Sonderausstattung Autokauf: Welche Extras sich lohnen – und welche nicht

Andreas Keßler
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Die heutigen Neuwagen sind Basismodelle. Wer Extras wie Klimaanlage, Navigationssystem, Schiebedach, spezielle Beleuchtung oder anderes haben möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. Doch welche Extras braucht man wirklich – und welche nicht? Autoexperte Andreas Keßler gibt Tipps.

Rückfahrkamera in einem Auto
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Vollkorn oder Knäcke?  

Es gibt nichts, was es nicht gibt! Das gilt auch für die Ausstattung eines neuen Autos: Von der frugalen Basisversion bis zum gepimpten Vollausstatter kann der Kunde alles haben. Er muss es nur bezahlen können!

Das ist so, seitdem es Autos gibt. Glücklicherweise sind die Zeiten, in denen die Basisausstattung eines Autos kaum mehr als die vier Räder und das Lenkrad umfasste, vorbei. Der Gesetzgeber hat mit verschärften Umwelt- und Sicherheitsvorgaben dafür gesorgt, dass neue Autos wesentlich besser ausgestattet sind als ihre Vorläufer.

Das treibt die Preise (und die Komplexität) in inzwischen schmerzhafte Höhen. Vor allem betrifft das diejenigen "Extras", die mit Hilfe von Elektronik für mehr Sicherheit und Komfort im Umgang mit dem Automobil sorgen sollen.

Das Auto ist ein Auto ist ein Auto

Aktuell kaufen die meisten Leute kein Auto mehr, sondern ein "Image". Was Soziologen nicht müde werden zu behaupten, ist nicht völlig abwegig. Jeder Autokäufer möchte möglichst individuell unterwegs sein und sich vom schnöden Einheitsbrei, der die Auto-Fließbänder der Welt verlässt, möglichst deutlich abheben. Genau deshalb gibt es so unübersehbar viele Varianten und Modelle, und genau deshalb boomt die Tuning- und Veredelungsbranche.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist ein Basismodell zum späteren Veredeln vielleicht wirklich der Königsweg. In der Realität möchte dann aber doch niemand mit einem Auto der "Holzklasse" fahren, weil zum einen der Fahrspaß leidet und zum anderen der Wiederverkauf schwierig werden könnte. Wer heute einen Gebrauchtwagen ohne Klimaanlage und Servolenkung oder Lederausstattung verkaufen will, wird nicht viel echtes Interesse ernten. Die ehemals teuren Extras erhöhen den Wiederverkaufswert zwar nicht, erleichtern aber den Absatz.

Sicherheit ab Werk

Eine Frau schaltet am 12.01.2017 in Hamburg die Freisprecheinrichtung in ihrem Auto ein (gestellte Szene)
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  • Fahrerassistenzsysteme und aufwändige Abgasreinigungsanlagen gibt es serienmäßig und ohne Aufpreis, weil der Gesetzgeber es so verlangt. Im Kaufpreis enthalten sind diese Ausstattungen aber trotzdem: Ohne ESP, ABS und AdBlue-Einspritzung wäre das Auto deutlich billiger!
  • Komfortextras wie Klimaanlage, Multimedia-Anlagen und Sitzheizung gibt es in der Basisausstattung oft nicht ohne Aufpreis. Ärgerlicherweise sind sie häufig nicht einzeln bestellbar, was den Preis in die Höhe treibt.
  • Extras, die theoretisch einzeln nachrüstbar wäre, zum Beispiel Soundanlage, Sitzheizung oder Standheizung, lassen sich selbst von Spezialisten oft nicht in die komplexe Bordelektronik integrieren. Dadurch fallen Alternativen zu teuren Werksextras aus.
  • Für scharfe Rechner sind besser ausgestattete Sondermodelle oft billiger als "normale" mit den jeweiligen Extras, für die Aufpreise bezahlt werden müssen.
  • Navigationsgeräte als Werkslösung ziehen regelmäßig weitere Kosten für Updates nach sich. Zubehörgeräte sind oft besser, weil sie einer neueren Gerätegeneration entstammen und diebstahlsicherer sind.

Ist weniger mehr oder hilft viel auch viel?

  • Im Vergleich zu ihren Vor-Vormodellen sind aktuelle Neuwagen fast überkomplett ausgestattet.
  • Sonderausstattungen sind aktuell immer häufiger IT-basiert, also elektronisch zu- oder abschaltbar.
  • Zusätzliche, extra zu bezahlende Ausstattungsdetails fallen in die Kategorie "nice-to-have", sind aber für den sicheren Betrieb eines Autos nicht zwingend erforderlich.
  • Viele Ausstattungsdetails, aber auch gesetzlich vorgeschriebene Fahrerassistenzsysteme sind entweder nicht abschaltbar oder ablenkend, was sie im Einzelfall kontraproduktiv macht.
  • Besonders häufig gewünschte Extras sind nicht einzeln, sondern nur im Paket mit anderen, weniger attraktiven Positionen der Sonderwunschliste bestellbar.
  • Der Trend zum Elektroauto und die Multimedia- und Connectivity-Aufrüstung moderner Neuwagen wirft Datenschutz- und Nachhaltigkeitsfragen auf.
  • Trotz aller Kritik an der Ausstattungspolitik der Hersteller gilt: Ein modernes Auto ist ein sicheres und umweltfreundliches Auto.
  • Im Falle eines Defekts ist man als Fahrer eines voll ausgestatteten Autos auf die IT-Infrastruktur des Herstellers angewiesen, die teuer bezahlt werden muss. Das treibt die Reparaturkosten in die Höhe und begrenzt die wirtschaftlich darstellbare Lebensdauer des Autos.

