Der richtige Haken fürs Auto Anhängerkupplung nachrüsten

Andreas Keßler
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In vielen Fälle lohnt sie sich: die Anhängerkupplung. Gartenabfälle wegfahren, Baumaterial transportieren, den kleinen Umzug mitmachen oder einfach mal einen Wohnanhänger ans Auto und ab in den Urlaub. Doch mit welchen Pkw geht das und was kostet das Nachrüsten? Autoexperte Andreas Kessler weiß Rat.

Auto mit Campinganhänger parkt vor schöner Landschaft
Mit dem Camper in den Urlaub - das geht nur mit Anhängerkupplung. Bildrechte: IMAGO / Addictive Stock

Wer ab und zu mal etwas Größeres von A nach B schaffen muss, mietet sich meist einen Transporter. Wenn das häufiger vorkommt, ist ein Anhänger aber oft viel billiger, auch zu Stoßzeiten verfügbar und praktischer als ein Klein-Lkw, der beispielsweise nicht ohne weiteres durch die Hofeinfahrt passt. Aber dafür muss man erstmal eine Anhängerkupplung am Auto und Erfahrung mit einem Anhänger am Haken haben. Grundsätzlich ist da aber alles machbar. Es sind nur ein paar Vorüberlegungen nötig und meist mehrere 100 Euro.

Welche Kupplung darf es sein?

Die Anhängerkupplungen zum Nachrüsten gibt es in drei Varianten: Starre Kupplungen sind im Vergleich mit 150 Euro aufwärts für das Material am günstigsten.

Anhängerkupplung
Es gilt zu unterscheiden: Wil ich eine starre Anhängerkupplung oder eine abnehmbare? Bildrechte: imago/imagebroker

Bei dieser Lösung wird die Anhängevorrichtung fest mit dem Querträger am Auto verbunden oder ersetzt diesen gleich ganz. Wenn eine Anhängerkupplung fest montiert ist, bestehen hinsichtlich der Sicherheit keine Bedenken. Wer möchte schon bei schneller Fahrt seinen Anhänger verlieren? Es stellt sich die Frage: Wozu eine weitere Schraub-/Steckverbindung, die sich lösen kann?

Ganz so einfach ist das nicht, wenn man abnehmbare oder versenkbare Kupplungssysteme beurteilen will. Immerhin sind moderne Autos gerade nach hinten extrem schwer zu überblicken, selbst mit einem Rückfahrwarner hat man deshalb mit dem Kupplungshaken schnell ein Kennzeichenschild oder sogar die Stoßstange eines parkenden Autos perforiert.

Fest montiert, abnehmbar oder zum Schwenken

Anhängerkupplung
Wer sich an die Vorgaben des Herstellers hält, fährt auch mit einer abnehmbaren Kupplung sicher. Bildrechte: imago/Sebastian Geisler

Wo keine Kupplung ist, kann auch kein Haken für Schäden sorgen. Dies und der optische Eindruck ist der Hauptgrund für die Wahl einer abnehmbaren Anhängerkupplung. Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Verankerung bestehen hier nicht, wenn man sich strikt nach der Bedienungsanleitung des Kupplungsherstellers richtet.

Am Ende ist es aber auch eine Preisfrage: Abnehmbare Anhängerkupplungen kosten ab 250 Euro aufwärts, schwenkbare Varianten sind noch einmal ein paar hundert Euro teurer. Bei beiden Lösungen kann der Kupplungskopf bei Nichtgebrauch entfernt oder weggeklappt werden.

Achtung! Wenn der Kugelkopf der Anhängerkupplung im montierten Zustand das Kennzeichen verdeckt, muss er bei Fahrten ohne Anhänger demontiert werden.

Egal für welches Modell Sie sich entscheiden, hinzu kommt der notwendige Elektrosatz, der durchschnittlich 100 Euro kostet. Dann müssen noch die Arbeitskosten einberechnet werden, vorausgesetzt, Sie lassen in einer Werkstatt Nachrüsten. Die Montage richtet sich nach Art der Anhängerkupplung und nach dem Automodell. In der Regel dauert das zwei bis drei Stunden und kostet bis zu 120 Euro pro Stunde. Manche Werkstätten bieten auch Festpreise an.

Das richtige Nachrüstsystem

Auto mit Anhänger voll beladen mit Gartengerätschaften
Viele nutzen Anhänger für den Transport von Gartengeräten oder auch -abfällen. Bildrechte: imago images/Petra Schneider

Das Nachrüstsystem muss zum Fahrzeug passen. Die einfachste Lösung: direkt ein System vom Autohersteller nutzen. Es gibt auch welche von Drittanbieter. Doch vorsicht: Die verfügen oft nicht über eine EG-Typgenehmigung und der Gang zum TÜV ist nach dem Einbau Pflicht. 

Außerdem muss man im Vorfeld abklären, ob eine 7- oder 13-polige Anhängersteckdose für die Elektrik nötig ist, damit Bremslicht, Blinker und Co. funktionieren. Alternativ gibt es aber auch einen Adapter für die Anhängerdose. 

Keine Kupplung für Elektroautos

Nachrüsten geht bei den meisten Pkw. Doch Elektro-, Hybridfahrzeuge bieten die Möglichkeit meist nicht. Das zusätzliche Gewicht senkt die Akkuleistung. Das wollen viele Hersteller vermeiden. Auch Sportfahrzeuge fallen üblicherweise aus, denn die Kupplungskugel der Anhängerkupplung muss im beladenen Zustand 350 bis 420 Millimeter vom Boden entfernt sein.

Was ist noch zu beachten?

  • Wenn die vom Hersteller der Anhängerkupplung freigegebene Anhängelast höher ist als die vom Fahrzeughersteller, darf nur die kleinere Last an den Haken genommen werden.

  • Nicht jeder darf einfach so einen Anhänger ans Auto kuppeln. Wenn der schwerer als 750 kg ist, kann es Probleme mit der Fahrerlaubnis geben. Nur die Klasse BE erlaubt Anhänger bis 3500 kg.

  • Nachrüst-Anhängerkupplungen müssen nicht, können aber in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Wenn eine Anhängerkupplung nicht eingetragen ist, muss aber für Kontrollen durch die Polizei die Anbauanleitung beziehungsweise die ABE im Fahrzeug mitgeführt werden.

  • Anhängerkupplungen sind nicht wartungsfrei! Die Anhängersteckdose muss regelmäßig gesäubert und gegen Korrosion geschützt werden. Das gleiche gilt für den Kugelkopf der Kupplung, der sonst "unter Maß" rostet. Ideal dafür ist einmal jährlich eine Fingerkuppe Fett und eine Schutzkappe.

  • Bei modernen Autos mit CAN-Bus-Elektrik muss die Anhängerkupplung im Bordnetz angemeldet werden. Das kann in der Regel nur eine Vertragswerkstatt, die dann aus Haftungsgründen auch den An- und Einbau der Anhängerkupplung vornehmen will.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 07. April 2021 | 17:00 Uhr

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