Der Redakteur | 10.05.2022 Was können wir vom autonomen Fahren erwarten?

Nimmt das Auto dem Menschen bald das Fahren komplett ab? Wo liegen die Herausforderungen des autonomen Fahrens und welche Entwicklungen sind derzeit schon am Markt? Wir werfen einen Blick auf die Zukunft der Mobilität.

Visualisierung eines Auto-Cockpits mit dreidimensionalen Hologramm-Anzeigen im Armaturenbrett.
Sind hochautomatisierte oder gar autonome Fahrzeuge die Mobilität der Zukunft? Bildrechte: Continental AG

Die Zukunft der Mobilität hat auf dem Feld und auf der Straße schon begonnen. Während bei der individuellen Mobilität vor allem der Stand des autonomen Fahrens in der Diskussion ist, kommen für Landwirtschaftsfahrzeuge künftig noch allerlei andere Funktionen hinzu: zum Beispiel Drohnen, die tief fliegen und dann punktgenau Pflanzenschutzmittel oder Dünger ausbringen. Auch soll diese Technik zukünftig die Nutzpflanze von unerwünschten Beikräutern unterscheiden können und entsprechend unterschiedlich behandeln. Man hofft dadurch, am Ende weniger Chemie zu benötigen, was Kosten und Umweltbelastung reduziert. Auch sollen in den Visionen der Ingenieure die Landwirtschaftsmaschinen irgendwann genauso autonom unterwegs sein wie das einst selbstständig fahrende Auto.

Wie ist der Stand des autonomen Fahrens beim Auto?

Der Ist-Stand ist das sogenannte Level zwei. Das heißt, alle Systeme, auch die von Tesla, die derzeit auf unseren Straßen unterwegs sind, unterstützen den Fahrer nur, er selbst trifft jedoch die Entscheidungen. Und auch das nächste Level (SAE Level drei), das Mitte Mai 2022 für Mercedes erstmals zugelassen wurde, ist noch lange kein "Schlafwagen". Bedeutet: Der Fahrer kann sich zwar zurücklehnen, wenn das Auto im autonomen Modus unterwegs ist, muss aber jederzeit damit rechnen, zur Mitarbeit aufgefordert zu werden.

Für die S-Klasse und beim EQS ist das System in Kürze erhältlich. Dabei gibt der Fahrer mit der Aktivierung des "Level-drei-Drive-Pilots", wie das System heißt, die Verantwortung an sein Fahrzeug ab. Das hat zur Folge, dass in diesem Zustand im Falle eines Unfalls der Hersteller haftet und nicht der Fahrer. Aus diesem Grund ist das System nur etwas für den berühmten "zähfließenden Verkehr mit zeitweiligem Stillstand". Es darf auch vorerst ausschließlich auf Autobahnen und bis zu einer Maximalgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde eingesetzt werden, dazu nur bei Temperaturen von über drei Grad Celsius und bei Tageslicht - also zum Beispiel nicht im Tunnel - und nicht in Baustellenbereichen. Auch Spurwechsel sind tabu.

Anwendungsfelder für das autonome Fahren

Dass unsere Autos alles alleine machen und wir nur noch bequem auf der Rückbank sitzen, wird noch ein Weilchen dauern und wohl auch nicht flächendeckend eingesetzt werden. In nicht allzu ferner Zukunft könnte es ganze Stadtteile geben, in denen ausschließlich autonome Autos fahren. Es gibt ja auch schon erste Minibusse, die ohne Fahrer zaghafte Runden drehen.

Aber immer dort, wo manuelles auf autonomes Fahren trifft, wird es knifflig. Dr. Dan Keilhoff vom Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS) sieht neben der Autobahn den Staupiloten und das Parken als erste größere Anwendungsfelder.

Futuristisches Auto-Cockpit 23 min
Bildrechte: imago images / UPI Photo

Pilotprojekt Parken

Beim Parken gibt es bereits Pilotprojekte. Wenn das Auto selbstständig auf Parkplatzsuche geht und hinterher auch wie ein Hund auf Zuruf zurückkommt, könnte das eine echte Erleichterung sein. Auch wird den Autos gerade beigebracht, von uns Menschen zu lernen. Die Künstliche Intelligenz hat nämlich durchaus Schwächen. Sie wird zwar nicht müde und kann große Datenmengen gleichzeitig verarbeiten, aber ihr fehlt die menschliche Intuition. "Wir spüren, dass da gleich jemand die Spur vor uns wechselt, das ist etwas, das kann der Mensch relativ gut, das müssen wir den Fahrzeugen erst noch beibringen", so Dan Keilhoff.

Das sind die Herausforderungen der Zukunft

Wenn wir uns zu Fuß fortbewegen, sind wir in der Lage, unsere Geschwindigkeit, Laufrichtung et cetera an Dutzende Menschen in unserem Umfeld anzupassen. Das gelingt uns weitgehend unfallfrei. Wenn wir jedoch die Geschwindigkeit erhöhen und im Straßenverkehr unterwegs sind, kommt uns diese Fähigkeit zunehmend abhanden. Wir brauchen hier Regeln, Verkehrsschilder und Ampeln.

Die Frage ist, was davon selbstfahrende Autos brauchen werden. Mit Sicherheit werden diese aber nicht nur optisch überprüfen, ob die Ampel rot ist. Die Ampel würde auch noch auf anderem Wege kundtun, dass hier anzuhalten ist. Dass sich mehrere unabhängige Systeme gegenseitig überwachen, ist die Basis für das Gesamtsystem autonomes Fahren. Also: Radar, Kamera und Funkverbindungen zusammen müssen für das Auto ein schlüssiges Gesamtbild ergeben.

Kommunikation unabhängiger Systeme

Die Kamera sieht die rote Ampel, das Auto funkt die Ampel an: "Bist du wirklich rot?" So ungefähr könnte das ablaufen. Und irgendwann werden wir die Ampeln gar nicht mehr brauchen. Die Autos fahren an eine gleichberechtigte Kreuzung heran, stimmen Fahrtrichtung, Geschwindigkeit und so weiter miteinander ab und kommen ohne Halt aneinander vorbei - wie wir Menschen in der Fußgängerzone.

"Anzuhalten ist vom Verbrauch und vom Verkehrsfluss her ohnehin keine gute Idee. Solche Lösungen haben in Pilotprojekten auch schon funktioniert," berichtet der Mobilitätsforscher aus Stuttgart.

Quelle: MDR THÜRINGEN (dgr)

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Di 04.08.2020 13:07Uhr 05:07 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/aktuell/autonomes-fahren-auto-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 10. Mai 2022 | 16:40 Uhr

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