hoffen auf Urlaub. Bildrechte: imago images / Sven Simon

Also doch lieber ins Reisebüro?

Man kann sich ja im Internet informieren, schon mal gucken, was es gibt und zu welchem Preis. Das Reisebüro kennt im Zweifel auch das Hotel. Ich kann also auch dort noch nachfragen, wie die Qualität des Hotels ist. Ich rede mit einem Menschen, der es im besten Fall kennt oder Kunden hat, die dort schon waren und bekomme keinen Standard-Text präsentiert. Man muss aber berücksichtigen, dass jetzt immer mehr Reiseveranstalter und Reisebüros dazu übergehen, auch die Beratung bezahlen zu lassen - schließlich dauert es seine Zeit. Manche Büros verrechnen das dann, wenn man dort bucht.

Infos zum Experten Ralf Reichertz arbeitet bei der Verbraucherzentrale Thüringen. Er ist regelmäßig Gast in der Servicestunde bei MDR THÜRINGEN.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ifl

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 08. Juni 2021 | 11:10 Uhr

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