Wenn das Auto liegen bleibt Wie geht richtig Abschleppen?

Andreas Keßler
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Und plötzlich rollt nichts mehr. Bei einer Autopanne hilft nur: Abschleppen. Doch wie geht das richtig? Und was ist zu beachten, wenn ein Auto mit Automatik, Schaltung oder Elektroantrieb an den Haken genommen werden muss? Experte Andreas Kessler weiß Rat.

Wer mit dem Auto liegen bleibt, sollte zunächst prüfen, ob er es wieder in Gang bekommen kann, um zu entscheiden, welche Schritte jetzt die richtigen sind. Denn "Abschleppen" ist nicht die einzige Option. Das sagt das Straßenverkehrsrecht:

  • Abschleppen:  Ein Fahrzeug wird gezogen, weil es eine Panne hat, die sich nicht mit Bordmitteln an Ort und Stelle beheben lässt (Ortsveränderung, Nothilfegedanke, Betriebsunfähigkeit). Laut StVZO ist keine Zulassung für das hintere Fahrzeug notwendig. Es ist also erlaubt, seinen Schrottwagen zum Verwerter zu schleppen. Wenn dabei große Distanzen überbrückt werden müssen, empfiehlt sich trotzdem ein Autotransportanhänger oder ein Abschleppwagen.
  • Schleppen: Ein geschlepptes Fahrzeug könnte auch aus eigener Kraft fahren. Für das Schleppen wird eine Genehmigung der Zulassungsbehörde benötigt, die heißt auch ganz einleichtend "Schleppgenehmigung".
  • Anschleppen: Hier wird Starthilfe gegeben, indem ein anderes Auto ein Pannenfahrzeug "anschleppt", bis der Motor aus eigener Kraft läuft.

Welche Fahrerlaubnis braucht man?

zum Ab- und Anschleppen

Der Lenker des abgeschleppten Fahrzeuges braucht keine Fahrerlaubnis (§ 6 Abs. 1 letzter Satz FeV), sondern muss nur die Eignungsvorschriften des § 2 FeV und in analoger Anwendung das Mindestalter aus § 10 Abs. 3 FeV erfüllen, also 15 Jahre alt sein. Der Ziehende braucht nur die Fahrerlaubnis seines Kraftfahrzeugs (§ 6 Abs. 1 letzter Satz FeV).

zum Schleppen

Der Gezogene braucht nach wie vor keine Fahrerlaubnis analog § 6 Abs. 1 Satz 3 FeV (denn er lenkt ja allenfalls einen ohnehin fahrerlaubnisfreien Anhänger, den er gar nicht im Sinne der FeV "führen" könnte). Voraussetzung hierfür ist allerdings das Vorliegen einer Schleppgenehmigung. Der Fahrer des ziehenden Kraftfahrzeugs benötigt aber die Fahrerlaubnis, die sich aus den Gewichten der Fahrzeuge ergibt (siehe §6 FeV), mindestens BE (s. Fahren ohne Fahrerlaubnis nach § 21 StVG).

zum Abschleppen im Pannenfall (Praxis)

Grundsätzlich gilt hier, dass das zulässige Gesamtgewicht des Abgeschleppten nicht höher liegen darf als das des schleppenden Pkws. Beim Abschleppen müssen beide Fahrzeuge die Warnblinkanlage eingeschaltet haben und dürfen nicht schneller als 50 km/h fahren. Das Abschleppseil darf nicht länger als acht Meter sein und muss mit einer roten Fahne in der Mitte versehen sein.

Sonderfall Elektro-Autos

Wenn der Akku auf freier Strecke leer ist, liegt der Griff zum Abschleppseil nahe. Aber ganz so einfach ist das nicht, weil ein E-Auto im Schlepp unter Umständen den Antriebsmotor zum Generator werden lassen kann.

Es wird elektrische Energie erzeugt, die in einigen Fällen tatsächlich die Batterie wieder auflädt. Diese "Pannenhilfe" ist aber von den Herstellern in der Regel nicht freigegeben und kann zum Verlust der Garantie führen. Deshalb gilt (nicht nur im Zweifel, sondern immer): Wenn das E-Auto streikt, muss ein Abschleppwagen kommen und das Auto aufladen.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 23. Juni 2021 | 17:00 Uhr

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