Checkliste Verkehrsunfall: So verhalten Sie sich richtig

Es kann wirklich jeden treffen: Jeder kann als Ersthelfer plötzlich an einem Unfallort sein oder Opfer eines Unfalls werden. Allein im Straßenverkehr werden in Deutschland jedes Jahr etwa 400.000 Menschen verletzt. Wie man sich in solchen Situationen richtig verhält, erklärt Präventionsexpertin Ilona Wessner.

Checkliste: Das richtige Verhalten an einem Unfallort

  • Sofort anhalten! Und Ruhe bewahren. Bei geringfügigem Sachschaden die Fahrbahn freimachen.
  • Warnblinkanlage einschalten!
  • Warnweste anziehen.
  • Warndreieck aufstellen, ca. 100 Meter vom Unfallort entfernt.
  • Erste Hilfe leisten: PRÜFEN, RUFEN, DRÜCKEN

Die wichtigen drei Stichworte bei Erster Hilfe

1. PRÜFEN

Sprechen Sie die Person an: "Hören Sie mich?"
Schütteln Sie an den Schultern: Keine Reaktion?
Achten Sie auf die Atmung.
Keine Atmung oder keine normale Atmung (Schnappatmung)?

2. RUFEN

Rufen Sie die 112 an oder veranlassen Sie eine andere Person zum Notruf. Dabei müssen Sie folgende Fragen beantworten:

  • Wer erstattet die Meldung?
  • Wo genau ist der Unfall passiert?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Verletzungen liegen vor?
  • Warten auf Rückfragen!

3. DRÜCKEN

Wenn Sie keine Atmung bzw. Schnappatmung wahrnehmen, beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage: Machen Sie den Brustkorb frei. Legen Sie den Ballen Ihrer Hand auf die Mitte der Brust, den Ballen Ihrer anderen Hand darüber. Verschränken Sie die Finger. Halten Sie die Arme gerade und gehen Sie senkrecht mit den Schultern über den Druckpunkt, so können Sie viel Kraft ausüben.

  • Drücken Sie das Brustbein 5–6 cm nach unten!
  • Drücken Sie 100- bis 120-Mal pro Minute!
  • Hören Sie nicht auf, bis Hilfe eintrifft!

Wie steht es in Corona-Zeiten mit der Mund-zu-Mund-Beatmung? Normalerweise sollten geschulte Helfer die Mund-zu-Mund-Beatmungen im Verhältnis von 30 Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen durchführen (30:2). In Zeiten der Pandemie rät das Rote Kreuz jedoch davon ab, weil die Corona-Infektionsgefahr zu groß ist. Eine Herzdruckmassage genügt und hilft auch schon viel.

Was Sie außerdem wissen sollten

Was nach einem Unfall noch zu unternehmen ist, hängt stark davon ab, ob man selbst Opfer, Verursacher oder Mitverantwortlicher ist.

  • Das Unfallopfer sollte so schnell wie möglich den Schaden an seinem Fahrzeug feststellen lassen. Das kann die Werkstatt seines Vertrauens tun. Bei Schäden, die nicht als Bagatelle gelten, die Schadensermittlung einem Sachverständigen überlassen.

Symbolbild - Bewusstloser Mann liegt auf der Straße nach Unfall mit Elektro-Roller
Bildrechte: imago images/Panthermedia

  • Als Unfallverursacher muss man umgehend die eigene Haftpflichtversicherung informieren. Das gilt auch in jenen Fällen, in denen man eine Mitverantwortung trägt. Ratsam ist die Information an den eigenen Versicherer vor allem auch dann, wenn man von der eigenen Unschuld am Unfall überzeugt ist, der Unfallgegner aber ein Verschulden behauptet. Die eigene Versicherung hat nicht nur die Aufgabe, Ansprüche eines Geschädigten zu regeln, sondern auch zu Unrecht erhobene Ansprüche abzuwehren.

  • Nimmt die Polizei den Unfall auf, so führt dies in der Regel zu einem Bußgeld- oder Strafverfahren gegen eine oder mehrere am Unfall beteiligte Personen. Wer davon betroffen ist, für den gilt gleiches wie bei Verfahren, die wegen Verkehrsüberwachungsmaßnahmen ins Rollen kommen. Man sollte aber spätestens in diesem Stadium einen in Verkehrssachen erfahrenen Rechtsanwalt einschalten.

  • Ist die Sachlage unklar, können Rechtsschutzversicherte, gegen die Ermittlungen geführt werden, ein Unfallrekonstruktionsgutachten zur Vorbereitung der Verteidigung erstellen lassen. Der entsprechende Auftrag sollte nach vorheriger Deckungszusage der Rechtsschutzversicherung zügig erteilt werden, bevor Beweismittel verloren gehen.

  • Nach Unfällen mit Verletzten oder Toten bleibt es nicht bei einem Bußgeldverfahren. Vielmehr wird dann von der Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren wegen Verdachts einer fahrlässigen Körperverletzung oder Tötung gegen den Unfallverursacher eingeleitet. Das Unfallopfer bzw. dessen Angehörige können auch selbst Strafantrag gegen den Verursacher stellen. Allerdings hängen zivilrechtliche Ansprüche wie etwa Schmerzensgeld nicht davon ab, ob ein Strafantrag gestellt wurde.

  • Die Einstellung solcher Verfahren durch die Staatsanwaltschaft erfolgt in der Regel wenn kein schweres Verschulden des Unfallverursachers vorliegt. Dann wird die Sache als reine Ordnungswidrigkeit an die Bußgeldstelle abgegeben. Die Ansprüche des Unfallopfers werden dadurch nicht geschmälert.

Unfallflucht – ein unterschätztes Problem

Grundsätzlich ist zu beachten, dass Sie als Unfallbeteiligter am Unfallort bleiben und mindestens 30 Minuten (zur Ermöglichung der Personalienaufnahme) warten müssen, um sich nicht wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort strafbar zu machen.

§ 142 Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

(1) Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er

  1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung  seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, dass er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder
  2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne dass jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.


(2) Nach Absatz 1 wird auch ein Unfallbeteiligter bestraft, der sich

  1. nach Ablauf der Wartefrist (Absatz 1 Nr. 2) oder
  2. berechtigt oder entschuldigt vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht.


(3) Der Verpflichtung, die Feststellungen nachträglich zu ermöglichen, genügt der Unfallbeteiligte, wenn er den Berechtigten (Absatz 1 Nr. 1) oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle mitteilt, dass er an dem Unfall beteiligt gewesen ist, und wenn er seine Anschrift, seinen Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort seines Fahrzeugs angibt und dieses zu unverzüglichen Feststellungen für eine ihm zumutbare Zeit zur Verfügung hält. Dies gilt nicht, wenn er durch sein Verhalten die Feststellungen absichtlich vereitelt.

(4) Das Gericht mildert in den Fällen der Absätze 1 und 2 die Strafe (§ 49 Abs. 1) oder kann von Strafe nach diesen Vorschriften absehen, wenn der Unfallbeteiligte innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach einem Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs, der ausschließlich nicht bedeutenden Sachschaden zur Folge hat, freiwillig die Feststellungen nachträglich ermöglicht (Absatz 3).

(5) Unfallbeteiligter ist jeder, dessen Verhalten nach den Umständen zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 30. März 2021 | 17:00 Uhr

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