Gebrauchtwagenkauf Das Traumauto aus zweiter Hand

Andreas Keßler
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Noch gut in Schuss, unfallfrei und zum Schnäppchenpreis: viele Deutsche suchen auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach ihrem Traumauto. Woran Sie seriöse Verkäufer erkennen und worauf Sie am Wagen achten sollten, weiß Autoexperte Andreas Keßler.

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Beim Gebrauchtwagenkauf gehört die ausführliche Besichtigung dazu. Bildrechte: imago images / Westend61

So sollten Sie beim Gebrauchtwagenkauf vorgehen

Eigentlich ist es ganz einfach: Das ideale Auto gibt es nicht! Es ist weder im Angebot der Händler oder in den Kleinanzeigen noch in den Weiten des Internets, sondern nur in den Köpfen der Autokäufer zu finden. Die Ursache hierfür liegt zum einen an einer immer anspruchsvoller werdenden Klientel, zum anderen an der Autoindustrie, die ständig das perfekte Auto verspricht.

Unter dem Strich hat sich für Autokäufer aber seit Jahrzehnten fast nichts geändert: Wer einen fahrbaren Untersatz sucht, legt zunächst das Budget fest, dann die maximal möglichen Unterhaltskosten, danach kommt die Familie und ihr Raumbedarf und ganz am Ende stellt sich so das richtige Modell fast von selbst ein. Das einzige Problem bleibt dann nur noch die Farbe.

Die fünf Gebote des Gebrauchtwagenkaufs

Über die Jahrzehnte haben sich einige Regeln für den Gebrauchtwagenkauf etabliert. Wer sich daran hält, kann schon nicht mehr wirklich viel falsch machen.

  1. Wer auf "Nummer Sicher" gehen will, kauft beim Händler. Der muss Gewährleistung geben.
  2. Händler, die "im Kundenauftrag" verkaufen, wollen sich in der Regel um die Gewährleistung herummogeln. Finger weg!
  3. Wer wenig Geld ausgeben will, muss von einem privaten Verkäufer kaufen. Dann ist allerdings Sachverstand gefragt: Entweder der eigene oder der von einem bezahlten Fachmann oder Gutachter. Richtig günstig, aber auch riskant: Die Auktion.
  4. Der Kilometerstand des Autos ist eigentlich nur eine Zahl. Wesentlich ist der technische Zustand des Autos. Ein Vielfahrerauto, welches perfekt gepflegt wurde, ist besser als ein Rentnertraum mit Standschäden.
  5. Der Benzinverbrauch wird überschätzt. Lieber ein zuverlässiges, gut gewartetes Auto als den "Prospektsparkönig", der nur in der Werkstatt steht.

Jung, aber teuer?

Der größte Brocken bei den Autokosten ist und bleibt der Wertverlust, der direkt proportional zum Neuwert des Autos teilweise dramatische Höhen erreicht. Wer sich davor schützen möchte, kauft eben kein neues Auto, sondern lieber ein drei Jahre altes. Oder (dann ganz billig!) ein sieben Jahre altes. Das fährt manchmal besser als ein jüngeres Auto.

Wer ein seltenes Importauto fährt, dessen Ersatzteile nur auf Bestellung über den Vertragshändler zu beziehen sind, wird schnell die Lust an dem Exoten verlieren. Wesentlich billiger und schneller lassen sich die Butter- und Brotautos aus Wolfsburg, Rüsselsheim und Köln reparieren: Diese Fahrzeuge sind in der Regel in Deutschland gebaut worden, die Zulieferer saßen und sitzen eben dort und fertigen Ersatzteile auch für den Zubehörhandel.

Durch die sehr hohen Stückzahlen, mit denen Golf, Astra und Focus die Zulassungsstatistiken anführen, gibt es zudem jede Menge gebrauchter Teile, die fast jede freie Werkstatt mit wenig Aufwand einbauen kann. Wer diese Zeilen richtig deutet, kann die Richtung bereits sehr gut erkennen, in der er suchen sollte.

Tipp: Nehmen Sie jemanden zur Besichtigung mit! Zur Besichtigung sollte man immer zu zweit gehen - einem Fachmann oder einem erfahrenen Laien.

Achtung: Tricks und Manipulation möglich!

Manch ein privater Verkäufer, versucht den Preis in die Höhe zu treiben und manipuliert dafür den Tacho. Die Polizei nimmt an, dass an jedem dritten in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert wird. So steigern die Betrüger den Wert im Durchschnitt um mehrere tausend Euro pro Auto.

Es empfiehlt sich daher, Werte zu vergleichen. Im Serviceheft, in HU/AU-Untersuchungen und einfachen Reparaturrechnungen wird der Kilometerstand festgehalten. Mittlerweile gibt es außerdem auch für Laien bedienbare Diagnosegeräte und Apps, die unterschiedlichen Steuergeräte auslesen und bei Manipulation, Alarm schlagen.

Gebrauchtwagenkauf 5 min
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Unfallfrei oder nur neu lackiert?

Unfallwagen werden in der Regel neu lackiert – so soll es ja auch sein, allerdings muss das eben auch ehrlich angegeben werden. Gut reparierte Lackschäden sind mit bloßem Auge aber nur schwer zu erkennen. Abhilfe schafft ein Magnet. Er deckt gespachtelte Stellen auf – dort hält er nicht.

Hat sich bei einem Aufprall die Karosserie verzogen, sieht man das auch häufig nach der Reparatur noch – wenn zum Beispiel die Abstände zwischen Motorhaube und Kotflügeln unterschiedlich breit sind, könnte das darauf hindeuten.

Die Probefahrt ist Pflicht

Wenn Sie selbst am Steuer sitzen, können Sie einiges viel besser einschätzen: Startet der Motor sofort? Funktionieren alle Kontrollleuchten? Funktionieren Klimaanlage, Radio und Sitzheizung? Einige Mängel zeigen sich auch erst bei höherem Tempo: eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer zum Beispiel. Prüfen Sie das Fahrzeug also auf Herz und Nieren.

Wie seriös ist mein Verkäufer? Seriös ist, wer Mängel klar zugibt, alle Papiere zur Einsicht parat hat und bei Besichtigung und Probefahrt nicht drängelt. Ist einer der Punkte nicht gegen, düfen Sie stutzig werden.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 05. Mai 2021 | 17:00 Uhr

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