Eine Marder unter der Motorhaube.
Marder können am Auto beträchtlichen Schaden anrichten. Vor allem Zündkabel, Schläuche und Isoliermatten sind gefährdet. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Schutz vor Marderschäden Was gegen Marderbisse am Auto hilft

22. März 2023, 08:22 Uhr

Er zerbeißt Bremsschläuche und Elektrokabel, kann gefährliche Motorschäden verursachen und es scheint, als wäre kein Kraut gegen ihn gewachsen: Der gemeine Steinmarder macht Autobesitzern immer wieder das Leben schwer. Tipps, wie man ihn doch abhält und Erklärungen, warum er sich so gern am Auto zu schaffen macht, hat Autoexperte Andreas Keßler.

Andreas Keßler
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Erst war er nur für Landbewohner im Süden Deutschlands ein Thema, dann für fast jeden Park-Anrainer in Großstädten und jetzt steht sein Name sogar in den meisten Teilkasko-Versicherungsbedingungen: Der gemeine Steinmarder ist dabei, zum Megathema an Deutschlands Stammtischen zu werden.

Vom harten Brötchen unter der Motorhaube über zerfetzte Isolationsmatten bis zum veritablen Motorschaden reichen die Geschichten, und ein Kraut ist gegen diese Viecher offenbar nicht gewachsen. Wirklich nicht?

Marderschäden an E-Autos Marderbisse sind für Autofahrer ganzjährig ein Problem, besonders aber in den wärmeren Monaten zur Paarungszeit der Tiere. Rund 200.000 Marderbisse werden in Deutschland jedes Jahr an die Versicherungen gemeldet.

Vor allem bei E-Autos kann die Reparatur richtig teuer werden. Denn Hochvoltkabel dürfen aus Sicherheitsgründen nicht repariert werden, so dass der betroffene Kabelsatz komplett erneuert werden muss.

Gleichzeitig sind Elektroautos am Unterboden und im Motorraum aber meist vollflächig verkleidet und oft haben Hochvoltleitungen spezielle Schutzrohre sowie dicke Isolierungen und Abschirmungen.

Ein Steinmarder sitzt auf dem Luftfilter eines Pkws
Auch wenn sie niedlich aussehen: Marder richten jährlich einen Schaden von mehr als 90 Millionen Euro an. Bildrechte: Imago/McPHOTO

Oft erzählt, nicht immer erfolgreich: Die Anti-Marder-Tricks

  • Ultraschallgeräte verjagen Marder durch Töne mit ständig wechselnder Frequenz, die der Mensch nicht hören kann. Der Stromverbrauch ist gering (ca. 20 mA). Einbau und Anschluss sind ohne Werkzeug möglich und nach wenigen Minuten erledigt.

  • Elektroschockgeräte arbeiten mit Kontaktplättchen, die unter Hochspannung stehen (Weidezaunprinzip). Bei Berührung bekommt der Marder einen Stromschlag. Das System verbraucht kaum Strom und ist bei offener Motorhaube und eingeschalteter Zündung außer Betrieb.

  • Als Kabelschutz dient geschlitztes Wellrohr aus Hartkunststoff zur Ummantelung der Zündkabel aus dem Kfz-Zubehörhandel. Es sollte so verlegt und gesichert werden, dass es weder in bewegliche noch an heiße Teile geraten kann. An den Enden dürfen keine Scheuerstellen entstehen.

  • Als einfach, dabei oft wirkungsvoll, hat sich ein Rahmen aus Dachlatten erwiesen, der mit Kaninchendraht bespannt ist. Wenn das zu schützende Fahrzeug mit seiner Vorderachse in den Lattenrahmen und damit auf den Kaninchendraht fährt, hat der Marder keinen Absprungpunkt mehr.

  • Wenn trotzdem ein Marder im Auto war, ist eine Motorwäsche dringend zu empfehlen! Jeder Marderbesuch hinterlässt eine neue Duftmarke, die einen anderen Marder sofort zu Revierkampfverhalten und "Raserei" veranlasst. Die Motorwäsche ist also eine Art "Anti-Marder-Versicherung".

Trotz der Vielzahl von "Anti-Marder-Tricks" gibt es immer noch kein Vergrämungsmittel, welches ungebetenen Besuch für immer verscheucht.

Werkstattmitarbeite vor geöffneten Motorraum
Nach einem Marderbesuch empfiehlt sich eine Motorwäsche. Bildrechte: Colourbox.de

Die (vielleicht) wahren Gründe für das Marder-Chaos

Neben den ständig kleiner werdenden Lebensräumen der Marder und den daraus folgenden häufigeren Kontakten zur Zivilisation, gibt es weitere Theorien zu den Gründen, warum Marder gerne unter Motorhauben ihr Unwesen treiben. Eine davon betrifft das Material, aus denen Kfz-Stromkabel gemacht werden.

Seit einiger Zeit werden Isolierungen dieser Kabel aus Umweltschutzgründen mit einem hohen Fischmehlanteil hergestellt, der Mardern das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. Da liegt ein prüfender Biss in das lecker duftende Gekröse doch nah.

Ein ähnlicher Erklärungsversuch ist die allgemeine Neugier der Tiere, die sie mit ihren Schnauzen und Zähnen befriedigen möchten. Alles, was neu und aromatisch duftend ist, wird mit einem Test-Biss auf seine weitere Eignung untersucht. Wenn das allerdings vorher schon ein anderer Marder versucht und dabei seine Marke hinterlassen hat, wird aus der spielerischen Knabberei schnell blinde Wut mit entsprechenden Folgen für das Auto und die Börse seines Besitzers.

Mehr zum Thema finden Sie hier vom ADAC.

MDR (lk)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 22. März 2023 | 17:00 Uhr

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