E-Auto laden Zu Hause Strom tanken

Andreas Keßler
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einmal volltanken und das zu Hause: Das geht für Elektrofahrzeuge über eine sogenannte Wallbox, ein leistungsstarkes Ladegerät. Aber einfach an die Wand hängen und ran an die Steckdose, so klappt das nicht. Autoexperte Andreas Keßler weiß Rat.

Die eigene Tankstelle

Kleine Jungs Junge wollten früher entweder Baggerfahrer, Indianerhäuptling oder eben Tankwart werden. Leider ist der letztgenannte Beruf faktisch ausgestorben, der Traum davon ist aber nie ganz verschwunden. Aktuell gibt es eine neue Chance dafür, der Elektromobilität sei Dank!

Was früher die Tanksäule mit dem Benzinhahn war, ist heute die "Wall-Box" mit dem Ladekabel. Und (fast!) jeder kann sich so eine Kiste (Box!) an die eigene Haus-Wand (Wall!) schrauben und sein (Elektro!) -Auto selbst betanken. Klasse, oder?

verschiedene Ladestationen für E-Autos
Es gibt die verschiedensten Lade-Modelle, wie hier, ausgestellt auf einer Messe. Bildrechte: IMAGO / MiS

Vorbereitung ist alles

  • Als erstes die KfW-Förderung für die Wall-Box beantragen! Die Mittel sind begrenzt, es gilt das "Windhund-Prinzip". Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, ist eine Förderbank. Alle Infos zur Förderung gibt es hier.
  • Wenn der Installationsort in der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses liegt, den Vermieter oder die Eigentümergemeinschaft um Zustimmung bitten. Schriftlich!
  • Nach der Bewilligung der Förderung Kontakt zu einem Elektriker aufnehmen, der den "Pre-Check" – also die Vorabkontrolle – macht. Bei weitem nicht überall ist die Installation einer Wall-Box problemlos möglich!
  • Information des zuständigen Netzbetreibers über das Installationsvorhaben. Bei einer maximalen Ladeleistung unter 12 kW muss der Netzbetreiber nicht zustimmen, aber benachrichtigt werden. Wall-Boxen mit einer höheren Ladeleistung werden aber durch die KfW ohnehin nicht gefördert.
  • Wenn alle Vorab-Formalitäten positiv geklärt sind, unbedingt mindestens drei Angebote von Elektrikern einholen.
  • Dienstwagenfahrer sollten bei der Auswahl der Wall-Box ein vom Arbeitgeber akzeptiertes Modell wählen, um Abrechnungsprobleme zu umgehen.

Achtung: Viele Fallstricke in der Praxis

Bei älteren Häusern ist z.B. die Verteilung (der Sicherungskasten) einfach zu alt und für Neuinstallationen nicht mehr zulässig. Oder er bietet nicht genug Platz für einen zweiten Zähler – falls man so viel mit seinem E-Auto fährt, dass die zweite Grundgebühr für einen E-Auto-Stromtarif nicht ins Gewicht fällt.

In Mehrfamilienhäusern reicht die Haus-Anschlussleistung in der Regel nicht für mehrere Wall-Boxen. Hier müsste der Netzbetreiber den Hausanschluss verstärken, was empfindlich teuer werden kann.

Probleme mit dem Vermieter

Generell ist die Installation einer Wall-Box in Miethäusern durch den Mieter eine schwierige Sache: Der Vermieter muss zustimmen. Wenn der keine Lust auf den Ärger mit Bauarbeitern, Netzbetreibern, Folgekosten und den anderen Mietern hat, tut er das aber oft nicht. Selbst wenn der Stellplatz zum Sondereigentum eines Wohnungseigentümers gehört, sind Kellerwände, Stromleitungen und Hausanschluss Teile des Gemeinschaftseigentums. Und an diesen müssen Veränderungen vorgenommen werden, um eine Ladestation einzurichten.

Seit dem 1. Dezember 2020 ist das neue Wohnungseigentumsgesetz (WEG) in Kraft. Seitdem hat jeder Wohnungseigentümer Anspruch darauf, dass die Gemeinschaft einer angemessenen baulichen Veränderung am Gemeinschaftseigentum zustimmt, die dem Laden elektrisch betriebener Fahrzeuge dient.

Wall-Box-Infos im Netz

Eine Entscheidungshilfe für die richtige Box kann dieser Test vom ADAC sein. Und hier geht es zur KfW, die für Privatleute bis zu 900 Euro an Zuschuss gewährt.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 27. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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