Servicestunde | 22.02.2022 Lohnt sich ein Auto-Abo?

Kennen Sie das Auto-Abo? Das gibt es wirklich und erfreut sich in bestimmten Zielgruppen großer Beliebtheit. Es soll einfacher sein, als Leasing und flexibler als Carsharing und frei von Zusatzkosten. Einfach Auto abholen oder liefern lassen, tanken, fahren und am Ende der Abo-Zeit wieder abgeben. Oliver Reidegeld vom ADAC Hessen-Thüringen erklärt, wie dieses Modell funktioniert und für wen dieser Service interessant sein könnte. Ab 11 Uhr in der Servicestunde bei MDR THÜRINGEN – das Radio.

Eine Frau unterschreibt einen Vertrag.
Wie beim Autokauf beginnt auch das Auto-Abo mit einer Vertragsunterschrift. Allerdings kann das Auto dann auch viel schneller wieder zurückgegeben werden. Bildrechte: imago/Westend61

Auf Deutschlands Straßen fahren rund 50 Millionen Autos. Gleichzeitig fragen sich immer mehr Menschen, ob sie eigentlich wirklich ein eigenes Fahrzeug brauchen? Das gibt einem vielleicht ein Gefühl von Unabhängigkeit, ist auch mal ganz praktisch – aber häufig steht es nur sinnlos in der Gegend rum. Und es ist teuer. Auch deswegen boomen Carsharing-Anbieter seit Jahren. Rund 2,9 Millionen Menschen hierzulande sind bei entsprechenden Firmen registriert.

Was ist ein Auto-Abo?

Parkplatz für Neuwagen von Peugeot, Citroen und Ford von oben
Rund 50 Millionen Autos fahren auf Deutschlands Straßen, doch braucht wirklich jeder ein eigenes? Bildrechte: imago/Hans Blossey

Seit einiger Zeit gibt es aber noch etwas anderes. Es geht um ein Angebot, dem Automobilexperten wie Ferdinand Dudenhöffer ein "enormes Potenzial" zutrauen. Es geht um sogenannte Auto-Abos. Dabei steht der Wagen ganz klassisch vor der eigenen Tür, doch gekauft ist er nicht. Stattdessen wird in jedem Monat einen Festbetrag fällig, in dem auch alle anderen wichtigen Kosten enthalten sind: unter anderem Versicherung, Steuern, Werkstatt, Reifenwechsel und Hauptuntersuchung.

Die Anbieter solcher Rund-um-sorglos-Pakete heißen zum Beispiel Cluno, Like 2 Drive, Kinto oder Finn.auto. In manchen Fällen stecken Autohersteller dahinter, die auf diese Weise neue Kundenkreise finden wollen. Bei Kinto ist das zum Beispiel Toyota. In anderen Fällen sind es konzernunabhängige Angebote, die eigene Fuhrparks aufgebaut haben. Vive-la-car ist so ein Fall. Auch Mietwagen-Anbieter wie Sixt oder Europcar bieten inzwischen Autoabos an.

Was kostet so ein Auto-Abo?

Einen Kleinwagen gibt es auf diese Weise für ca 250 Euro im Monat. Wer es etwas größer haben möchte, muss entsprechend tiefer in die Tasche greifen. Da werden dann schon stolze 800 Euro und mehr aufgerufen. Oft gibt das Abo dann für ein ganzes Jahr und ist nicht monatlich kündbar. Hinzu kommen die üblichen Kosten an der Zapfsäule obwohl auch einige Anbieter Tankkostenflatrates anbieten.

Die jeweiligen Vertragslaufzeiten bestimmen den Monatspreis. Es gilt – wie so oft - die Faustregel: Je kürzer das Abo, desto teurer das Auto. Trotzdem ist das der große Unterschied eines Auto-Abos zu Leasing-Angeboten, wie es sie ja schon seit langem gibt: Hier reden wir von Monaten, beim Leasing normalerweise von Jahren.

Es können Extra-Kosten entstehen

Neben der Vertragslaufzeit gibt es noch eine ganze Reihe von Punkten zu beachten: Bei jedem Vertragsabschluss wird eine bestimmte Anzahl an Inklusiv-Kilometern festgelegt. Wenn man die überschreitet wird es hinterher richtig teuer. Auch die inkludierten Versicherungen können zu Problemen führen. Denn oft gibt hier eine Selbstbeteiligung, die das Abo nicht abdeckt. Auch die Rückgabe kann noch Extra-Kosten beinhalten, nämlich dann, wenn der Anbieter am Ende des Vertrags Beschädigungen oder Verschmutzungen am Wagen findet.

Ein Mann hält einen Autoschlüssel.
Den Schlüssel einfach so weitergeben, kann im Abo ein Problem sein. Regeln Sie deswegen vorher, wer alles mit dem Auto fahren darf. Bildrechte: imago/Westend61

Wichtig ist darüber hinaus, dass geregelt ist, wer mit dem Auto fahren darf: Nur der Vertragspartner? Oder auch andere nahestehende Personen? Und gibt es ein Mindestalter für die Fahrer?

Bisherige Nutzer zeigen sich sehr zufrieden

Automobilexperte Dudenhöffer prognostiziert dem Auto-Abo in jedem Fall eine große Zukunft. Das liege auch daran, dass die bisherigen Nutzer der Angebote so positiv gestimmt sind. Neun von zehn der Auto-Abo-Nutzer seien zufrieden oder sehr zufrieden und wollten beim Abo bleiben, fasst er das Ergebnis einer Befragung zusammen. Auch beim Automobilclub ADAC heißt es, man habe „noch keine negativen Rückmeldungen“ zu Auto-Abos bekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Haase und Waage | 22. Februar 2022 | 11:05 Uhr

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