Autokauf Unfallwagen: Schnäppchen oder Risiko?

Andreas Keßler
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Gebrauchtwagen, die als Unfallwagen deklariert werden, sind oft günstiger. Aber wurden alle Schäden fachgerecht repariert? Autoexperte Andreas Keßler weiß Rat und gibt Tipps, wie Sie versteckte Mängel entdecken können.

In der Praxis bedeutet ein nicht nach den Herstellervorgaben reparierter Unfallwagen ein Sicherheitsrisiko für die Insassen, wenn es wieder zu einem Unfall kommt.

Wenn nämlich tragende Teile eines Autos, die bei einem Unfall verformt wurden, nur kalt gerichtet wurden, verändern diese ihr Knautschverhalten und damit die Kraftaufnahme im Crash-Fall. Im ungünstigsten Fall kann die normalerweise vorhandene Sicherheitsausrüstung eines Autos dann ihre lebensrettende Funktion nicht erfüllen.

Preisersparnis mit Tücken

Der Preis eines professionell reparierten Unfallfahrzeuges unterscheidet sich bei weitem nicht so stark von dem eines unfallfreien Autos, wie oft vermutet wird. In der Regel erlöst der Verkäufer etwa 10 – 12 % weniger, was allein der Psychologie geschuldet ist. Wer mit einem Auto leben kann, das trotz perfekter Reparatur ein Unfallwagen bleibt, kann einige Tausender sparen.

Dieser "Malus" gehört aber von nun an zum Auto, weil er bei einem späteren Weiterverkauf des Autos wieder wirksam wird (wenn der Verkäufer ehrlich ist!).

Woran kann selbst ein Laie erkennen, ob ein Auto einen Unfall hatte?

  • ungleiche Spaltmaße eines Blechteils zu den angrenzenden Karosseriepartien
  • Farbnebel auf Glas, Reifen und Kunststoffteilen
  • Schlecht schließende Türen und Hauben
  • Schlecht lackierte Blechteile im Motorraum
  • Deutliche Knitterspuren an den Unterbodenpartien

ein Auto wird vom Abschleppdienst abgeschleppt
Ob der Gebrauchtwagen, an dem Sie Interesse haben, ein Unfallfahrzeug ist, können Sie zum Beispiel an Knitterspuren oder schlecht schließenden Türen erkennen. Bildrechte: colourbox

Tipp: "Nach-Unfall"-Gutachten einer unabhängigen Gutachterorganisation

Wenn ein Händler ein Auto als Unfallwagen anbietet (wenn tragende Teile des Autos bei einem Unfall beschädigt und später repariert wurden, muss das angebotene Fahrzeug dieses Attribut in der Verkaufsbezeichnung führen), kann man zunächst einmal nicht sicher sein, ob die Reparatur nach den Vorgaben des Autoherstellers ausgeführt worden ist.

Wenn es sich bei den Unfallschäden nur um Blechschäden gehandelt hat, die durch einfaches Auswechseln der verbeulten Partien (ohne Richtarbeiten an darunterliegenden Fahrzeugstrukturen) behoben worden sind, muss der Händler darauf nicht hinweisen. Er sollte es aber tun, um dem Kunden gegenüber seriös aufzutreten. Ein ehemals stark beschädigtes Auto, das nach Herstellervorgaben repariert worden ist, sollte man nur mit einem "Nach-Unfall"-Gutachten einer unabhängigen Gutachterorganisation (TÜV, DEKRA, GTÜ, KÜS) kaufen, das in dieser Hinsicht grünes Licht gibt. Nur dann kauft man ein Auto, das sicherheitstechnisch mit einem unfallfreien Fahrzeug gleichzusetzen ist.

Gibt es Schnäppchen unter den Unfallwagen?

Wer das oben Geschriebene gelesen hat und immer noch auf Schnäppchensuche ist, sollte speziell nach Exoten (Gebrauchtwagenhändler nennen sie auch "Standuhren") Ausschau halten. Wenn diese ohnehin schwer absetzbaren Autos einen Unfall hatten, sind sie selbst nach erfolgter Reparatur beinahe unverkäuflich. Und das drückt die Preise in den Keller.

Die fünf Gebote des Gebrauchtwagenkaufs:

  • Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft beim Händler! Der muss Gewährleistung geben.
  • Händler, die im Kundenauftrag verkaufen, wollen sich in der Regel um die Gewährleistung herummogeln. Finger weg!
  • Wer wenig Geld ausgeben will, muss von einem privaten Verkäufer kaufen. Dann ist allerdings Sachverstand gefragt: Entweder der eigene oder der von einem bezahlten Fachmann oder Gutachter.
  • Der km-Stand des Autos ist eigentlich nur eine Zahl. Wesentlich ist der technische Zustand des Autos. Ein Vielfahrerauto, welches perfekt gepflegt wurde, ist besser als ein Rentnertraum mit Standschäden!
  • Der Benzinverbrauch wird überschätzt! Lieber ein zuverlässiges, gut gewartetes Auto als den Prospektsparkönig, der nur in der Werkstatt steht.

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 17. November 2021 | 17:00 Uhr

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