Ein Extra "mieten"? Man muss nicht immer alles kaufen!

Ein Mann bedient das Navigationsgerät seines Autos während der Fahrt.
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Die Idee hört sich zunächst nicht schlecht an: Warum für ein Extra viel Geld ausgeben, wenn man es nur selten oder gar nicht braucht? Zusätzliche Batteriekapazität oder Navigationskarten für ferne Länder sind im Urlaub unabdingbar, im restlichen Teil des Jahres aber relativ nutzlos. Zeitlich befristet freigeschaltet ist im Falle eines Falles alles zur Hand und durch die Begrenzung der Nutzungsdauer auch bezahlbar.

Nur: Der Autofahrer ist auf den Hersteller seines Autos angewiesen, der die gewünschten Freischaltcodes gern, aber nicht gratis herausgibt. Ob das unter dem Strich günstiger als der Kauf der Option ist, ist nicht immer leicht zu beurteilen. Der Wettbewerb bleibt hier aus Daten- und Urheberschutzgründen außen vor, was Verbraucherschützer die Stirn runzeln lässt.

Welche Ausstattungsextras sich lohnen

Einige Ausstattungsextras geben dem Fahrer mehr Sicherheit, aber auch mehr Komfort und vereinfachen die Mobilität.

Die Einparkhilfe

Sie meldet durch akustische Signale, wie nah sich ein Hindernis vor oder hinter dem Auto befindet. Bei schlechter Sicht, bei Dunkelheit oder durch Ablenkung lassen sich Hindernisse leicht übersehen, wenn es keine Einparkhilfe gibt. Viele Pkws lassen sich zusätzlich mit einer Rückfahr-Kamera ausstatten, die einen noch besseren Überblick beim Einparken ermöglichen. Und in der Premium-Ausstattungsvariante bieten Hersteller Einparkassistenten als Sonderausstattung an, die das Lenken selbstständig übernehmen.

Der Tempomat

Er ist ein Ausstattungsextra, das vor allem auf langen Autobahnfahrten nützlich ist. Ein Tempomat erlaubt das konstante Halten einer zuvor eingestellten Geschwindigkeit und sorgt so für ein entspanntes Fahren. Außerdem wird Kraftstoff gespart, da das unnötige ständige Beschleunigen entfällt.

Die Klimaanlage

Klimaanlage im Auto
Bildrechte: imago/Panthermedia

Sie ist in vielen Neuwagen bereits Standard. Wenn nicht, sollte sie als Extra ausgewählt werden, das das Fahren im Sommer ohne Klimaanlage zur Tortur werden kann. Einige Modelle bieten die Möglichkeit, eine Mehr-Zonen-Klimaanlage mit auszuwählen. So kann die Temperatur für die Sitze vorne, in einigen Fällen sogar zusätzlich für die Plätze hinten, separat eingestellt werden.

Das Multifunktionslenkrad

Es verhindert Ablenkungen beim Fahren. Denn statt über Knöpfe im Armaturenbrett oder auf der Mittelkonsole können verschiedene Optionen wie zum Beispiel die Senderauswahl am Radio, die Lautstärke, der Tempomat oder die Anrufe direkt über das Lenkrad gesteuert werden. Die Hände bleiben am Lenkrad.

Aktive Scheinwerfer ("Kurvenlicht")

Scheinwerfer
Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Ein sinnvolles Extra sind auch Scheinwerfer, die beim Einfahren in eine Kurve dem Lenkwinkel entsprechend mitschwenken. Vor allem in der Nacht werden Kurven auf Landstraßen und Autobahnen oder dunkle Ausfahrten so deutlich besser eingesehen. Das "Kurvenlicht" begünstigt damit ein vorausschauendes Fahrverhalten.

Adaptives Fernlicht

Viele Neuwagen bieten auch die Möglichkeit, sie mit einem Fernlichtassistenten auszustatten. Der Fernlichtassistent erkennt bei eingeschaltetem Fernlicht mithilfe von Sensoren entgegenkommende Fahrzeuge oder Umgebungslicht von Ortschaften und blendet die Scheinwerfer dementsprechend ab. Das Blenden anderer Autofahrer wird verhindert und das Fahren wird entspannter.

Phone Connectivity

Das eigene Handy via Bluetooth mit dem Auto zu verbinden, ermöglicht beispielsweise die Nutzung einer Freisprecheinrichtung. Während der Fahrt kann telefoniert werden, ohne ein Bußgeld zu riskieren oder sich selbst und andere in Gefahr zu bringen. Außerdem bietet Bluetooth die Möglichkeit, Musik vom mobilen Endgerät einfach und kabellos über die Lautsprecher im Auto abzuspielen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 03. Februar 2021 | 17:00 Uhr

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